Was fällt den meisten als Erstes ein, wenn sie an Produktivität denken? „Oh, coole Methode. Und diese App brauche ich auch unbedingt, die wird ALLE meine Probleme lösen!“

Nein, so einfach ist es nicht! Um hier mal gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Wir können im Zusammenhang mit Produktivität nicht immer nur über 100 tolle Techniken und To-Do-Listen reden.

Wir (ja, ich eingeschlossen) neigen dazu, nur an oberflächlichen Symptomen herumzudoktern statt uns mit den unsichtbaren, tiefer liegenden Ursachen unserer Motivation zu beschäftigen.

Was ist noch wichtiger, um gut in den Arbeitstag zu starten? Überhaupt die nötige Energie zu haben! Dein genialer, hochentwickelter Körper muss jeden Tag harte Arbeit leisten, damit du dich aus dem Bett schwingst und Tag für Tag anstrengende Bürotage meisterst! Woher soll er diese Energie nehmen? Bestimmt nicht von einer tollen App. Energie für den Tag bekommst du nur über den richtigen Treibstoff – und das sind deine Mahlzeiten.

„Du bist, was du isst.“

Die Psychologie hinter unseren Essgewohnheiten kann alles ändern: Mit welcher Energie wir morgens aufstehen, wie wir unsere Arbeit erledigen, wie gesund wir uns fühlen und wie erfolgreich unser Tag wird. 

Wusstest du: Mehr als 20% unseres täglichen Energiebedarfs verbraucht alleine das Gehirn. Diese Woche schreibe ich über Essgewohnheiten, weil sie einfach die zentrale Rolle in jedem erfolgreichen Alltag spielen.

Ich habe früher alles falsch gemacht, was man so falsch machen konnte: Täglich zu wenig Wasser getrunken, ständig Instant-Suppen und 5-Minuten-Terrinen zusammengerührt und Schokolade gemampft. Ganz zu schweigen von den tollen Frühstückscerealien, die vom Hersteller gern mit den Labels „mit dem Besten aus der Natur“ oder „30% weniger Zucker“ versehen werden – und deren Nährwert trotzdem noch gleich Null ist. Und abends nach der Arbeit war ich so platt, dass ich natürlich auch nicht mehr gekocht habe. Dann gabs etwas vom Lieferservice oder ein pappiges Fertiggericht.

Na klar kannte ich damals auch schon den Satz: „Dein Input bestimmt deinen Output.“ Aber so richtig ernst genommen habe ich das nicht. Mir ging’s doch ganz gut. Oder?

„Aber mir geht’s doch so ganz gut.“

Was machen wir morgens meistens? Schnell einen Kaffee trinken, vielleicht eine Schüssel Cerealien verschlingen oder fix einen Müsliriegel zwischen die Zähne klemmen?

Das Offensichtliche: Wenige Stunden später überwältigt uns der Hunger und wir brauchen dringendst einen Snack. Und Mittags in der Pause Instant-Nudeln oder ein paar Weißmehlbrote? Kann man machen. Aber dann lässt das berüchtigte Mittagstief auch nicht mehr lange auf sich warten und wir sind abgelenkt. Und die Spirale geht von vorn los.

Das Verborgene: Wenn wir unseren Tag unter dem Motto „Ich habe keine Zeit für ein gutes Frühstück“ starten, welche Message sendet das eigentlich an unser Ich?

„Ich bin es mir nicht wert, meinen Tag gesund zu starten.“

Und wie soll aus so einer inneren Einstellung Erfolg wachsen?!

Die Wahrheit ist: Ich hatte früher oft Hunger trotz regelmäßiger Mahlzeiten, Schwindelattacken vor lauter Heißhunger und Kopfschmerzen. Mein Blutzuckerspiegel fuhr regelrechte Achterbahnen mit mir. Man hält Abgeschlagenheit und ein niedriges Energie-Level für vollkommen normal. Klar, geht ja allen so!

Als ich anfing, von zuhause aus zu arbeiten und die ganzen ungesunden Büro-Snacks wegfielen, fiel es mir wirklich wie Schuppen von den Augen: Ich hatte plötzlich Energie! Mein Mittagstief war weg und ich stellte fest, dass ich mich besser und länger konzentrieren konnte, wenn ich bestimmte Lebensmittel wegließ und mich auf natürliche Produkte beschränkte.

Was habe ich verändert?

#1: Ich habe eine Frühstücksroutine eingeführt (Aufwand: 5-10 Minuten). Das war gar nicht so leicht, ich vertrage morgens nämlich nicht viel und fühle mich schnell voll. Ich trinke daher nur veganes Erbsenprotein und Gerstengras, das mich richtig fit macht. Es gibt unzählige Alternativen für deine Routine! Außerdem genieße ich in Ruhe (!) meinen Espresso. Kaffee mag ich nicht.

#2: Ich esse selbst gemachtes Mittagessen (25-40 Minuten). Für mich im Home Office ist das theoretisch einfacher zu realisieren als für Angestellte, die ins Büro müssen. Aber glaub mir, ich habe trotzdem immer die „Keine Zeit zum Essen!“-Ausrede am Start und muss mich zum Pausemachen zwingen. Ich sehe aber zu, dass ich am Vortag entweder so viel koche, dass ich am nächsten Tag noch etwas übrig habe oder ich helfe mir mit Overnight Oats (Rezept hier).

