Nö. Einfach nö. – Denke ich oft, sage ich aber viel zu selten. Noch jemand? Ich freue mich immer, wenn andere meinen Rat schätzen und ich etwas für sie tun kann. Aber irgendwann kommt einfach der Punkt, an dem ich nicht mehr kann und meine Ruhe brauche. Und gerade, wenn man sich selbst oft nicht so wichtig nimmt und mehr an andere denkt, ist nein sagen sooo schwer…

Wovor haben wir Angst?

Dies sind die häufigsten Gedanken, die mir durch den Kopf schießen, wenn es darum geht meine Grenzen zu schützen und „nein“ zu sagen:

  • „Vielleicht mag er/sie mich ja dann nicht mehr.“
  • „Und was, wenn mich dann jeder für eine egoistische Kuh hält?“
  • „Juhu, jemand braucht mich!“
  • „Wenn ich jetzt nein sage, habe ich bestimmt tagelang ein schlechtes Gewissen.“
  • „Ich sollte mich selbst nicht so wichtig nehmen.“

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Mal gleich vorweg: Wenn dich jemand nicht mehr mag, nur weil du ihm nicht mehr nützlich bist, dann ist dieser Mensch eh nicht gut für dich! Natürlich zeichnet sich eine gute Freundschaft dadurch aus, dass man sich gegenseitig hilft und füreinander da ist. Aber hin und wieder kann man einfach nicht. Man ist erschöpft, hat keine Energie und es würde bedeuten, sich selbst auszubeuten. So geht es jedem hin und wieder und das ist kein Verrat an einer Freundschaft.

Die wichtige Frage ist: Was passiert denn eigentlich wirklich, wenn wir „ja“ sagen, obwohl wir eigentlich keine Kraft haben? Wir sagen dann „nein“ zu uns selbst. Wir sagen im Grunde genommen zu unseren eigenen Bedürfnissen: „Hey, du bist nicht wichtig genug, du verdienst keinen Respekt.“ Würdest du so mit einer Freundin reden? Wohl kaum!

Die Fähigkeit, das Wort Nein auszusprechen, ist der erste Schritt zur Freiheit. – Nicolas Chamfort

Dieses Verhalten schwächt unser Selbstvertrauen und unseren Selbstwert. Wenn wir also lernen, auf die richtige Art und Weise „nein“ zu sagen, schützen wir unsere eigenen Grenzen und helfen anderen, uns besser zu verstehen und unsere Bedürfnisse zu respektieren. Es ist also kein Problem, dass du einmal Nein sagen musst. Sondern sogar der erste Schritt zu mehr Freiheit im Kopf! Ich glaube, es ist eher das „Wie“, das uns oft Kopfzerbrechen bereitet. Wie sage ich es, ohne jemanden zu verletzen?

Nein sagen zu Freunden und Kollegen

  • “Danke, dass du an mich gedacht hast, aber ich kann (möchte) nicht.”
    Sich freundlich zu bedanken, dass derjenige an einen gedacht hat, ist sehr wertvoll und ehrt auch dein Gegenüber.
  • „Sonst gern, aber ich habe gerade selbst keine Zeit/Energie/Ressourcen dafür. Du kannst zu einem anderen Zeitpunkt gern wieder auf mich zukommen.“
    Dieser Begründung ist einfach nichts entgegenzusetzen! Und wenn jemand das nicht akzeptieren will, dann erst recht betonen, dass man gestresst ist und dafür keinen Kopf hat. Viele versuchen es mit Hartnäckigkeit, aber das ist nur eine Strategie, ihr Ziel zu erreichen.
  • „Hast du im Internet schonmal nach X, Y oder Z gesucht? Da bin ich auch schon oft fündig geworden und habe gute Tipps gefunden.“
    Ich sage nicht direkt „nein“, sondern mache einen anderen Vorschlag und derjenige ist meistens sehr dankbar dafür. Ihr glaubt gar nicht, wie oft es vorkommt, dass Leute zu faul sind, erstmal selbst nach einer Antwort zu suchen. Meistens kostet es mich nur eine Minute Google Recherche, um einen guten Artikel für das Problem meines Freundes zu finden.

