LAMPENFIEBER. Schon allein dieses Wort sorgt in mir schon für ein ungutes Gefühl. Ich denke dann an den plötzlichen Hunger, das fiese Kältegefühl, die roten Flecken, die mir den Hals hochkriechen – alles auf einmal. Nicht zu vergessen die ekligen Pfützen unter den Achseln und das Gähnen im 30-Sekunden-Takt. Damit ist jedes Wohlgefühl dem eigenen Körper gegenüber für die nächsten Stunden dahin.
Kennt das noch jemand hier?

„Das menschliche Gehirn ist eine großartige Sache. Es funktioniert vom Moment der Geburt an – bis zu dem Zeitpunkt, wo du aufstehst, um eine Rede zu halten.“ – Mark Twain

Manchmal geht die Nervosität schon Tage vorher los, manchmal erst 15 Minuten vorher. Und wenn es soweit ist und ich etwas sagen soll, rede ich unheimlich schnell, meine Stimme überschlägt sich und mein Herz pocht so heftig wie nach einer intensiven Sprint-Einheit. Ich mache dann außerdem ganz viele komische Sachen mit meinen Händen. Das hat mir Insa Künkel, eine Coachin für Speaker gesagt, als ich im Rahmen eines Barcamps eine Lampenfieber-Session bei ihr mitgemacht habe. Bei Prüfungssituationen ist es ähnlich: Die Prüfungsangst äußert sich durch permanente innere Unruhe, Herumgezappel bis hin zu völliger geistiger Abwesenheit.

Der Karriere-Blog lvq.de hat dazu aufgerufen, die eigenen Erfahrungen mit Lampenfieber zu schildern und  ja, auch ich habe sehr damit zu kämpfen.

Wird das irgendwann besser?

Es erwischt mich leider immer wieder. Dabei ist es egal, ob ich vor Kunden präsentieren soll, auf einer Bühne in ein Mikrofon spreche, mit einem neuen Kontakt skype oder auch nur mit mehr als drei oder vier fremden Personen in einem Raum sitze – die Panik kommt immer wieder. Bewerbungsgespräche sind auch so ein klassischer Fall von Lampenfieber. Zum Glück muss ich das nie wieder tun.

Kleiner Trost vorweg: Je öfter man in die jeweilige Situation geschubst wird, desto besser wird es mit der Zeit. Gerade weil wir ja so selten in solche Situationen kommen, sind wir eben nicht dafür trainiert und haben Angst vorm Unbekannten. Mein Mann beispielsweise spricht regelmäßig vor einem größeren Publikum und mittlerweile fällt ihm das relativ leicht. Wer ihm zuhört, könnte leicht denken, er hätte ganz einfach die nötigen Skills dazu. In der Tat, die hat er. Aber nur, weil er sie eingeübt hat.

Ganz anders bei mir: Ich spreche realistisch geschätzt nur zwei- bis dreimal im Jahr vor größerem Publikum. Ich habe immer das Gefühl tausend Tode zu sterben, bevor ich eine Bühne betrete. Und wenn ich dann angefangen habe…dann klappts! Die Aufregung ist immernoch da, aber ich weiß aus Erfahrung, dass ich immer abliefere und hinterher keiner gemerkt haben will, dass ich nervös war. Höchstens die erste Reihe konnte meine hektischen Flecken am Dekolleté sehen. Präsentationen beim Kunden überlasse ich immernoch gern meinem Mann, weil ich lieber im Hintergrund arbeite und er einfach viel überzeugender auftreten kann. Aber ich übe Schritt für Schritt, mich auch hier zu überwinden.

Meine 3 Tipps gegen Lampenfieber

Alle Versuche mir einzureden, dass mir das Publikum ja wohlgesonnen sei und mich nicht auslachen wird, schlugen immer fehl. Ich denke immer, dass ich versagen werde und mich dann alle anstarren. Machen sie natürlich nicht. Warum auch? Wenn sie an meiner Stelle wären, würde es den meisten ja genauso gehen. Mein Lampenfieber ist also eine vollkommen irrationale Angst, die ich nicht mit sachlichen, rationalen Argumenten widerlegen kann. Manche Trainer und Coaches sagen, dass Lampenfieber positiv sein kann, weil es einen pusht und zu Höchstleistungen antreibt. Ich glaube auch, dass das stimmt, aber bitte in einer Dosis, die nicht sämtliche Körperfunktionen außer Kraft setzt.

