„Ich bin nicht schüchtern, verdammt! Ich will nur einfach gerade nichts sagen.“ So manch introvertierte Person nimmt es einem richtig übel, wenn man unbedacht den folgenden Satz raushaut: „Jetzt sei mal nicht so schüchtern und komm aus deinem Schneckenhaus!“

Schüchtern oder introvertiert: Das ist nicht dasselbe, da ist sich die Wissenschaft einig. Trotzdem werden diese beiden Begriffe immer wieder durcheinander gewirbelt wie bunte Herbstblätter. Sogar in den großen Magazinen und Zeitungen konnte ich das schon häufiger beobachten.

Gibt es denn wirklich einen Unterschied? Was macht ihn aus?

Das Wichtigste in Kürze:

Warum werden Schüchternheit und Introversion so häufig verwechselt?

Kurz gesagt: Weil ihr Verhalten von außen recht ähnlich erscheinen kann. Denk mal an eine Person, die ruhig ist, in Gruppen nichts sagt und etwas reserviert wirkt. Warum ist sie so zurückhaltend? Der Grund dafür kann Schüchternheit, Introversion – oder sogar beides sein. 

Das klingt etwas verwirrend, nicht wahr? Tatsächlich gibt es schüchterne Introvertierte, aber auch schüchterne Extrovertierte. Das eine muss aber nicht zwangsläufig das andere bedingen. 

Was ist Schüchternheit?

👉 Schüchternheit ist eine antrainierte, soziale Angst. Schüchterne Personen fühlen sich unwohl und gehemmt, wenn sie unter Menschen sind.

Schüchternheit an sich ist erst einmal etwas ganz Normales. Wir alle fühlen uns in der einen oder anderen Situation mal unwohl oder gehemmt. Schüchterne Personen werden sogar als sehr sympathisch aufgrund ihres bescheidenen Auftretens wahrgenommen. Schüchternheit kann für die Betroffenen aber auch zu einer Qual werden, wenn sie besonders stark ausgeprägt ist: „Es ist so süß, wie schüchtern du bist!“ ist dann auch kein Bonus mehr im zwischenmenschlichen Miteinander.

Ich bin früher sehr schüchtern gewesen, weil ich vor anderen Menschen sehr besorgt darüber war, was sie von mir denken könnten. Ich hatte Angst, etwas Falsches zu sagen und mich vor anderen lächerlich zu machen. Nach außen hin wirkte ich ruhig, meine Ängste konnte mir niemand ansehen – aber in mir spielten sich Horrorszenarien ab:

😱 „Bin ich gut genug?“
😓 „Was, wenn ich etwas Peinliches sage?“
😣 „Was werden die anderen von mir denken, wenn ich…?“

Grübel, grübel, grübel…

👉 Soziale Ängste können zu einem Mangel an Selbstvertrauen, schweren Selbstzweifeln und Vermeidungsverhalten führen.

Im schlimmsten Fall kann aus Schüchternheit sogar eine psychische Erkrankung werden und man zieht sich immer mehr in sich zurück. Dann spricht man von einer sozialen Angststörung oder einer sogenannten Sozialphobie.

Schätzungen zufolge sollen etwa 8,5% der Bevölkerung an einer sozialen Angsterkrankung leiden – das ist gar nicht mal so wenig! Borwin Bandelow, Psychiater, Psychotherapeut und Experte für Angststörungen, erklärt dazu: „Körperliche Ausdrucksformen wie blass oder rot zu werden, Zittern oder plötzlicher Harndruck sind schon erste Anzeichen einer sozialen Phobie. Die Grenzen sind aber fließend.“

Wenn wir das Gefühl haben, dass unsere Angst uns zu stark einschränkt und uns davon abhält, unsere Ziele und Wünsche umzusetzen, ist es höchste Zeit, etwas zu ändern! Das Leben ist da, um gelebt zu werden, tiefe Verbindungen zu anderen Menschen aufzubauen – aber ganz sicher nicht, um sich von den eigenen Ängsten beherrschen zu lassen.

