Viele Leserinnen und Leser fragen mich, wie ich es im Joballtag als schüchterne und introvertierte Person schaffe, auf Fremde zuzugehen. Im Business ist Netzwerken einfach das A und O – immer gewesen und wird es immer sein. Sofern du nicht Assistenten hast, die diese Aufgabe übernehmen, während du dich auf anderes konzentrierst, bist du einfach gefordert. Irgendwo muss das Geld für die Miete ja herkommen und von ganz allein kommen die Kunden (gerade am Anfang) nicht.

Als Freelancerin/Bloggerin/Autorin ist es für mich unumgänglich neue Kontakte zu knüpfen und mit Fremden ganz natürlich ins Gespräch zu kommen. Auch, wenn mein Beruf hauptsächlich hinter einem Notebook passiert und eher den typischen „Intro-Jobs“ zuzuordnen wäre.

Was können wir also tun, wenn Händeschütteln und Visitenkarten verteilen nicht so unser Ding ist?

„Muss ich jetzt Kaltakquise machen?“

„Muss ich jetzt auf Konferenzen und Business Events gehen, um neue Kunden zu finden?“

Nein, du kannst schon einmal aufatmen: Netzwerken geht auch ohne Bauchschmerzen und Angstschweiß. Ich kenne deine Branche nicht, aber meine Strategien funktionieren in der Regel für die Kreativ-Branche ganz gut. Manches kannst du vielleicht mit ein paar Tweaks hier und da auch auf deine Möglichkeiten anpassen.

Unsere persönliche Netzwerk-Strategie

Man sagt ja vieles über das Internet, aber für mich ist es ein absolut nützliches Tool. Ja, klar: Manche behaupten, dass es sogar schuld daran sei, dass wir alle zu Einsiedlern hinter unseren Smartphones werden. Besonders für unsere Kommunikations-Skills, so behauptet man gern, sei das Internet und Social Media im Speziellen der schleichende Tod. Wir verkrümeln uns nur noch hinter unseren Bildschirmen und wissen gar nicht mehr, wie echte Gespräche funktionieren. Stimmt das?

Ich würde das gern umdrehen: Für mich war das Internet nämlich ein Sprungbrett. Während mir Events mit vielen fremden Leuten absolut zuwider sind, hat das Internet durchaus seine Vorzüge, um seine eigenen Hemmungen im Geschäftsfeld ein wenig abzubauen.

Disclaimer: Ich sage nicht, dass das eine dauerhafte Lösung ist. Ich empfehle dir nicht, dass du dich für immer in deine Online-Welt verkriechen sollst, wenn es dir „da draußen“ zu schwierig wird. Das ist kein Ausweg! Was ich aber sage ist: Es kann ein wertvoller Schritt sein, auf sein Business aufmerksam zu machen. Mein Mann ist ebenfalls introvertiert und von ihm habe ich überhaupt erst gelernt, einen eigenen Werg zu finden mit neuen Leuten in Kontakt zu treten.

Level 1: Ein paar nette Zeilen schaden nie

Zum Beispiel durch einen Kommentar in einem Business Forum oder einem Blog. Wenn ich mich schon in der Anonymität des Internets nicht traute, meine Meinung zu sagen, wo denn bitte dann?! Anfangs habe ich auch gern unter einem Pseudonym kommentiert. Irgendwie gruselte es mich bei dem Gefühl, dass Bekannte von mir mich über meinen Kommentar identifizieren könnten. Oder dass sie sehen würden, wo ich mich so „herumtreibe“ im Internet. Aber wen soll bitte jucken, was ich unter Blog XY oder Youtube Kanal Z poste? Mal abgesehen davon, dass ja nicht mein Nachname, Handynummer, Geburtsdatum und Sozialversicherungsnummer dabeistehen.

Was schreibt man denn am besten?

Ein „Danke für diesen gut recherchierten Artikel und liebe Grüße“ reicht da für den Start vollkommen aus. Für mich naheliegend, da ich viele business-relevante Blogs las und noch lese. Warum nicht einfach mal Danke sagen für einen Artikel, in den der Autor viel Mühe und Zeit gesteckt hat? Statt direkt auf dem Blog zu kommentieren, schrieb ich auch manchmal eine E-Mail, in der ich mitteilte, wie sehr mir ein bestimmter Artikel im Alltag weitergeholfen hat oder was mir an einem bestimmten Blog gut gefällt. Weil ich lange nachdenken konnte, was ich sagen möchte, fiel es mir relativ leicht, auf diese Weise meine Meinung zu sagen.

Such dir gezielt themenrelevante Unternehmen, Blogs, Foren, Magazine oder was auch immer in deinem Geschäft passend ist. Versuche ganz locker und ohne Druck Kontakt aufzunehmen und erwarte nichts zurück. Feedback wird überaus geschätzt. Alle, wirklich alle, die ich bis heute angeschrieben habe, freuten sich riesig über mein Feedback. Eine Handvoll Worte können anderen den ganzen Tag verschönern. Auch konstruktive (!) Kritik wird gern angenommen. Du schlägst mit dieser Übung also gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Du machst einen Menschen total happy und gleichzeitig erweiterst du deine Komfortzone und weckst das Interesse an deiner eigenen Arbeit. Jeder freut sich über ein Lob – und eine formlose, nette E-Mail schreibt sich wirklich fast wie von selbst.

