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Seit einigen Jahren arbeite ich mit meinem Mann für unsere gemeinsame Agentur und habe einen neuen, völlig anderen Alltag im Home Office. Einen Alltag, der so schnell zur Routine geworden ist, dass ich mich gefragt habe: Was hat sich nun eigentlich alles für mich verbessert?

In meinem Fall war eigenständiges Arbeiten von zuhause aus ein Befreiungsschlag, das wusste ich schon einen Monat nach meiner Kündigung. So etwas wie eine Eingewöhnungszeit gab es nicht wirklich. Ich wusste sofort: „Das isses!“ Das Gefühl von Freiheit und Eigenverantwortung tausche ich nicht mehr ein. Aber auf welche Bereiche meines Lebens hat sich diese Entscheidung alles ausgewirkt?

Was folgt, ist ein kleines Resümee für mich persönlich, aber auch ein bisschen Werbung für das Arbeiten von zuhause aus, was von vielen leider immer noch als Mysterium gesehen wird. Dafür braucht man ja schließlich voll viel Disziplin. Spoiler: Lernt man schnell! Spätestens wenn man mal richtig einer Deadline hinterherrennt und sich damit keine Freunde macht: Mehr Tipps zu Disziplin und Produktivität.

Übrigens ist ein Home Office nicht zwangsläufig eine Einrichtung für Selbstständige, ganz im Gegenteil. Einige Arbeitgeber erlauben ihren Mitarbeiten inzwischen auch vereinzelt Home Office Tage und ich hoffe, dass diese Art der Arbeit sich immer mehr durchsetzt. Die Heimarbeit ist ein Modell, dass es vielen Menschen endlich ermöglichen würde, Arbeit und Familie besser unter einen Hut zu bekommen. Ein Modell wie in den Niederlanden wäre auch hier in Deutschland wünschenswert: Seit mehr als zwei Jahren haben niederländische Beschäftigte ein Recht auf Home Office. Cool oder cool? Weniger Zeit im Stau verbringen, mehr Zeit für die Familie. Das schont die Nerven und die Arbeit wird trotzdem erledigt.

Aber genug der Abschweifung. Hier meine Liebeserklärung ans Home Office:

1. Meine Gesundheit hat sich massiv verbessert.

Früher nahm ich jede Erkältung mit und litt im Speziellen oft unter Nebenhöhlenentzündungen und Kopfschmerzen. Ich war selten richtig fit und hatte dementsprechend kein starkes Immunsystem. Mir kam dieser Zustand normal vor, weil es vielen Menschen so geht, die wenig Bewegung haben, den ganzen Tag im Büro verbringen und sich „normal“ (sprich: ungesund, weil dauernd Fertiggerichte und Snacks in den Mittagspausen) ernähren.

Den Unterschied merke ich eben jetzt erst, weil ich weiß wie gesund und ausgeglichen man sich fühlen kann, wenn man sich viel bewegt und ausgewogen isst. Ich bin nur noch sehr selten krank (vielleicht einmal im Jahr?) und wenn dann nur für kurze Zeit. Ähm…dafür habe ich mehr Sportverletzungen. Dass man den Frust auf die Geschäftsleitung oder die mangelnde Anerkennung nicht mehr jeden Tag mit nach Hause nimmt und in sich hineinfrisst, soll außerdem auch sehr heilsam wirken, habe ich gehört. ;)

2. Ich bin morgens nach dem Aufstehen erholt.

Nicht immer, aber meistens zumindest. Ich habe auch früher immer darauf geachtet, ausreichend Schlaf – mindestens 7-8 Stunden – zu bekommen, daran lag es nicht. Erholsam war der Schlaf aber selten. Aufstehen um 6:30 Uhr war nicht das Problem, das wird zur Routine irgendwann. Aber die Leistungsfähigkeit war trotzdem nicht da, egal was ich probiert habe. Die kam immer erst nach dem Mittagessen so langsam aus ihrem Loch hervor. Seit ich meinem natürlichen Biorhythmus folgen darf, geht es mir viel besser. Ich muss morgens nicht leistungsfähig sein. Ich stehe später auf und arbeite dafür dann eben auch später (es ist gerade 01:07 Uhr nachts, während ich diesen Artikel schreibe). Und vormittags erledige ich nur Dinge, für die ich meinen Kopf nicht brauche, z. B. Sport machen oder Wäsche waschen.