Mir fiel es früher unglaublich schwer, auf andere Menschen zuzugehen und Kontakte zu knüpfen. Wie schwer, das merkte ich schmerzlich, als ich mich selbstständig machte und mich in der Situation wiederfand, über mich und meine Arbeit sprechen zu müssen.

Es ist traurig, wenn man als schüchterner Mensch auf andere zugehen möchte, Lust auf Austausch und Gemeinschaft hat – aber ständig von Nervosität und Selbstzweifeln davon abgehalten wird.

👉 Wer unter Schüchternheit leidet, schaut oft ins Außen. Man zieht ungesunde Vergleiche mit anderen und glaubt, dass alle anderen es draufhaben – nur man selbst irgendwie nicht.

Man bewundert andere für ihre Eloquenz, ihr Talent Leute zu unterhalten oder dass sie nie um einen schlagfertigen Kommentar verlegen sind. Während man sich selbst anklagt, angeblich nicht „normal“ zu sein und nirgends hineinzupassen – sei es im Kolleg:innenkreis auf der Arbeit oder privat im Freundeskreis. Aber nun zu den guten Nachrichten:

Schüchternheit kann man überwinden

Schüchternheit, bzw. soziale Ängste, sind erworben. Wir werden nicht mit Selbstzweifeln geboren, sondern wir haben sie uns antrainiert – sei es durch unsere Erziehung oder bestimmte Erfahrungen u. s. w.

Schüchternheit ist also eine Eigenschaft, die wir schrittweise überwinden können. Ich habe im Laufe der Zeit gelernt, wie ich durch Selbstreflexion, das Erlernen von Resilienz und Achtsamkeitstechniken meine Schüchternheit in Selbstvertrauen umwandeln kann. Etwas schüchtern bin ich immer noch, aber ich kann es mittlerweile gut kontrollieren.

Buchtipp: Verstecken gilt nicht

Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie ich meine Schüchternheit überwunden habe, ist mein Buch „Verstecken gilt nicht“ von besonderem Interesse für dich.

Ich habe mir damals eine Gegenstrategie verordnet, um endlich Selbstvertrauen zu entwickeln. Wie mir das gelungen ist, zeige ich dir in Verstecken gilt nicht. Es ist ein Mutmachbuch, das das dir hilft, dein Schneckenhaus zu verlassen und zu dir zu stehen. Hier kannst du es bestellen*.

Es gibt eine Menge Wege, sich selbst besser kennenzulernen und das eigene Selbstvertrauen zu trainieren. Du sollst dich in deinem Leben schließlich frei bewegen können und deine Ziele erreichen. Egal, ob im Privatleben oder im Beruf. Neue Kontakte zu knüpfen und Beziehungen aufzubauen hängt von der Fähigkeit ab, erfolgreich mit anderen zu interagieren. Das kannst du z. B. in unserem Online-Kurs Intuitiv Netzwerken lernen.

Was ist Introversion?

👉 Introversion ist ein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal. Ob ein Mensch eher introvertiert oder mehr extrovertiert ist, ist Veranlagung.

Stell es dir am besten wie eine Skala vor. Die meisten Menschen liegen auf diesen beiden Polen eher in der Mitte. Das nennt man dann ambivertiert.

Die Begriffe Introversion und Extroversion gehen zurück auf den Psychiater C. G. Jung. Ihm zufolge gibt es zwei Welten, in denen jeder von uns lebt: Die innere Welt und die äußere. Wenn wir mit der Welt „da draußen“ interagieren, verhalten wir uns extrovertiert. Beispiele: Wenn wir uns mit anderen Menschen unterhalten, eine Veranstaltung besuchen oder an einem Meeting teilnehmen.

Wenn wir hingegen in unserem eigenen Kopf sind, verhalten wir uns introvertiert. Beispiele: Wenn wir ein Buch lesen, über ein Problem nachdenken oder unsere Gefühle wahrnehmen.

Jeder von uns kennt also beide Welten und bewegt sich auch in beiden! 

👉 Die wichtige Frage ist: Welche dieser beiden Welten bevorzugen wir tendenziell? Wie tanken wir unsere Akkus am besten auf?

