Wir Intros haben es im Beruf manchmal nicht so einfach: Wir mögen es leise und schätzen unsere Ruhe. Aber für alle, die anders ticken, ist das nicht immer nachvollziehbar. Besprechungen, Teamevents, Feiern, Telefonkonferenzen und ganz furchtbar: das laute, wuselige Großraumbüro, örgs. Für uns Stilleren können das echte Hürden sein. Falls dir diese Szenarien dich ebenfalls stressen, lies weiter. In diesem Artikel schreibe ich darüber, wie ich mein introvertiertes Wesen mit der extrovertierten Arbeitswelt besser in Einklang bringe.

Unsere laute Arbeitswelt ist definitiv Grund genug, nach Feierabend gleich nach Hause zu rennen – statt den eigenen Akku mit weiteren Gruppennaktivitäten nach getaner Arbeit noch weiter zu strapazieren. Zu einem Glas Rotwein sage ich gerne ja. Aber allein auf meiner Couch. Und da isser wieder, der innere Zwiespalt: Neinsagen könnte ja so einfach sein, aber bei mir meldet sich dann gern mein soziales Gewissen. „Halten mich alle für eine Spießerin, die mit keinem was zu tun haben will und zum Lachen in den Keller geht? Verhalte ich mich wie eine Außenseiterin?“

Kommt dir das bekannt vor? Oder noch unangenehmer als die eigenen Gedanken: Haben dir deine Kollegen schon einmal das Gefühl vermittelt, ungesellig zu sein, weil du gern für dich bist? Nehmen sie es persönlich, dass du nicht ständig Zeit mit ihnen verbringen magst, sondern das Alleinsein vorziehst?

Introversion und Extraversion: Wo liegen die Unterschiede?

Die Begriffe Introversion und Extraversion gehen zurück auf den Psychiater C. G. Jung, der in den 1920er Jahren anfing sie zu verwenden. Ihm zufolge gibt es zwei Welten, in denen jeder von uns lebt: Die innere Welt und die äußere. Wenn wir mit der Welt „da draußen“ zu tun haben, agieren wir in dem Augenblick extrovertiert.

Beispiele: Wenn wir uns mit anderen Menschen unterhalten, zuhören, im Auto unterwegs sind und so weiter. Wenn wir hingegen in unserem eigenen Kopf sind, verhalten wir uns „introvertiert“. Beispiele: Wenn wir ein Buch lesen, über ein Problem nachdenken oder unsere Gefühle wahrnehmen. Jeder von uns kennt also beide Welten und bewegt sich auch in beiden! Die Frage ist allerdings: In welcher Welt leben wir häufiger? Welche Welt gibt uns unsere Energie?

Und genau das is der Knackpunkt: Introvertierte Menschen verbrauchen Energie, während sie mit anderen zusammen sind müssen dann ihre Akkus wieder aufladen. Und das klappt eben am besten allein. Das ist bei Extravertierten anders: Sie laden ihre Akkus im Zusammensein mit anderen auf und verbrauchen sie, wenn sie länger alleine sind. Merke: Diese Beschreibung ist stark vereinfacht. Der Wunsch nach Gesellschaft oder Ruhe kann bei jedem unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Fakt ist: Der Mensch ist ein Herdentier und braucht soziale Interaktion. Nur eben in unterschiedlichem Maße.

Die eigene Balance finden

In meinem eigenen Kopf ist die Grenze zwischen „ich bin introvertiert und brauche meine Ruhe“ und „ich fühle mich wie ein sozial inkompetenter Einsiedler“ ist manchmal fließend. Ich möchte nicht immer und ständig allein sein, aber eben doch häufiger als andere in meinem Umfeld. Selbstverständlich weiß ich, dass ich gut so bin wie ich bin. Aber manchmal überkommt mich doch der Zwang, mich rechtfertigen oder erklären zu müssen.

Wie hält man eine gesunde Balance zwischen den zwei Extremen „ich will niemanden sehen“ und „wo gehen wir als nächstes feiern?“ Und wie managed man die Erwartungen anderer?

Ich habe diese Fragen für mich beantworten und möchte drei Learnings mit dir teilen, die auch die helfen werden, bewusst und ausgeglichen durch den Berufsalltag zu gehen.

1. Lerne dich und deine Bedürfnisse besser kennen.

Klingt total logisch, oder? Das ist in der Praxis aber nicht so trivial, wie es klingt. Oft ahmt man das nach, was andere einem vorleben und hinterfragt gar nicht, ob dieser Weg auch der eigene ist. Zwei Beispiele: „Gehe ich wirklich so gerne feiern oder mache ich das nur, um keine Außenseiterin zu sein?“ Oder: „Ist das wirklich mein Geschmack oder hat man mir erzählt, dass es sich einfach so gehört?“

Sich und seine Bedürfnisse kennenzulernen ist ein Prozess und geht nicht von einem Tag auf den anderen. Was mir neben langen Gesprächen mit Timon geholfen hat, mich besser kennenzulernen, ist ein Journal. Ich kann dort Listen anlegen, was mir besonders gut getan hat, wobei ich gut entspanne und ich reflektiere über das, was ich erlebt habe. Hier findest du eine Journaling-Anleitung für Einsteiger.