Level 2: Wildfremde Menschen kontaktieren

Als ich meinen Job kündigte und entschied, mit meinem Mann zusammenzuarbeiten, war klar: Jetzt braucht es schwerere Geschütze. Ich musste Leute kennenlernen, um mich auszutauschen und im Idealfall für meine Leistung zu begeistern. Die meisten Menschen würden für so etwas auf Konferenzen gehen und ihre Visitenkarten streuen. Ich natürlich nicht.

Also ja, ich ging ebenfalls auf Konferenzen. Aber nur sehr, sehr selten und nur um zuzuhören. Meine Technik besteht darin, hinterher die Speaker auf Xing (Anmerkung: Auf Xing bin ich inzwischen nicht mehr anzutreffen, die Plattform hat sehr nachgelassen!) und LinkedIn anzuschreiben. Diese Technik halte ich sogar für die bessere! Wer kann sich schon an die vielen Gesichter erinnern, die er auf einer Messe gesehen hat? Aber sich hinterher online zu vernetzen ist ziemlich clever, denn dort hat man einfach mehr Ruhe für Austausch. Mögliche Anrede:

„Hallo Herr/Frau Soundso, mir hat Ihr Vortrag auf der CeBIT sehr gefallen. Besonders Ihre Argumentation zu Thema XY war sehr überzeugend. Ich würde mich freuen, mich mit Ihnen zu vernetzen.“

Netzwerken und neue Kunden gewinnen fand ich lange Zeit ganz schlimm. Das Wort #Kaltakquise ließ mir das Blut in den Adern gefrieren. Zum Glück gibt es auch andere Methoden, um auf sich aufmerksam zu machen. Hier liest du, welche ich gern nutze. #networking #netzwerken #leise #introvertiert #schüchtern #business #netzwerkenDanach sollte man nochmals nachhaken oder bei Interesse mal einen Telefontermin vereinbaren, um sich weiter kennenzulernen. Mit einer Kontaktbestätigung allein ist ja wenig erreicht und die Konferenz war einfach ein guter Aufhänger, um eine gemeinsame Gesprächsgrundlage zu haben. Siehst du, so einfach kann es sein, als stille Person fremde Menschen kennenzulernen! Dieselbe Strategie funktioniert auch für Webinare, an denen man im Internet teilgenommen hat, Fortbildungen und vieles mehr.

Level 3: Gleich nach dem Vortrag auf die Person zugehen und danke sagen

Das ist jetzt für Fortgeschrittene. Ganz in echt. Aber auch hier gilt es, hinterher den Kontakt durch eine E-Mail oder Kontaktanfrage zu verfestigen. Also gleiche Technik, nur andere Reihenfolge, siehe Punkt Nummer 2.

Funktioniert das? Für meinen Mann und mich absolut! Wir haben die meisten Kunden dadurch gewonnen, dass wir ohne Druck und Quälerei auf unsere Art Ausschau nach Gleichgesinnten und potenziellen Kunden gehalten haben. Alles kann, nichts muss. Und wenn Messen und Lunches nicht dein Ding sind, dann lässt du es halt. Hauptsache du findest deinen eigenen Weg.

Nutz alle deine Chancen! Es ist richtig und wichtig, sich in kleinen Schritten vorwärts zu hangeln. Ich habe bis vor einiger Zeit noch fast ausschließlich über E-Mails kommuniziert, weil ich vorm Telefonieren viel zu viel Schiss hatte. Ich konnte meine Gedanken schriftlich einfach besser formulieren und hatte auf diese Weise weniger Angst vor meinem unbekannten Gesprächspartner. Mittlerweile habe ich mir angewöhnt, öfter den Hörer in die Hand zu nehmen oder Skype-Konferenzen anzubieten, nachdem ich den Erstkontakt per Mail hergestellt habe. Es kommt einfach mehr Nähe zustande, wenn man einen „echten“ Menschen hört und sieht. So ein bisschen selbst pushen muss man sich einfach immer, wenn man sich weiterentwickeln will:

„Wer immer nur das macht, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.“
– Henry Ford

Zum Weiterlesen:

„Selbstständig und schüchtern: Geht das?“

„Zeig, was du kannst! – Wie man sich richtig verkauft“

Dieser Artikel ist ein Auszug aus meinem Buch „Verstecken gilt nicht – Wie man als Schüchterner die Welt erobert“. In meinem Buch findest du noch viele weitere nützliche Methoden, wie du dein volles Potenzial ausschöpfen kannst, ohne dich dabei zu verstellen.

Ich bin gespannt auf deinen Kommentar: Wir lernst du am liebsten neue Geschäftskontakte kennen?

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Mit diesem Beitrag unterstütze ich die Blogparade zum Thema Persönlichkeitsentwicklung von Quality Lifestyle, dem Dienstleister für Personal Coaching in Köln.

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