Seit wann ist es eigentlich zum Statussymbol geworden, ein Workaholic zu sein? Bei manchen klingt das wie etwas, worauf man stolz sein kann. Eine Trophäe, die einem verliehen wird, wenn man besonders gelitten und gekämpft hat.

“Hey, ich habe die letzten Wochen immer 60 Stunden pro Woche gearbeitet, ich bin ein richtiger Workaholic.”

Mich stört nicht, dass jemand 60 Stunden gearbeitet hat. Jeder, wie er will. Habe ich auch schonmal gemacht. Was mich daran stört, ist die ungesunde Haltung, die dahinter steckt. Ich empfinde es eigentlich nicht als Prädikat, ein Workaholic zu sein. Eher bemitleide ich Leute, die sich gern selbst so nennen.

Bist du ein Workaholic? Erfahre in diesem Artikel, welche 3 Arten von Workaholics es gibt und warum Nichtstun dich produktiver macht. #produktiv #workaholic #job #persönlichkeitsentwicklung #selbstmanagementIrgendwann einmal, da gab es eine Zeit, in der die Devise galt: Wenn man viel Geld hat, dann arbeitet man weniger. Denn: Wir leben nicht, um zu arbeiten. Sondern wir arbeiten, um zu leben.

Das scheint tatsächlich lange her zu sein. Und dieser Workaholic Lifestyle gewinnt ja auch immer mehr an Prestige. Das ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass man absichtlich vortäuscht, möglichst beschäftigt auszusehen. Sogar auch dann, wenn man nur einen Espresso an der Bar trinken will. Wenn man schon kein Smartphone am Ohr hat, sollte man wenigstens so aussehen, also würde man gerade seine Aktien checken. Busy, busy, busy.

Für mich steht das Wort “Workaholic” nicht für Fleiß, die so heiß geliebte deutsche Tugend. Sondern für eine ungesunde Sucht, sich seinem Umfeld anzupassen, das sowieso schon oftmals völlig überzogene Erwartungen an einen stellt. Für mich drückt dieses Wort einen Zustand aus, in dem man keine Wahl hat und sich zum Opfer seiner Umstände macht.

Welche Workaholics kennst du?

Typ 1: Die Wichtigtuer/innen

Menschen, die nach Anerkennung und Aufmerksamkeit lechzen, indem sie vorgeben Tag und Nacht super busy zu sein. Sie werden ü-b-e-r-a-l-l gleichzeitig gebraucht und sie fühlen sich unersetzlich. Arbeit delegieren geht also gaaar nicht! Das eigentliche Problem dieses Typs ist: Er macht jeden unnötigen Kleinkram und fühlt sich dann wichtig. In Wahrheit kann er nicht priorisieren und hat ein mieses Zeitmanagement (= gar keins).

Typ 2: Die Selbstverleugner/innen

Menschen, die sich nicht gebraucht fühlen, wenn sie nicht “genug“ geschafft haben. Dieses „genug“ ist meist ein selbstauferlegtes Streben nach Perfektion, die nie erreicht wird und zu Frustration und Selbsthass führt. Die wahren Bedürfnisse werden immer weiter nach hinten geschoben, weil ein System ihnen vormacht, dass sie am Ende endlich für ihre harte Arbeit honoriert werden.

Ich kenne viele, denen es leider so ergeht. Sie haben nicht gelernt, um ihrer Selbst willen geschätzt zu werden. Sie messen ihren eigenen Wert an ihrer Leistung. Dieser Typ ist meist sehr emphatisch und liebenswert, steht aber vielen Fällen schon mit einem Bein im Burnout, ohne es zu merken.

Typ 3: Die angeknipsten Wiesel

Sie sind rastlos, weil es ihnen ein dringendes Bedürfnis ist, etwas zu erschaffen, einer Vision nachzujagen oder Pläne auszubrüten. Und zwar, weil es ihnen einfach Spaß macht. Wann Schluss ist, wissen sie allerdings manchmal auch nicht. Sie können (oder wollen) ihren Kopf nie abschalten. Solche Wiesel reiben sich auf und müssen immer mehr tun, weil sie kribbelig werden, wenn sie einfach nur stillsitzen sollen. Tausend Gedanken jagen ihnen durch den Kopf und am besten muss alles gleich und sofort umgesetzt werden. Ich betrachte diese Einstellung mit Argwohn, weil auch dieser Typus Gefahr läuft, sich selbst zu vergessen und gar nicht mehr weiß, wie man sich richtig entspannt. Innere Unruhe kann nicht gesund sein.

