Worüber im Joballtag kaum einer spricht, sind die Versagensängste und die Selbstzweifel, die jedem hin und wieder einmal kommen. Das ist natürlich auch kein Thema, bei dem man gern Schwäche vor den Kollegen zeigt. Ein Gefühl, das mich zum Beispiel hin und wieder mal heimsucht, ist das Gefühl zu glauben,  ich sei eine Hochstaplerin. Ich denke dann, ich hätte meinen Erfolg nicht verdient. Und ich warte quasi nur darauf, irgendwann „aufzufliegen“ oder als Nichtskönnerin entlarvt zu werden.

Es gibt immer Tage, an denen negative Gedanken aufziehen wie dunkle Regenwolken am Horizont. Das ist normal, aber manchmal ist das ziemlich beklemmend. Zum Beispiel, wenn man seine Kunden beobachtet, wie sie mit immer guter Laune ihre knallharte Woche absolvieren. Oder wenn ich meinen Instagram Feed durchscrolle. Dann überkommt mich der Eindruck, dass es in unserem shiny Social Media Kosmos für die unguten Tage des Berufslebens gar keinen Platz gibt. Alles ist #awesome und #positivevibesonly. Und das ist schon in Ordnung so. Ich bin auch dafür, Freude und Motivation zu verbreiten, statt andere mit meinen negativen Gedanken herunterzuziehen.

Trotzdem sollten wir auch nicht die andere Seite vergessen: Die Welt der sozialen Netzwerke ist nichts weiter als eine ungeordnete Sammlung von Momentaufnahmen, die wenig mit dem Alltag zu tun haben. Das muss ich mir immer wieder selbst sagen, denn die Tatsache, dass im Internet immer alles so fröhlich und locker aussieht, macht es mir manchmal noch schwerer, mit den weniger guten Tagen zurechtzukommen. Und genauso verhält es sich mit der Arbeitswelt: Für die Sorgen, mit denen man sich tatsächlich herumschlägt, ist für gewöhnlich kein Platz.

„Ich fühle mich wie eine #Betrügerin. Ich kann eigentlich gar nichts.“ Denkst du das manchmal? #impostor #hochstaplersyndrom #psychologie #selbstzweifel

Für die Angst, sich wie ein Betrüger zu fühlen, gibt es einen eigenen Begriff: Impostor-Syndrom – auch Hochstapler-Syndrom genannt. Hast du davon schon einmal gehört?

Das Hochstapler-Syndrom – was ist das?

Wikipedia beschreibt dieses Phänomen so:

„Trotz offensichtlicher Beweise für ihre Fähigkeiten sind Betroffene davon überzeugt, dass sie sich ihren Erfolg erschlichen und diesen nicht verdient haben. Von anderen als Erfolge angesehene Leistungen werden von den Betroffenen mit Glück, Zufall oder mit der Überschätzung der eigenen Fähigkeiten durch andere erklärt.“

Das Problem beim Hochstapler-Syndrom ist also: Der- oder diejenige hat überhaupt nichts ausgefressen, wobei man ihn oder sie ertappen könnte. Alles ist total normal und niemand stellt die Identität infrage – außer man selbst. Die Selbstzweifel sind aber so stark, dass man sich die ganze Zeit in diesem destruktiven Gedankenkreis befindet. Dass jederzeit jemand bemerken könnte, dass man von dem, was man tut, überhaupt keine Ahnung hat – eben eine Hochstaplerin ist.

Beispiele?

