Perfektionist:innen haben ein stressiges Leben. Sie geben in jedem Bereich alles. Ihre Ansprüche sind hoch. Sie machen hervorragende Arbeit und das wissen ihre Vorgesetzten. Oft bessern sie nach, bis wirklich alles strahlt. Erkennst du dich hier ebenfalls wieder?

Das sind tolle Eigenschaften, die von vielen in deinem Umfeld sicher sehr geschätzt werden. Ich mag es an mir, dass ich sehr genau arbeite und keine halben Sachen mache. Aber, ganz klar: Ab und zu fahre ich den Karren auch mal richtig in den Dreck. Und ich muss ehrlich zugeben: Damit kann ich – wie alle Perfektionist:innen – nicht immer gut umgehen.

Der Fluch des Perfektionismus

Niemand ist perfekt und ich erst recht nicht. Mein Kopf weiß das, aber mein Unterbewusstsein verhält sich anders. Das hängt mit den sogenannten inneren Antreibern zusammen, die jede:r von uns hat. Innere Antreiber können wir uns vorstellen wie innere Befehle, die unser Handeln stark beeinflussen und unbewusst Stress auslösen können. In diesem Artikel erkläre ich genau, wie wir diese Antreiber bei uns erkennen können und auf gesunde Art mit ihnen umgehen.

Wenn ich unter Druck stehe, verstärkt sich mein Perfektionismus noch. Obwohl ich eigentlich schon komplett überfordert bin, schaffe ich es nicht, meine Ansprüche zu senken. Statt Dinge zu delegieren oder mir bewusst zu überlegen, wie ich ein „gut genug“ erreiche, schieße ich häufig über das Ziel hinaus. Dem zugrunde liegt die unausgesprochene Annahme, dass ich nur dann etwas wert bin, wenn ich viel leiste und beweise, wie gut ich bin. Aufhören und weniger machen wäre also eine Niederlage. – Da ich natürlich niemals die Illusion von Perfektion erreiche, entsteht ein großer Schmerz und Frustration, weil ich ständig damit konfrontiert werde, eben doch nicht gut genug zu sein.

Nur ein Beispiel: Vor einiger Zeit habe ich mir einen ziemlich teuren Fehler geleistet. Und das beste daran: Ich konnte ihn nicht einmal selbst ausbügeln und das machte mich fast wahnsinnig. Habe tagelang mit einem undefinierten Gefühl gelebt und fühlte mich schlecht und dreckig, so als wenn ich jemanden bestohlen oder verletzt hätte. Ich wusste irgendwann gar nicht mehr, warum es mir gerade so schlecht geht. Ich konnte meinen Fehler einfach nicht vergessen und weitermachen.

Wie soll ich mit meinem Perfektionismus umgehen?

Machen wir uns nichts vor: Man kann Fehler – auch schwere Fehler! – nicht immer vermeiden. Aber vom Prinzip her geht es darum, ob wir gelernt haben, wie man richtig mit Fehlern umgehen kann. Und da stellt sich die Frage:

👉 Worüber definieren wir unseren Wert?

Viele Perfektionisten neigen dazu ihre (beruflichen) Leistungen mit ihrem Wert als Mensch gleichzusetzen. So wird das, was einmal als gesunder Ehrgeiz losging, bis zu einem ungesunden Extrem gesteigert. Es fehlt die Balance und es entsteht die Tendenz zu Schwarz-Weiß-Denken: „Entweder Perfektion oder Niederlage!“

6 Möglichkeiten, um Perfektionismus zu überwinden

Hier kommen einige wertvolle Anregungen, um den inneren Antreiber „Sei perfekt!“ aus seinem Automatismus zu befreien und wieder eine Wahl zu haben:

Tipp #1

Frag dich, welchen Gewinn es gerade bringt, sich an einer Sache festzubeißen. Denk dran: 100% sind gar nicht möglich. Also frag dich: „Was ist das Beste, das ich geben kann? Das, was meinen Möglichkeiten entspricht und mich nicht ausbrennt?“

👉 80% sind gut genug. Und: Nachbessern geht immer, aber erstmal Machen!

Tritt einen Schritt zurück und frag dich, wie groß der Nutzen ist, immer noch weiterzumachen: Was ist das eigentliche Ziel in der aktuellen Situation? – Oft stelle ich nach dieser Selbstprüfung fest, dass ich mich in Details verloren habe. Mit weniger zufrieden zu sein bedeutet nicht, dass die Leistung schlechter ist. Vielmehr sollte man von vornherein festlegen, was realistische Ziele sind, die erreicht werden können. Wenn nicht definiert ist, was „gut“ am Ende bedeuten soll, bekommt der innere Perfektionist einen Rappel und wird niemals zufrieden sein!

Tipp #2

Mach öfter etwas, wo es überhaupt nicht auf Genauigkeit ankommt und du Abstand zum Problem gewinnst. Wenn ich male oder eine Tätigkeit austeste, die ich vorher noch nie versucht habe, passieren immer Fehler. Daran kann ich üben, Fünfe gerade sein zu lassen. Und: Es tut gut, einfach mal nicht genau sein zu müssen.

