In diesem Artikel werden alle Leser:innen-Fragen zum Thema Burn-out beantwortet. Dafür habe ich mir die Burn-out-Expertin Kerstin Böcker ins Boot geholt und sie mit euren Fragen gelöchert.

Kerstin Böcker ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, Therapeutin, Coach und ja, selbst Opfer eines Burn-out gewesen. Heute hilft sie Menschen, wieder ein stressfreies Leben ohne das ständige Erschöpfungsgefühl zu führen und wieder aktiv und mit Power durchs Leben zu gehen.

FAQ mit Burn-out-Expertin Kerstin Böcker – alles, was du wissen musst

„Gibt es erste Anzeichen für einen Burn-out?“

Burn-out entsteht über einen recht langen Zeitraum. Unterschwellige Erschöpfung ist schnell spürbar, nur leider zwingen wir uns weiterzumachen und uns zusammenzureißen. Hier sind die ersten Anzeichen zu erkennen, auch das Aufschieben von Aufgaben und die Überforderung mit Alltäglichem spielt hier eine große Rolle und können als erste Anzeichen gewertet werden. Aber wie immer entscheidet der Einzelfall. Beurteilungen nach Katalog sind meiner Meinung nach nicht möglich. Denn es könnte beispielsweise auch eine Nebennierenerschöpfung vorliegen. Diese wird allerdings genauso wie der Burn-out behandelt. Zumindest in der ganzheitlichen Vorgehensweise.

Ein kurzzeitiges Tief hat eine andere Qualität! Hier bekommen wir uns noch überwunden und erledigen unsere Aufgaben. Im beginnenden Burn-out sieht das anders aus. Es erfordert eine unglaubliche Anstrengung, sich zunächst zu überreden und die Ausführung gelingt oft nur zum Teil.

Erste Anzeichen sind Erschöpfung und Überlastungsgefühle, Fluchtgedanken, Sinnfragen, körperliche Beschwerden, wie starke Muskelverspannungen, Magenschmerzen, häufige Kopfschmerzen und viele mehr. Die Symptome, bzw. ersten Anzeichen sind sehr unspezifisch.

Ärztliche Hilfe sollte immer aufgesucht werden, wenn depressive Gedanken eine übergeordnete Rolle spielen und den Tag bestimmen. Dazu zählen auch Selbstmordgedanken. Letztendlich ist immer Vorsicht geboten, wenn wir uns dermaßen erschöpft fühlen, dass sich alles anfühlt wie eine Qual.

Ein Beispiel: Ich selbst konnte kaum die Treppenstufen nach oben gehen. Auf Stufe vier musste ich eine Pause einlegen. Meine Muskeln fühlten sich so übersäuert an, dass ich das Gefühl hatte, wenn ich einen Schritt mehr mache, reißen die Muskeln. Ich saß in der Küche und habe mich gefragt, was ich dort eigentlich will. Ich fühlte mich als Opfer. Die Gedanken waren wirr und durcheinander, oft verlor ich den Faden und fühlte mich, wie unter einer Käseglocke gefangen und alles rast an mir vorbei. Nur ich kam nicht von der Stelle. Mein Körper schmerzte und nachts wünschte ich mir, dass es endlich Tag wäre. Ich wollte weg und verschwinden.

Als ich das meinem Arzt erzählte hat er mir empfohlen Pause zu machen und in den Urlaub zu fahren. Das war bis heute der letzte Besuch beim Arzt. Ich fühlte mich veralbert! Also fing ich an, mir zu überlegen, was ich brauche, was mein Körper braucht und entwickelte meine eigene ganzheitliche Strategie.

Burn-out entsteht zwar „im Kopf“, wird aber körperlich. Also sollten wir uns nicht nur psychisch stärken und Blockaden lösen, sondern auch körperlich etwas tun. Meine Empfehlung ist, zuerst den Körper zu stärken und ihm die Ernährung zu bieten, die er braucht. Und wenn der Körper sich besser und stabiler anfühlt, weniger das Gefühl der körperlichen Erschöpfung auftritt, dann ist die Kraft wieder da um mit seelischen Themen zu beginnen.

Und überhaupt erst einmal ehrlich hinzuschauen, was wir uns selbst angetan haben. Die Themen Loslassen, Vergebung und Anerkennung sind sehr wichtig, aber auch Veränderung und den Weg aus der Komfortzone wagen.

„Mir kommt es oft vor, als wenn alles auf einmal auf mich einprasselt. Was kann ich tun?“

💡 Tipp 1: Um den inneren Stress abzubauen, eignen sich Atemübungen, wie die tiefe Bauchatmung, aber auch ganz einfache Dinge, wie ein Fußbad. Manche Dinge sind so simpel, wir nehmen uns nur leider nicht die Zeit. Das ist sehr schade. Wenn der Kopf brechend voll ist, wirkt ein Fußbad mit Meersalz oder Natron wahre Wunder. Die Energie wird nach unten gelenkt und der Kopf darf sich endlich entspannen.

