Anno 2016. Mein Mann und ich werden von einer Krise nach der anderen durchgeschüttelt und lernten das Wort „Stress“ erst richtig kennen. Jede Menge Krankenhäuser, Arztbesuche, Anträge, schlaflose Nächte, Verdienstausfälle und Rückschläge. Aus persönlichen Gründen will ich nicht weiter ins Detail gehen, aber so viel sei gesagt: Wir haben uns das ganze Jahr über gefühlt wie im falschen Film. Alles ging viel zu schnell, viel zu wild und viel zu unübersichtlich. Wir wurden einfach in einen völlig neuen Schauplatz hinein geschleudert und hatten keine Ahnung, was da gerade um uns herum passiert.

Und auch heute, 2018, fühle ich mich von dem Jahr 2016 noch immer gebeutelt. Die Ziele, die ich damals erreichen wollte, kann ich jetzt erst langsam aus der Versenkung holen und was außerdem geblieben ist, ist der Schrecken. Jeden Tag frage ich mich, was wohl als Nächstes passiert.

In dieser äußerst schweren Phase fing ich an, gnadenlos Dinge über Bord zu werfen, die ich früher als wichtig empfunden habe und entwickelte plötzlich ganz neue Denkmuster. Hast du das auch schon selbst erlebt?

Im Folgenden teile ich mit dir die 4 wichtigsten Punkte, die mir geholfen haben, nicht völlig durchzudrehen und in dieser stressigen Phase halbwegs bei mir selbst zu bleiben.

Meine (neuen) Lieblings-Mindsets:

Die 4 wichtigsten Punkte, die mir geholfen haben, in Stressphasen nicht völlig durchzudrehen und bei mir selbst zu bleiben. #Stress #reduzieren #vermeiden #life #lessons #Tipps

1. Aufhören, gegen das Leben zu kämpfen.

Man sagt so leicht, man muss die Dinge nehmen, wie sie kommen. Dann wiederum soll man für alles kämpfen und nichts als gegeben hinnehmen. Während wir uns um die Pflege Angehöriger gekümmert haben, stellte sich heraus, dass ich erst einmal lernen musste, in welchen Situationen sich ein Kampf lohnt und in welchen nicht.

Ich war furchtbar müde. Aber: Das lag zu einem großen Teil auch an mir selbst. Ich konnte nicht ändern, was passiert war. Krankheit und Alter erwischen jeden. Ich war wütend auf das Leben und die böse, böse Welt, aber das machte überhaupt nichts besser. Im Gegenteil, es hat mich noch zusätzlich ausgepumpt und den letzten Funken Energie geraubt, den ich dringend gebraucht hätte, um für die Familie dazusein.

„Ein gelassenes Herz ist des Leibes Leben.” Steht sogar in der Bibel. An der Richtigkeit dieser Aussage kann man nicht rütteln. Ich wusste lange Zeit nicht, was es heißt im Hier und Jetzt zu leben. Ich krallte mich an Situationen fest und ärgerte mich elend lange darüber, dass ich sie nicht ändern kann. Die Folge davon waren Kopfschmerzen, emotionale Unruhe und Dauererschöpfung.

Also sage ich dir und mir: Nimm jeden Tag, wie er kommt. Du kennst die Zukunft nicht und wenn Dinge nicht in deiner Macht liegen, dann akzeptier sie. Du machst dir selbst und anderen das Leben SO VIEL leichter! Das ist keine leichte Aufgabe, aber du kannst da hinkommen.

2. Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

So sagt man. Manchmal sind es nur bedeutungslose Kleinigkeiten, die schief gehen. Manchmal ist man aber auch so gebeutelt, dass man an gar nichts Gutes mehr denken kann. Und überhaupt, warum sich eigentlich noch freuen, wir werden doch eh alle sterben…oder?

Ich hatte schon immer eine fiese Portion Galgenhumor und auch wenn viele das nie verstanden haben: In dieser Phase hat er mich echt gerettet. Es kann befremdlich für andere sein, zu hören wie jemand in einer vermeintlich traurigen und ausweglosen Lage makabre Witze machen kann. Aber es ist unfassbar hilfreich, um den Stress irgendwie zu bewältigen. Wenn eine Situation schier unbegreiflich für den menschlichen Verstand ist, ist Humor – wenn auch sehr verzweifelter Natur – eine Hilfe. Trotz allem Schmerz und Ärger den Humor zu bewahren, lässt dich stärker aus der Zerreißprobe hervorgehen. Wenn deine Fähigkeit zu lachen verloren geht, wird’s gefährlich.