Sorry, ich habe gestern schon mit 2 Leuten gesprochen! #introvertiert #zitat #beruf #persönlichkeit #schüchtern #komfortzone #gedanken #energie #spruch

2. Hör auf, dich zu verbiegen. Du bist richtig, wie du bist.

Wenn du weißt, wer du bist und deine eigenen Bedürfnisse kennst, wirst du sicher bemüht sein, sie auch ernstzunehmen. Und das geht in der Regel auch ohne, dass du dabei anderen vor den Kopf stößt. Du wirst feststellen: Niemand mag dich lieber, wenn du krampfhaft versuchst jemand anderes zu sein.

Es allen rechtzumachen, ist noch keinem gelungen. Nichtmal Nutella kann das.

Wenn Menschen dich für das kritisieren, was dich tief im Innern ausmacht, zum Beispiel dein Bedürfnis nach Ruhe, dann halte sie auf Abstand. Sie kennen dich nicht gut genug und sind gar nicht in der Position, solche Aussagen über dich zu treffen. Eine introvertierte Teilnehmerin, die unseren Kurs „Intuitiv Netzwerken“ gemacht hat, sagte Timon und mir hinterher in einer E-Mail ganz überrascht: „Mir ist es jetzt richtig klar geworden, dass ich ruhige Menschen sehr mag.“ Wenn ich so etwas lese, bekomme ich einen Kloß im Hals. Einerseits, weil es so schade ist, dass viele sich und ihr eigenes Wesen so wenig wertschätzen. Aber andererseits auch aus Freude, weil unser Kurs dabei helfen kann, dass man seine eigene Art endlich wertschätzt und anfängt, selbstbewusster durch den (Berufs-) Alltag zu gehen.

3. Fordere dich und deine Komfortzone heraus.

Trotz meiner ausgeprägten Liebe zu einsamen Rotwein-Abenden auf der Couch, ist mir immer bewusst: Nur weil ich introvertiert bin, heißt das noch lange nicht, dass ich auch einsam sein muss. Ganz im Gegenteil: Seit ich endlich weiß, wie ich die lang vermisse Verbundenheit mit anderen herstellen kann, achte ich ganz selbstverständlich darauf, mich regelmäßig mit Kolleg*innen auszutauschen. Nun bin ich seit Jahren nicht mehr angestellt, daher bin ich den ganzen Tag in meinem Home Office und muss mich stärker um mein Sozialleben bemühen.

Behalte deine Komfortzone gut im Auge! Sie ist nicht immer dein Freund, auch wenn es für den Moment so aussehen mag. Ab und zu ist es ganz gut, mal neues Terrain zu testen und sich für neue Erfahrungen zu öffnen. Hier findest du ein paar schöne Anregungen dafür. Gerade als introvertierter Mensch muss man da aufpassen, sich nicht allzu stark in seine Festung zurückzuziehen. Das heißt für mich beispielsweise: Wenigstens einmal in der Woche etwas mit anderen unternehmen (oder skypen), sie besser kennenlernen und den eigenen Horizont zu erweitern. Abgesehen davon kann es ja nicht immer nur um mich gehen, das ist auch egozentrisch!

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Den konnte ich mir jetzt nicht verkneifen, habe ich heute auf Pinterest entdeckt. Na, wer kennt den Struggle? 😆 ⁣ .⁣ Komfortzone sagt so: „Och nö, jetzt Fahrrad fahren bei der Hitze. Du schwitzt doch so schon voll. Und außerdem hast du hier Eiskonfekt im Kühlschrank.“⁣ .⁣ Aber nicht heute! Mein innerer Faulpelz hat heute keine Chance. Ich treffe mich heute Abend zum Dinner mit zwei sehr lieben Kolleginnen, die ebenfalls selbstständig sind und tolle Sachen hier auf Insta machen. Guckt mal bei @navucko und @kathis_dufte_welt vorbei. Ich freu mich auf den Abend mit euch, Mädels! 🖤⁣ ⁣ ⁣ —–⁣ #stillundstark #introvertiert #schüchtern #bewusstleben #achtsamleben #freisein #selbstbewusstsein #halloleben #persönlichkeitsentwicklung #sensibel #hochsensibel #zeigdich #traudich #selbstliebe #mutig #gedanken #sinnfluencer #zitat #spruch #vanillamindde

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Ich muss zugeben: Manchmal wenn ich mit anderen unterwegs war, obwohl ich vorher keine Lust hatte, habe ich es am Ende sogar genossen – sofern die Unternehmung nicht darin besteht, laute und überfüllte Orte zu besuchen, versteht sich. Es ist für niemanden gut, zu lange mit seinen eigenen Gedanken allein zu sein, Extreme sind nie gesund. Auch wenn man gern allein ist, heißt das nicht, dass man keine neuen Impulse braucht. „Stay in your head, you’re dead.“, sagt Tony Robbins. Recht hat er!

Ich finde es von Situation zu Situation manchmal nicht einfach, den richtigen Mittelweg zu finden, um eine gute Balance zu halten. Aber: Man sollte sich immer der Tatsache bewusst sein, dass man es nicht jedem recht machen kann und dass die eigenen Bedürfnisse absolut nichts sind, wofür man sich entschuldigen oder gar schämen muss!

Jetzt du:

Wo hast du dich wieder erkannt? Wie kommst du im Beruf mit deiner leisen Art zurecht? Lass es mich unbedingt wissen, ich freue mich auf deine Erfahrung! Und wenn dir dieser Artikel gefallen hat: Teil ihn doch gern in deiner Instagram-Story oder auf Pinterest. #sharingiscaring

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