3. Ich koche inzwischen jeden Tag mit frischen Zutaten.

Manchmal sogar zweimal am Tag, wenn ich Lust habe. Die Zeiten, in denen ich mein Mittagessen innerhalb von 30 Minuten kaufen, warm machen und dann noch schnell runterschlingen musste, sind definitiv vorbei. Das Tolle am Home Office ist nämlich: Die Küche liegt immer ziemlich nah am Arbeitszimmer. Statt Fertigprodukten gibt es jetzt täglich viel Obst und Gemüse und ich mag mittlerweile Lebensmittel, die ich früher nie entdeckt hätte (Avocado! Buchweizen! Süßkartoffeln!).

Effizienz beim Arbeiten ist prima, aber beim Essen absolut fehl am Platz. Das muss man einfach auskosten und genießen! Dass ich mir diese Zeit jeden Tag nehme, sorgt für weniger Stress und nebenbei habe ich ein deutlich besseres Körpergefühl. Gerade im Home Office neigt man dazu, noch länger am Rechner zu sitzen, weil ja Arbeit und Freizeit „so schön“ in einander übergehen. Ich achte seitdem vermehrt auf meinen Flüssigkeitshaushalt und die Snacks, die ich zwischendurch brauche. Hier habe ich schon einmal über meine Essgewohnheiten und bessere Konzentration geschrieben: „Besseres Essen = bessere Leistung?“

Und zu guter letzt habe ich mein HelloFresh-Abo reaktiviert, weil ich gemerkt habe, wie sehr mir die Vielfalt auf dem Teller fehlt. HelloFresh ist eine Kochbox, die ich mir einmal im Monat gönne, um neue Rezeptideen und Gemüsesorten zu entdecken. Fast alle Rezepte lassen sich in 30 Minuten zubereiten und bestehen aus frischen Lebensmitteln (oft in Bio-Qualität). Außerdem verhindert sie effektiv, dass ich wieder in meinen „Nudeln-mit-Pesto-aus-dem-Glas“-Trott zurückfalle (mit diesem Link bekommen wir beide 20 Euro für die Kochbox geschenkt). ?

4. Ich lebe nicht für den nächsten Urlaub.

Die nächste anstehende Reise war für mich früher der einzige Motor, durchzuhalten und mich auf irgendetwas zu freuen. Am Wochenende großartige Unternehmungen zu planen, war nicht wirklich möglich, dafür war ich oft zu platt. Und dann war das Wochenende schon vorbei, bevor ich überhaupt mal runterfahren konnte. Um ehrlich zu sein, wusste ich damals gar nicht, wie man sich wirklich entspannt. In meiner Welt ergab die magische Formel: Entspannung = Urlaubsreise total Sinn.

Ich liebe es natürlich nach wie vor, Reisen zu planen. Ich würde sogar sagen, dass ich mehr reise als früher. Aber das ist nicht der Dreh- und Angelpunkt meines Lebens. Ich bin ausgeglichener und habe in meinem neuen Alltag genügend Kleinigkeiten gefunden, über die ich mich täglich freuen kann. Und ich weiß, wie wichtig es ist, sich jeden Tag kleine Inseln zu schaffen, die Energie und Ausgleich für den stressigen Alltag bieten. Keine Reise kann Stress aus mehreren Monaten Anspannung ausgleichen.