💡 Tipp 2: In der Bewegung haben wir die Möglichkeit, den Stress abzuschütteln, den Kopf zu lüften und Lösungen zu finden. Interessant ist, dass sich Lösungen, die in der Bewegung gefunden werden, schneller zeigen und umgesetzt werden. Sie werden sozusagen buchstäblich „in Gang“ gesetzt.

Wir müssen nicht immer in der äußeren Stille sein, um innere Stille zu erfahren! Möchtest du mit Atemübungen beginnen, empfehle ich dir, nicht zu beginnen, wenn der Stresslevel kurz vor der Explosion ist. Dann kannst du dich eh nicht darauf konzentrieren und hast das Gefühl, dass es bei dir nicht funktioniert.

Bist du extrem gestresst, wende ein Fussbad an. Hast du das Gefühl, du bist im Kopf etwas ruhiger, beginne mit der tiefen Bauchatmung. Und so kannst du dich langsam steigern.

„Ich fühle mich oft rastlos und unzufrieden. Woran liegt das?“

Unzufriedenheit macht mürbe und das Denken an die Vergangenheit macht depressiv, denn wir haben keine Chance die Vergangenheit zu ändern – sie ist vorbei! Beides hängt unmittelbar miteinander zusammen. Denkst du über deine Vergangenheit nach, bist du automatisch unzufrieden, weil du mehr an deine Fehler denkst, als an das, was du alles geschafft hast. Gedanken wie „Hätte ich doch bloß …“ lassen dich immer wieder auf einer Stelle stehen.

  1. Versuche zunächst, aufzuschreiben was du alles erreicht hast.
  2. Dann schreibe auf, wofür du dankbar bist in deinem Leben.
  3. Als nächstes schreibe dir auf, was du dir für deine Zukunft wünschst.
  4. Und zuletzt, was du tun kannst, um deine Zukunft, so wie du sie dir wünschst oder besser, zu leben.

Vielleicht magst du dafür Meditationen nutzen, die dich unterstützen, Antworten zu finden. Merke: Erlaube dir im Jetzt zu leben, zu lieben und zu lachen. Manchmal ist das gar nicht so einfach und wir kommen immer wieder zum selben Punkt. Wo hakt es? Wenn du verschiedene Übungen gemacht hast und alles nicht richtig fruchtet, frage dich, ob es eine Schnittstelle gibt – einen gemeinsamen Nenner. Dann ist das das eigentliche Thema. Wenn es sich für dich so anfühlt, als könntest du es nicht allein bewältigen, dann suche ein Gespräch. Manchmal klärt schon ein Impuls das gesamte Thema.

„Wie bekomme ich emotionalen Stress in den Griff?“

Es gibt viele verschiedene Arten von Stress und jeder nimmt seinen Stress anders wahr, weil die Ausgangslage immer eine andere ist. Wenn wir uns reflektieren und uns fragen, warum wir mit bestimmten Arten von Stress besser umgehen können und mit anderen, wie dem emotionalen Stress, gar nicht, dann sind wir schon auf dem Weg zum Ziel.

Wenn Stress in der Familie entsteht, zum Beispiel ein Streit und es schwer fällt seine Meinung zu äußern, dann kann sich das körperlich äußern. Es tut weh. Der Magen schmerzt, der Rücken und Nacken verspannt sich. Sind wir mit Personen emotional weniger verbunden, zum Beispiel mit den Kollegen, reagieren wir weniger emotional, wenn es zum Konflikt kommt.

Werden hinuntergeschluckte Emotionen körperlich spürbar, spricht unser Körper und sagt quasi, ‚ich will was loswerden‘. Wissenschaftlich wurde nun schon mehrmals belegt, dass angestaute Emotionen krank machen. Und trotzdem wir das wissen, machen wir es immer wieder.

Stelle dir selbst Fragen und sei ehrlich zu dir selbst!

  1. „Was spricht dagegen, meine Meinung zu äußern oder meine Gefühle zu zeigen?“
  2. „Was passiert im schlimmste Falle?“
  3. „Wie würde es mir gehen, wenn ich meinen Gefühlen freien Lauf lassen darf?“

Meistens stehen wir uns mit Gegenargumenten selbst im Wege. Unser Ego findet Ausflüchte, warum es nichts bringen würde, Argumente zu äußern, die unseren Standpunkt klar und deutlich aufzeigen oder Gefühle zu zeigen. Wir bleiben lieber in unserer Komfortzone — das bekannte Terrain. Hier kennen wir alles, auch die Schmerzen. Wir nehmen lieber Schlechtes in Kauf, als uns in Unbekanntes zu wagen.

Unbekannt ist in dem Falle die Reaktion der anderen und das neue Gefühl in dem Moment, in dem wir uns erlauben, etwas zu tun, was uns selbst gut tut: Nämlich das Reden und Fühlen – wieder zurück zu uns zu kommen.