Während Introvertierte weniger Stimulation von außen benötigen und gerne für sich sind, um ihre Gedankenwelt zu ordnen, brauchen Extrovertierte in der Regel ein höheres Maß an externer Stimulation, um sich wohlzufühlen. Das ist so, weil Extrovertierte mehr Dopamin benötigen, während Introvertierte über eher empfindliche Dopamin-Rezeptoren verfügen. Dadurch fühlen sich Introvertierte schneller überstimuliert als Extrovertierte. Deshalb benötigen sie mehr Zeit allein, um ihre Akkus wieder aufzuladen.

Wichtig: Wir sollten nicht annehmen, dass unsere Persönlichkeiten in Stein gemeißelt sind. Introversion und Extroversion prägen unsere Persönlichkeiten zwar, aber sie legen uns nicht auf ein bestimmtes Verhalten fest!

Ein simples Beispiel: Ich konnte mir früher beim besten Willen nicht vorstellen, als Speakerin auf Events zu sprechen oder in Fernsehen und TV Interviews zu geben. Das alles bereitet mir heute kein allzugroßes Kopfzerbrechen mehr. Heißt das, dass ich eine Rampensau geworden bin? Nein. Aber ich bin nicht so zurückgezogen und in mich gekehrt, wie ich es früher einmal war.

👉 Memo: Introvertierte zeichnen sich nicht dadurch aus, dass sie angeblich immer still sind. Introvertiert zu sein legt Menschen nicht auf bestimmte Verhaltensweisen fest! Sondern dieses Merkmal sagt lediglich aus, wie Menschen Energie beziehen.

emo: Introvertierte zeichnen sich nicht dadurch aus, dass sie angeblich immer still sind. Introvertiert zu sein legt Menschen nicht auf bestimmte Verhaltensweisen fest! Sondern dieses Merkmal sagt lediglich aus, wie Menschen Energie beziehen. #stillundstark

Nun wissen wir, was Introversion ist. Aber wo liegt der große Unterschied zur Schüchternheit?

Introvertierte können sich entscheiden, sozial zu sein und mit anderen zu interagieren. Manchmal wollen sie es einfach nicht, weil sie gerade Ruhe brauchen. Oder weil sie die Situation gerade lieber von außen beobachten. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie ängstlich sind. 

Schüchterne Menschen fühlen sich allerdings nicht so, als hätten sie eine Wahl. Ihnen machen ihre Ängste einen Strich durch die Rechnung, obwohl sie eigentlich gerne am Geschehen teilnehmen würden. Wir erinnern uns, die Grübelfalle.

Schüchtern oder introvertiert? Mit diesem Beispiel wird der Unterschied deutlich

Angenommen, wir befinden uns auf einer After-Work-Party. Zwei Personen sitzen auffallend still da und halten sich im Hintergrund, statt sich ins Getümmel zu stürzen. Beamen wir uns einmal in ihre Köpfe:

👉 Die introvertierte Person denkt:
„Ganz schön voll hier. Ich würde mich lieber in Ruhe unterhalten als zu tanzen. Ich glaube, ich werde langsam gehen.“

👉 Die schüchterne Person denkt:
„Ich gehe lieber nicht tanzen. Ich habe Angst, was andere von mir denken könnten. Bestimmt sehe ich total komisch aus und werde ausgelacht.“

Erkennst du den Unterschied?

👉 Fazit: Introvertierte und Schüchterne kommen oft ähnlich ruhig rüber.

Hinter den Kulissen sieht es aber völlig unterschiedlich aus. Wir müssen einen Menschen erst einmal kennenlernen und ihm zuhören, bevor wir wirklich verstehen können, was ihn antreibt.
Deshalb: Nie vorschnell ein Urteil über andere fällen!

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Schüchtern oder introvertiert: Was ist der Unterschied?

Introversion ist ein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal. Ob ein Mensch eher introvertiert oder mehr extravertiert ist, entscheiden die Gene. Schüchternheit hingegen ist eine soziale Angst, die man mit der Zeit erworben hat.


Quelle 1: https://www.welt.de/welt_print/article1917660/Schuechtern-war-gestern.html

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