5. Ich weiß jetzt, was es bedeutet, Verantwortung für sich selbst zu tragen.

Wenn etwas nicht klappt wie erwartet, kann ich niemandem außer mir selbst die Schuld dafür geben. Und alles, was passieren soll, passiert nur dann, wenn ich es anstoße. Das ist eine spannende Erfahrung, wenn man auf sich gestellt ist. Man baut mehr Mist, aber man erreicht auch viel schneller viel größere Erfolge! Ich habe mal monatelang zu viel für meine Krankenversicherung bezahlt, weil ich mich für schlauer gehalten habe als den Steuerberater. Wenn man angestellt ist, passieren solche teueren Fehler eher selten. Und wenn, dann haftet der Arbeitgeber. So komfortabel hat man es als Selbstständige nicht. Aber das ist nichts Schlechtes. Ich habe innerhalb kürzester Zeit mehr über mich und das Leben gelernt als in den 5 Jahren Arbeit zuvor.

Wie man mit Misserfolgen schneller fertig wird und den inneren Perfektionisten bezwingt, habe ich hier auch schon beschrieben, schau mal rein.

6. Ich habe keine Angst mehr.

– Angst vor der Zukunft nämlich. Ängste habe ich reichlich, aber diese nicht und das ist eh die schlimmste von allen! In Deutschland, so empfinde ich es, regiert immer so ein bisschen die Angst. Die Leute haben Angst ihre Jobs zu verlieren, haben Angst Risiken einzugehen, Angst Wissen zu teilen – immer nur Angst, Angst, Angst. Ich kann das so gut verstehen, dieses Denken hat mich jahrelang begleitet! Aber es macht auch so vieles kaputt und lähmt. Man öffnet sich nicht mehr für neue Erfahrungen und mauert sich ein, in der Hoffnung dadurch alles kontrollieren zu können.

Viele Dinge kann man nicht beeinflussen, aber wie man selbst eingestellt ist schon. Die Wahrheit ist: schlechte Erfahrungen macht man trotzdem, aber die guten verpasst man noch obendrein, wenn man in permanenter Angst lebt. Du weißt nicht, wann der nächste große Auftrag kommt. Also planst du langfristiger, legst dir mehr Geld zurück, genießt aber auch deine Erfolge mehr und feierst den Moment. Denn – siehe Punkt 5 – du hast es dir verdient.

7. Viele neue Menschen.

Last but not least muss ich einfach erwähnen, wer mich täglich inspiriert. Hätte ich nicht gekündigt, hätte ich wohl eher nicht gewagt, einmal über den Tellerrand zu schauen und meine Fühler nach anderen Menschen auszustrecken, die meine Gedanken teilen. Wir sind keine Einzelkämpfer! Auch, wenn ich schüchtern und introvertiert bin, brauche ich einfach Kolleginnen, mit denen ich mich austauschen kann. (Wenn dich interessiert, wie ich es als Schüchterne schaffe, mit neuen Menschen in Kontakt zu kommen, dann empfehle ich dir diese Podcastfolge oder den Artikel „Networking für Intros“.)

Gerade wenn du allein selbstständig bist, ist es umso wichtiger, dich mit Menschen zu umgeben, die deine Werte teilen und dich dazu antreiben, deinen Weg weiterzugehen. Ich habe immerhin das große Glück, dass ich bei meinem Mann mitarbeite und wir motivieren uns gegenseitig.

Diese Profis versorgen mich täglich mit motivierendem Input auf ihre ganz eigene Weise. Jede dieser Frauen geht ihren eigenen Weg, hat eine starke Persönlichkeit und das finde ich spannend zu verfolgen. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an diese Kämpferinnen, ich schätze eure Arbeit sehr!

Carina Herrmann – um180grad.de / Bianca Jankovska – groschenphilosophin.at / Maria Anna Schwarzberg – proudtobesensibelchen.de / Johanna Fritz – byjohannafritz.de und viele mehr…

Alles für deinen produktiven Workflow:

Wie haben wir unseren Arbeitsplatz eingerichtet, um möglichst wenig Ablenkung und einen besseren Fokus zu haben? Wenn du wissen möchtest, welche Tools uns bei unserer Arbeit unterstützen und mehr Klarheit geben, schau unbedingt hier vorbei:

Let’s talk tech: ALLE Apps, Geräte und Techniken, die den Kopf bei der Arbeit freihalten

Jetzt du:

Wenn du ebenfalls von Zuhause aus arbeitest – egal ob tageweise oder Vollzeit: Wie hat das dein Leben verändert?


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