Das ständige Zusammenreißen funktioniert aber irgendwann nicht mehr und alles raus muss, weil wir sonst platzen. Und dann passiert womöglich etwas Fatales. Du hörst vielleicht: „Das hättest du aber schon viel früher sagen können.“ – Soll heißen: Du sprichst deine Gefühle aus und bekommst dafür noch „Prügel“. Das heißt für dein Unterbewusstsein, du musst dich zusammenreißen und zwar für immer und ewig.

Diese Programmierung – „Ich darf nicht über meine Gefühle reden.“ – müssen wir unbedingt löschen. Das klingt immer so leicht und im Grunde genommen ist es das sogar: Denn alles ist Kopfsache! Niemand sagt uns, wie wir fühlen sollen und niemand setzt uns unsere Gedanken in den Kopf. Das machen wir selbst. Und genauso funktioniert es – wir müssen uns selbst auf die Schliche kommen und aufhören, andere Personen für unsere Gefühle verantwortlich zu machen.

Bringen wir den Mut einmal auf unsere Komfortzone zu verlassen, erkennen wir, dass wir davon nicht sterben und die beteiligten Personen auch nicht. Alten angestauten Stress loslassen zu WOLLEN ist so wichtig! Denn wir erreichen sonst genau das Gegenteil von dem, was wir für uns möchten, wenn wir nahestehende Personen verletzen, ihnen etwas nachtragen und ihnen Vorwürfe machen. Das ist keine gute Energie.

„Wie schafft man es, Stress auf der Arbeit nicht mit nach Hause zu nehmen?“

Warum willst du dir Gedanken und Sorgen machen? Gibt es dafür einen Grund? Ist das notwendig? Was bringen die Gedanken der Firma? Wie fühlt es sich an, wenn du darüber sprichst? Was passiert dann in dir? Wie reagieren andere Menschen darauf?

Beantworte dir diese Fragen ganz ehrlich und sei liebevoll mit dir. Es gibt nichts, was sich nicht ändern ließe. Nur diese Veränderung muss gewollt sein!

Der erste Schritt ist, zu beginnen dir selbst zu erlauben, Feierabend zu haben! Erlaube dir, loszulassen. Der einfachste Weg sind Routinen. Ich empfehle gern eine Morgenroutine, die dir einen kraftvollen Start in den Tag erlaubt und ein Abendritual, mit dem du dich tief entspannen kannst und der Kopf frei werden darf. Eine fünfminütige Morgenroutine findest du zum Beispiel in meinem Mitgliederbereich.

Haben nicht nur Leute mit einem vollen Kalender einen Burn-out?

Burn-out entsteht nicht nur, wenn jemand unaufhörlich arbeitet. Liebe ich das, was ich tue und will ich das aus vollem Herzen, kümmere ich mich um mein Wohl und meinen Körper, ist ein Burn-out kaum möglich. Also wie genau brennen wir aus? Wir brennen aus, wenn wir gegen uns und unsere Natur arbeiten!

Wir brennen aus, wenn wir tagein und tagaus Dinge tun, zu denen wir uns zwingen. Interessant ist besonders die Problematik, wenn wir Dinge tun, die unser Herz nicht will und wir gleichzeitig schlecht für uns sorgen. Die Ernährung ist beispielsweise oft nicht die beste und Bewegung höchst selten.

Manchmal geht es vielleicht nicht anders und wir müssen eine zeitlang etwas tun, worauf wir nicht die „größte Lust“ haben. Ist so ein Abschnitt geschafft, sollten wir uns unbedingt mit drei Fragen auseinandersetzen:

  1. „Was will ich wirklich?“
  2. „Was braucht mein Körper?“
  3. „Was braucht meine Seele?“

Um klar und ehrlich zu sehen, eignen sich hier Meditationen, die helfen verschiedene Blockaden zu lösen und neue Wege zum Ziel zu erkennen.

Vielen Dank für die vielen hilfreichen Anregungen, liebe Kerstin!

Glücklich ohne Selbstoptimierung!

Schluss mit Selbstoptimierung • Wie wir es schaffen, mit uns selbst zufrieden zu sein, statt ständig etwas Neues zu finden, was optimiert werden muss… das ist das Thema unseres neuen Buches

Juhu, unser neues Buch erscheint bald!

💜 Innere Zufriedenheit statt Perfektionismus: Warum wir auch so schon gut genug sind

🌿 Leichtigkeit statt „Höher, Schneller, Weiter“-Mindset: Wie wir durch Selbstmitgefühl gesellschaftlichem Druck standhalten können

😌 Einfach nur sein: Wie wir uns auf das besinnen, was schon in uns liegt und wieder ins Spüren kommen

Neugierig? Hier kannst du schon vorab einen Blick hineinwerfen:

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