Immerhin ein paar Tricks haben mir geholfen, mein Lampenfieber besser in den Griff zu bekommen. Diese Methoden hat Insa mir und den anderen Teilnehmern im Coaching gezeigt.

#1 Wohlfühlkleidung tragen.

Nein, keine Jogginghosen natürlich. Und Kleidung, die du erst gestern gekauft hast, ist auch eine schlechte Idee. Den Fehler habe ich oft gemacht und dann festgestellt, dass die neue Bluse doch nicht so bequem sitzt, wie ich dachte. Sobald du in Gedanken bei deiner Kleidung bist, weil irgendwas nicht gut sitzt, hast du verloren, weil du dann abgelenkt bist. Ich wähle immer Kleidungsstücke, die ich schon länger habe und mich darin wohlfühle. Also sozusagen „Alltags-approved“. Je nachdem, was der Situation angemessen ist, wären das z. B. meine geliebten schwarzen Skinny-Jeans, ein Oversized-Blazer und ein hochwertiges Baumwollshirt (vorzugsweise nicht so eng an den Achseln, ihr wisst warum). Niemals tragen würde ich beispielsweise hohe Pumps. Ich kann ganz hervorragend darauf gehen, ehrlich! Aber nicht wenn ich vor Aufregung weiche Knie habe, haha.

#2 Sich schonmal mit dem Publikum vertraut machen.

Ein sehr wichtiger Tipp, finde ich. Wenn man schon einmal mit ein paar Leuten geredet hat, dann fühlt man sich gleich viel wohler. Sagt sich so leicht, selbst das ist ja manchmal ein großes Problem. Wenn du schon ein paar meiner Artikel gelesen hast, dann weißt du, dass ich gelegentlich schüchtern bin und den Kontakt zu fremden Personen zu suchen als schwierige Aufgabe empfinde. Macht aber nix, ein kurzes Hallo reicht meistens schon. Das bekomme ich hin. Und das hilft mir schon prima, damit ich mich nicht mehr wie ein Fremdkörper fühle. Später in Präsentationen oder größeren Gesprächsrunden kann ich die Gesichter der mir bekannten Personen suchen, wenn ich möchte. Das gibt auch zusätzliche Sicherheit.

#3 Sich einen Anker suchen.

Ankern ist eine NLP-Technik und erfordert etwas Training. Sie funktioniert nicht einfach so, wenn du grad Lampenfieber hast und versuchst, dich an etwas Positives zu erinnern. Dann sind die negativen Gefühle viel zu stark. Du musst vorher einen Reiz einüben. Hier geht es darum, dass man positive Gefühlszustände sozusagen abspeichert und später wieder abrufen kann.

Das Ankern funktioniert simpel ausgedrückt so: Ein bestimmter Reiz löst eine bestimmte Reaktion aus. Ich will für mich einen Reiz schaffen, der eine positive Stimmung in mir auslöst. Um so einen Reiz zu erschaffen, stellst du dir in einer Situation, in der du gerade vollkommen entspannt bist, folgende Fragen: Bei welchem Ereignis war ich richtig glücklich und zufrieden? Was genau habe ich gefühlt? Wenn du es geschafft hast, dir diesen Moment vorzustellen und richtig aufleben zu lassen, kommt der nächste Schritt: Um diesen Moment zu konservieren, musst du ihn mit einer Handlung, dem Schlüsselreiz verknüpfen. Z. B. indem du kurz eine Faust ballst. Es kann auch etwas anderes sein, irgendein Reiz, der nicht sofort von anderen wahrgenommen wird.

Das trainerst du immer wieder, bis du durch das Auslösen des Schlüsselreizes von ganz allein entspannter wirst. Du glaubst nicht, dass das funktioniert? Also der pawlowsche Hund weiß, dass das funktioniert. Ehm… allerdings ist er schon lange tot.

Für mich sind angenehme Gerüche zum Beispiel ein guter Anker. Ich trage immer eine Parfumprobe oder Handcreme bei mir. Wenn ich daran schnuppere, tut sich vor meinem geistigen Auge eine ganz neue Welt auf, ich atme ganz tief ein und entspanne mich ein wenig.

Welche Situationen lösen bei dir Lampenfieber aus? Wie äußert es sich bei dir? Lass es mich wissen, ich freue mich auf dein Feedback!


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