Dieser Blog zum Beispiel ist eines meiner schönsten Projekte. Es ist mein Nebenjob und es sollte mir Spaß bringen. Dann gibt es aber auch die Tage, an denen ich alles infrage stelle und mir sage: „Verdammt Melina, werden die Leser nicht merken, dass du gar nicht so perfekt bist und dann die Nase voll haben?“

Oder dieses Hirngespinst: Mitunter fühle ich mich nicht wie eine „echte“ Selbstständige, weil ich nicht klassisch gegründet habe wie andere Frauen, sondern ich bei meinem Mann mit eingestiegen bin. An schlechten Tagen frustriert mich der Vergleich mit anderen, die sich alles allein aufgebaut haben und dann denke ich: „Wann merken die anderen endlich, dass ich eigentlich ein Nichts bin?“

Viele kennen das Gefühl

Mit diesem Problem bin ich nicht allein (ein schwacher Trost – aber hey, immerhin!). Fast jeder hat ab und zu einmal so einen Moment, in dem er alles infrage stellt. Sogar die wunderbare Emma Watson sagte einmal in einem Interview, dass sie sich manchmal wie eine Hochstaplerin fühlt:

„Es fühlt sich für mich so an, als ob jeden Moment jemand herausfinden könnte, dass ich eine totale Betrügerin bin und das, was ich bisher erreicht habe, gar nicht verdiene.“

Im Artikel des Telegraph, aus dem dieses Zitat stammt, werden mit ihnen auch noch Tina Fey, Kate Winslet und Jodie Foster erwähnt. Leider sind gerade Frauen besonders stark von diesen Gefühlen der Selbstzweifel betroffen.

Fühlst du dich manchmal ohne Grund wie eine Hochstaplerin? #impostor #syndrom #psychologie #selbstvertrauen #mut #kate #winslet #zitate

Die Stimme im Kopf leiser drehen

Ist es vielleicht der Konkurrenzdruck, der so viele belastet? Weil sich deshalb niemand traut, darüber zu reden, obwohl wir es alle so empfinden? Jeder weiß, die ganze Business Welt da draußen meint, man müsse jeden Tag höher, schneller und weiter spucken können. Aber darüber zu sprechen ist ein Tabu. Und daran zu rütteln erst recht. Mit dem Reden fangen wir dann an, wenn wir uns mit gesenkten Kopf Richtung Therapiecouch begeben.

Ist das vielleicht schon ein Lösungsansatz, um mit dem Hochstapler-Syndrom Schluss zu machen? Einfach öfter mal einen Realitätscheck mit unserem Umfeld durchführen und dann geht’s schon wieder?

Klar ist in jedem Falle: Wir alle leben unser eigenes Leben. Vergleiche mit anderen anzustellen ist einfach nicht gesund. Warum sollten wir unseren Wert davon abhängig machen, was andere erreicht haben? Das ergibt einfach keinen Sinn und reißt uns nur nieder.

Eine wirksame Methode, die Stimme im Kopf leiser zu drehen ist außerdem seine eigenen Erfolge schriftlich festzuhalten – egal wie klein oder groß sie sind. Ich mache das schon seit einiger Zeit und habe zum Thema Erfolgstagebuch auch hier schon einmal berichtet. Neuerdings steht sogar ein sogenanntes „Jar Of Awesome“ auf meinem Schreibtisch ( → hier zeige ich dir, wie meins aussieht). Ein Glas, in dem ich berufliche Erfolge sammele und mir beweise, dass Kleinigkeiten es wert sind, beachtet zu werden. Es sind nicht die Meilensteine wie Oscars oder Nobelpreise, die uns zu erfolgreichen Menschen machen. 😊

Zufriedener in 6 Minuten

Das 6-Minuten-Tagebuch #psychologie #alltag #mindset #achtsamkeitKennst du schon das 6-Minuten Journal? Es stützt sich auf die neusten Erkenntnisse der positiven Psychologie und hilft dir täglich dabei, mit deiner eigenen Leistung zufriedener zu sein und auch die kleinen Erfolge im Job zu feiern. Wie ich es für meinen Alltag nutze, erfährst du hier:

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„Genieße die kleinen Dinge im Leben, denn eines Tages wirst du zurückblicken und realisieren, dass sie die großen Dinge waren.“ – Kurt Vonnegut

 

Kennst du diese Gefühle?

Wie gehst du damit um?

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