Nein sagen zu Energievampiren

Ein Szenario, das häufiger vorkommt als man meint, sind Leute, die dein Wissen gratis wollen. Oder irgend etwas anderes, das sie sich gern erschnorren möchten. Besonders häufig trifft man sie im Beruf an. Sie hoffen mit einem Kaffee-Meeting oder einer E-Mail einfach alles abzugreifen, wofür sie sonst eine Beratung buchen müssten.

Hast du oft Stress, weil du nicht nein sagen kannst? – So lernst du deine Grenzen zu schützen #Nein #sagen #lernen #arbeit #Achtsamkeit #StressDas läuft zum Beispiel so ab: „Heeeey Melina, ich bin ein riesen Fan! Ich habe sooo viele Fragen an dich. Können wir uns nicht mal treffen?“ Oder: „Kannst du mir bitte bei a, b, c und d helfen? Du bist doch immer so nett.“

Nichts gegen Kaffee. Oder Tee in meinem Fall. Ich lerne auch gerne neue Menschen kennen und gebe ich mein Wissen selbstverständlich auch so weiter. Sonst gäbe es diesen Blog nicht, klar oder? Aber: Ich muss erkennen können, wann es wirklich freundliches Interesse am Gegenüber ist – oder eben doch nur das Abgreifen von Strategien, um möglichst schnell selbst voranzukommen. Normalerweise merkt man das aber recht schnell an den Formulierungen. Meine Antwort fällt im letzteren Fall dann so aus:

„Tut mir leid, ich habe momentan keine Zeit dafür und muss hier passen.“

Für Fortgeschrittene kann ich dieses Skript wärmstens empfehlen:

„Dafür habe ich aktuell keine Zeit. Aber wenn du eine Beratung zu Thema XY wünschst, können wir gern einen Termin vereinbaren.“

Ziehe so früh wie möglich eine Grenze und achte auf deine Professionalität! Bei manchen E-Mails ist es im Übrigen auch völlig legitim, gar nicht zu antworten. Deine Zeit ist begrenzt und nicht jede E-Mail ein lebenswichtiger Hilferuf.

Nein sagen: Sogar zu Dingen, auf die man Lust hat

Es gibt auch Momente, in denen man sogar nein zu den eigenen Wünschen sagen muss. Ich habe zum Beispiel ständig Hummeln im Hintern und tausend Ideen, die ich sehr gerne umsetzen möchte. Immer wieder sage ich aber auch hier: nein. Ein paar Beispiele:

Ich habe neulich einen wirklich tollen TV-Beitrag für den WDR abgelehnt, weil ich es mich zeitlich überfordert hätte. Bis zur letzten Minute habe ich probiert, es möglich zu machen: für den Blog, für mehr Reichweite, sprich: für mein Ego. Aber es war nicht richtig. Ich hätte auch Lust, öfter Gastbeiträge zu schreiben, mehr Interviews führen, mit anderen kooperieren, einen Podcast produzieren und Videos machen. – Auch das mache ich aktuell nicht. So gern ich es tun würde, ich würde mich darin verlieren und mich selbst auslaugen. Voilà – tütenweise Stress. Selbst gemacht und selbst abgefüllt. Muss nicht sein, oder?

Kennst du das auch? Vielleicht hast du am Wochenende die schönsten Ausflüge geplant, obwohl du eigentlich nur eines benötigst: Ruhe? Dann ist nein sagen ebenfalls sehr schwer. Welche Fragen mir dabei helfen, meine eigenen Prioritäten zu bestimmen, kannst du hier nachlesen.

Frage an dich:

Was tust du, um deine eigenen Grenzen zu schützen? Und falls dir das sehr schwer fällt: Was ist bei dir der Hauptgrund?


Artikel zuletzt aktualisiert am 19.7.2018

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