Wer bist du?

Alle Typen können auch in Kombination auftreten.

Ich bin eher so der Typ Wiesel. Ich mag meine Arbeit. Arbeiten ist mir ein Bedürfnis. Ich muss nicht arbeiten, ich will arbeiten. Natürlich nicht irgend etwas. Sondern Ideen skizzieren und 24/7 kreativ sein sind mein täglich Brot. Ich habe keine klaren Grenzen. Arbeit und Freizeit mischen sich sehr stark bei mir. Und wenn es für ein Projekt nötig ist und einem höheren Zweck dient, arbeite ich die Nacht durch. Manchmal muss das sein.

Aber: Arbeit ist NICHT mein Leben. Auch wenn man seine Tätigkeit liebt und alles daran setzt, sich stets zu verbessern und Neues aufzusaugen, ist es essentiell zu wissen, wann es reicht. Neue, bessere Ideen und gute Impulse kommen sogar erst durch längere Ruhepausen zustande (jepp, ich meine dich, innerer Perfektionist)! Das ist die eine Sache.

Die andere ist aber, darüber nachzudenken, wo man im Leben eigentlich hin will. Wenn einem das zu kompliziert ist, ist Arbeit natürlich ein probates Mittel, sich einfach selbst zu betäuben und nur noch mitzuschwimmen. Und das fühlt sich irgendwann ziemlich leer an.

Arbeit ist nur ein Alibi, eine bequeme Ausrede, um sein Gewissen nicht prüfen zu müssen und vor sich selber fliehen zu können. – Marcello Mastroiani

Nach Ansicht des Jugendforschers Klaus Hurrelmann tickt die „Generation Y“ zum Glück ein wenig anders als die Generation unserer Eltern: Diese Generation (zu der ich mich wohl auch zählen darf) habe erfahren, dass alles ständig im Fluss ist. Die Prinzipien und Vorgehensweisen der normierten Arbeitswelt würden angezweifelt. „Schneller, höher, weiter“ müsse nicht zwangsläufig bedeuten, sich aufzureiben und haufenweise Arbeitsstunden abzuleisten. Höhere Ansprüche könnten eher mit einer guten Ausbildung und Flexibilität ausgeglichen werden.

Bist du ein Workaholic? Erfahre in diesem Artikel, welche 3 Arten von Workaholics es gibt und warum Nichtstun dich produktiver macht. #produktiv #workaholic #job #persönlichkeitsentwicklung #selbstmanagementFür mich kann ich das bestätigen. Ich arbeite nicht, um davon möglichst wohlhabend zu werden und einem System zu dienen, das ohnehin mehr als fragwürdig ist. Ich mag meine Arbeit. Sehr sogar! Aber vor allem möchte ich mit meiner Zeit anderen helfen. Sowohl durch meine Arbeit, aber noch viel mehr in meiner Freizeit, wenn ich mit Freunden oder meiner Familie zusammen bin.

Ich arbeite ganz sicher nicht, „um etwas zu werden“, so wie Großeltern es so gern formulieren. Wir leben nicht mehr in Zeiten, die von Mangel geprägt sind. Uns stehen alle Möglichkeiten offen. Das ist zwar Segen und Fluch zugleich, aber zumindest eröffnet es jedem von uns den Luxus, sich selbst zu fragen: „Was will ich eigentlich wirklich? Wofür mache ich das alles?“

Diese Zeit müssen wir alle uns dringend nehmen. Sonst sind wir ebenfalls nur Hamster in einem Rad, das sich unentwegt weiterdreht.

Ein gutes Buch, das ich zum Thema Arbeit gelesen habe, ist „Anleitung zum Müßiggang“. Es provoziert direkt und fordert uns zum Faulenzen auf. Aus dem Buch habe ich auch folgendes Zitat von Winston Churchill:

„Glauben Sie nicht, dass Sie weniger schaffen, weil Sie während des Tages schlafen. Das ist eine alberne Vorstellung von Leuten, die keine Fantasie haben. Man schafft hinterher mehr. Man schafft die Arbeit von zwei Tagen an einem – naja, zumindest die von anderthalb, da bin ich sicher.“

Zum Weiterlesen:

Was ist deine Meinung? Mit welchem Ziel arbeitest du?


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