#3 Weniger ist mehr. Man beugt Heißhungerattacken und dem Mittagstief vor, indem man öfter kleinere Mahlzeiten isst statt eine große. Du kennst es sicher: schwere Mahlzeiten liegen einem wie Blei im Magen. Dazu gehören zum Beispiel Weißmehl-Produkte und alles Frittierte. Das ist ungefähr so, als würde man sein Auto mit dem falschen Treibstoff betanken. Und sich dann wundern, dass es mitten auf der Autobahn liegen bleibt.

Unser Blutzuckerspiegel hängt unmittelbar mit unserer Konzentration und unserer Willenskraft zusammen (hier habe ich schon einmal darüber gesprochen). Wer seine Pläne wirklich umsetzen will, kann also nicht einfach darauf hoffen, dass seine aktuell vorhandene Willenskraft schon ausreichen wird, um ihn ans Ziel zu tragen. Allein das Weglassen von Weißmehl und Industriezucker hat mein Mittagstief schon vernichtet.

#4: Die richtigen Pausen-Snacks sind entscheidend. Ich kaufe absichtlich keine Schokoriegel (Ausnahme: die gute 85% Moser Roth, ohne die geht nix) und Co. mehr ein. Ich liebe sie, aber ich weiß genau, wenn ich sie hier habe, verschwinden sie innerhalb von Sekunden ohne Kontrolle.

Hier ein paar Snack-Ideen, die ich für mich entdeckt habe:

  • Müsli aus Haferflocken, getrockneten Beeren und Nüssen (kostet kaum Zeit und ist sehr variabel!). Genauso gern esse ich aber auch Bowls mit gekochtem Buchweizen, Hirse oder Quinoa.
  • Reiswaffeln, Kokos-Chips und Kakaonibs von Heimatgut.
  • Rohkost-Riegel von Lubs (Fun Fact: Kommen aus meiner Heimat Lübeck, das Werk ist quasi bei mir um die Ecke)
  • …und natürlich Obst in allen Formen und Farben

Zucker ist nicht per se schlecht. Wenn er zusammen mit Ballaststoffen aufgenommen wird, wird die Energie langsam über einen längeren Zeitraum freigesetzt – das ist bei Obst der Fall. Und zwar im Stück, keine Säfte! Außerdem liebe ich Nüsse in allen Varianten. Zum Glück bin ich nicht allergisch, denn Nüsse sind wahres Brainfood.

Übrigens: Um Kalorien aus natürlichen Lebensmitteln wie Obst, Haferflocken und Nüssen schere ich mich nicht. Erstens esse ich keine ganze Tüte Nüsse, zweitens sind es hochwertige Kalorien und drittens fallen dafür ja die schlechten Sachen weg.

Verbesserungen, die ich bei mir festgestellt habe:

  • Ernähre ich mich nachhaltig, habe ich gleichmäßig mehr Energie zur Verfügung
  • Dadurch treffe ich bessere Entscheidungen
  • Ich gebe nicht vorschnell auf, wenn eine Aufgabe viel Konzentration fordert
  • Mein Blutzuckerspiegel bleibt stabil und Heißhungerattacken sind weg
  • Ich bin weniger gereizt
  • Keine Kopfschmerzen durch nährstoffarmes Essen (oft fehlen B-Vitamine und Spurenlemente wie Magnesium, Eisen oder Selen)
  • Ich komme ohne extreme Müdigkeitsattacken durch den Nachmittag

Machbarkeit in der Praxis

Brainfood: Gutes Essen, gute Leistung? Wir können nicht nur über Tools und Techniken reden, wenn wir produktiver werden wollen. Unsere Ernährung spielt eine ebenso große Rolle beim Thema Produktivität: Über 20% unseres täglichen Energiebedarfs verbraucht allein unser Gehirn. | vanilla-mind.deIch bin keine Ernährungswissenschaftlerin, aber den eigenen Körper beobachten und schauen, was passiert, wenn man sich mal eine Zeitlang zuckerfrei (oder zuckerarm) und mit natürlichen Lebensmitteln ernährt – das kann jeder! Und du wirst staunen, welchen Unterschied es macht.

Lass dich nicht abschrecken, natürlich erreichen wir keine Perfektion. Ich will mein Leben genießen und auch mal etwas essen, das ungesund ist. Es geht also keinesfalls um Verbote, sondern bewusstes Essen.

Die Frage ist: Was mache ich zu meiner Routine?

Setz in kleinen Schritten das um, was dir machbar erscheint und mach dir keinen Stress, wenn es mal nicht so klappt. Mir gelingt es auch nicht jeden Tag, das Richtige zuhause zu haben und nicht in die Heißhunger-Falle zu tappen. Mit einem guten Plan und Freude am Ausprobieren gelingt einem aber schnell ein Umstieg!

Wenn du noch mehr Inspiration brauchst, schau auch unbedingt in meine Ressourcenliste. Dort liste ich neben meinen liebsten Produktivitätshelfern auch auf, welche neuen Snack-Entdeckungen ich fürs Büro empfehlen kann und wie ich Abwechslung in meinen Essplan bekomme.

Was ist deine größte Herausforderung, um bei der Arbeit konzentriert und produktiv zu bleiben?

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