Tipp #3

👉 Führe dir vor Augen, dass du nicht schlechter wirst, nur weil du etwas weglässt oder dich für „gut genug“ entscheidest!

Denn Perfektion und Exzellenz sind zwei verschiedene Dinge. Perfektion ist das, was du niemals erreichen wirst. Exzellenz ist das, was herauskommt, wenn du immer wieder dein Bestes gibst und dich für kleine Schritte entscheidest. Dass es immer Luft nach oben gibt, ist kein Grund, deine Grenzen zu überschreiten. Du darfst in deinem eigenen Tempo wachsen.

Denn Perfektion und Exzellenz sind zwei verschiedene Dinge. Perfektion ist das, was du niemals erreichen wirst. Exzellenz ist das, was herauskommt, wenn du immer wieder dein Bestes gibst und dich für kleine Schritte entscheidest. Dass es immer Luft nach oben gibt, ist kein Grund, deine Grenzen zu überschreiten. Du darfst in deinem eigenen Tempo wachsen.

Tipp #4

Darüber sprechen. Wenn ich mit mir hadere und kurz davor bin, wieder in ein Loch zu fallen, zwinge ich mich dazu, meine inneren Monologe mal laut wiederzugeben. Es ist extrem heilsam, mit jemandem über seine Gefühlsabgründe und den inneren Zwiespalt zu reden. Man lernt dabei außerdem, seine eigenen Gefühle in Relation zu setzen und stellt nicht selten fest, dass andere den Sachverhalt wesentlich gelassener sehen.

Tipp #5

Stärk unbedingt dein Selbstwertgefühl. Für mich die schwerste aller Aufgaben und vermutlich mein Lebenswerk. Es gibt viele Möglichkeiten robuster zu werden und sich selbst mehr zuzutrauen. Mir hilft Sport beispielsweise dabei, weil ich merke, wie mein Körper stärker wird und dazulernt. Das macht mich auch mental stärker und ich lerne mich durchzubeißen. (Hier findest du viele weitere Artikel, mit denen du dein Selbstvertrauen stärken kannst.)

Tipp #6

Frag dich:

👉 „Wovor habe ich wirklich Angst?“
👉 „Was passiert, wenn ich es einfach mal anders mache?“

Du wirst Fehler machen, das ist Fakt. Also rechne von vornherein damit. Fehler sind eine Chance und du lernst gesunden Ehrgeiz von krankhafter Perfektion zu unterscheiden. Ich mag deshalb auch das Motto: „failing forward“. Es bedeutet, dass Misserfolge und Niederlagen nicht nur dazugehören – nein, sondern, dass sie sogar wichtig sind! Viele erfolgreiche Unternehmer sagen, dass die Misserfolge und Hürden sie überhaupt erst zu dem gemacht haben, was sie sind.

Affirmation gegen Perfektionismus: „Wenn ich mich dauernd infrage stelle, perfektioniere nur eines: mein eigenes Unglück.“ - Melina Royer

Die Gefahren des Perfektionismus

👉 So sieht das Leben aus, wenn man sich für jeden Fehltritt selbst bestraft:
Wir werden uns ständig selbst sabotieren. Immer, wenn etwas nicht nach Plan läuft, kommt die Panik hoch und wir wollen das Unkontrollierbare kontrollieren. Perfektionismus macht uns in Wahrheit schwächer. Und die Gefahr ist groß, dass wir auf der Stelle treten und unsere Ziele nicht erreichen. Denn zum Wachstum und die Chance auf Erfolg gehören nun einmal auch Rückschläge.

👉 So sieht unser Leben aus, wenn wir es schaffen, uns zu verzeihen und aus unseren Fehlern zu lernen:
Wir können mit uns selbst im Reinen sein und ein freies, selbstbestimmtes Leben führen. Wenn wir die Fähigkeit besitzen, Risiken einzugehen und unsere Angst vor Fehlern zu beherrschen, werden wir mit vielen schönen Erfahrungen belohnt, die uns mit anderen verbinden.

Du bist dran:

Was würdest du tun, wenn du keine Angst hättest? 

Glücklich ohne Selbstoptimierung!

Schluss mit Selbstoptimierung • Wie wir es schaffen, mit uns selbst zufrieden zu sein, statt ständig etwas Neues zu finden, was optimiert werden muss… das ist das Thema unseres neuen Buches

Juhu, unser neues Buch erscheint bald!

💜 Innere Zufriedenheit statt Perfektionismus: Warum wir auch so schon gut genug sind

🌿 Leichtigkeit statt „Höher, Schneller, Weiter“-Mindset: Wie wir durch Selbstmitgefühl gesellschaftlichem Druck standhalten können

😌 Einfach nur sein: Wie wir uns auf das besinnen, was schon in uns liegt und wieder ins Spüren kommen

Neugierig? Hier kannst du schon vorab einen Blick hineinwerfen:


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