3. Jeden Tag für etwas Bestimmtes dankbar sein.

Oh, ich seh sie schon vor mir: Die immer gleichen Instagram-Feeds mit ihren Handlettering Weisheiten á la „be thankful, bla bla bla“.  Aber Spaß beiseite: Dankbarkeit erhält dich am Leben. Wenn du keinen inneren Frieden hast, nützt dir weder dein Geld, deine Freiheit, noch sonst irgend etwas. Du kannst alles besitzen und trotzdem todunglücklich und unzufrieden sein. Wie leer man wirklich ist, merkt man dann erst, wenn es hart auf hart kommt. Also arbeite an deiner Einstellung! Oft muss ich mich übrigens dazu zwingen, an etwas Positives zu denken. Ich bin nämlich einer dieser Misanthropen, bei denen das Glas zwar halbvoll ist – aber halbvoll mit Gift.

Ich bin für unterschiedliche Dinge sehr dankbar: für meine gute Gesundheit – wäre ich dauernd krank, wäre ich für meine Familie gerade ziemlich nutzlos. Für die Möglichkeit, mir durch meine Arbeit Freiräume zu schaffen. Und dafür, dass ich immer ausschlafen kann und meine Sportroutine habe – siehe Punkt 1, sonst wäre ich auch häufiger krank. Außerdem habe ich eine sehr dankbare Familie und eine Wohnung, in der ich mich wohl fühle, und und und…

Du hast definitiv genauso viele Dinge, für die du dankbar sein kannst. Das muss man sich einfach mal häufiger vor Augen führen. Helfen kann dabei übrigens das 6-Minuten-Journal: Ich verwende es seit einiger Zeit und bemerke wirklich, wie sich mein Fokus verschiebt – hin zu den positiven Erlebnissen. Hier erfährst du, wie ich es nutze.

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So funktioniert das 6-Minuten-Tagebuch.

„Genieße die kleinen Dinge im Leben, denn eines Tages wirst du zurückblicken und realisieren, dass sie die großen Dinge waren.“ – Kurt Vonnegut

4. Unnötige Geldsorgen vermeiden

Oh ja, jetzt wird es für manche unangenehm. Fakt ist: Mein Mann und ich konnten 2016 wenig arbeiten. Unsere Alltagsroutine war komplett dahin und wir haben es mit Ach und Krach geschafft, unsere laufenden Aufträge zu Ende zu bringen. Ende 2016 habe ich mit meinem Buchmanuskript (hier kannst du ein kleines Making-of lesen) begonnen, das war teils auch ein echter Kraftakt und erforderte akribische Planung bis ins letzte Detail.

Normalerweise hätte mich das in Panik versetzen müssen – tat es interessanterweise aber nicht. Wir kannten unsere Finanzen, kauften nie auf Pump und hatten Rücklagen. Geld ist eigentlich nichts weiter als eine Ressource, kann uns das Leben aber dennoch zur Hölle machen und mit uns spielen wie eine Marionette. Wenn du keinerlei Überblick über deine Einnahmen und Ausgaben hast, machst du dir wirklich selbst das Leben schwer.

Sammle deine Rechnungen, leg sie sauber ab und check einmal die Woche dein Konto (öfter muss nicht sein). Kauf nicht impulsiv ein. Du kannst dir jederzeit gönnen was du willst, aber du solltest immer wissen, wie du gerade finanziell dastehst und dir Rücklagen bilden. Dann wirst du dich auch in Zeiten sicher fühlen können, in denen deine Finanzen knapper sind als sonst. Ich mache es z. B. so, dass ich keine Überziehungskredite zulasse. Auch bei 0%-Finanzierungen mache ich nie mit. Ich gebe nur das aus, was ich wirklich habe. So zu leben, spart mir wirklich extrem viel Nerven. Stabilität und Geborgenheit geben einem die Menschen um einen herum – und nicht Dinge.

Das sind für mich die wichtigsten Learnings. Wer diese 4 Punkte beachtet, wird deutlich besser mit Stress fertig als andere. Wenn alles gut läuft, denkt man nicht so sehr darüber nach. Aber wenn sich alles ändert und man kaum noch Energie hat, merkt man zunehmend, wie wenig man vorher getan hat, um den Überblick über das eigene Leben zu haben. 15 weitere Tipps, die das Leben leichter machen, findest du auch hier.

Lesetipp:

Gehörst du vielleicht zu den Menschen, deren Stress gar nicht von außen kommt, sondern von innen? Dann ist dieser Artikel vielleicht sehr aufschlussreich für dich: Meine größte Stressquelle bin ich selbst. Ich spreche darüber, wie es ist hochsensibel zu sein und den ganzen Tag Hummeln im Hintern zu haben. Den Kopf abschalten, wie geht das?

Deine Meinung interessiert mich:

Was stresst dich ganz besonders im Alltag?

Und wie reduzierst du deinen Stress? 


© Headerfoto: Timon Royer
Artikel überarbeitet am 18.6.2018

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