Selbstverständlich wissen wir, dass Introvertierte nicht unsozial sind, aber gutes Copy Writing verlangt von mir ein bisschen Drama, damit alle neugierig werden und sich ein wenig empören können.

Und mal Hand aufs Herz: Hast du dich als Introvertierter nicht auch schon hin und wieder ziemlich unsozial gefühlt, wenn du gerade zum zwanzigsten Mal eine Einladung von deinen Kollegen ausgeschlagen hast und nach der Arbeit lieber nach Hause gehst? Gehörst du auch zu denen, die mitunter Gewissensbisse haben, weil sie viel Zeit für sich allein brauchen?

Willkommen im Club! Die Grenze zwischen „ich bin introvertiert und brauche meine Ruhe“ und „ich fühle mich wie ein sozial inkompetenter Einsiedler“ ist manchmal fließend. Aber ich habe ein paar Abmachungen mit mir selbst getroffen, um dieses Problem in Zukunft besser im Griff zu haben.

Ein kleiner Ausflug zur Klärung dieser zwei Begrifflichkeiten:

Die Begriffe Introversion und Extraversion gehen zurück auf den Psychiater C. G. Jung, der in den 1920er Jahren anfing sie zu verwenden. Ihm zufolge gibt es zwei Welten, in denen jeder von uns lebt: Die innere Welt und die äußere. Wenn wir mit der Welt „da draußen“ zu tun haben, agieren wir in dem Augenblick extrovertiert. Beispiele: Wenn wir uns mit anderen Menschen unterhalten, zuhören, im Auto unterwegs sind und so weiter.

Wenn wir hingegen in unserem eigenen Kopf sind, verhalten wir uns „introvertiert“. Beispiele: Wenn wir ein Buch lesen, über ein Problem nachdenken oder unsere Gefühle wahrnehmen.

Jeder von uns kennt also beide Welten und bewegt sich auch in beiden! Die Frage ist allerdings: In welcher Welt leben wir häufiger? Welche Welt gibt uns unsere Energie?

Da isser wieder, der innere Zwiespalt

Ich sag’s einfach mal, wie es ist: Ich bin ein Eigenbrötler, schon immer gewesen. Ja, ich mag Menschen. Sehr sogar! Ich tausche mich liebend gern mit anderen aus und mitunter leide ich auch unter meinem nicht vorhandenen Sozialleben und wünsche mir dann, doch öfter mal vor die Tür zu gehen. Vor allem mag ich Menschen aber dann, wenn sie nicht unangemeldet vor meiner Tür stehen, um mich zu „überraschen“. Und wenn sie einen gewissen Sicherheitsabstand einhalten und mich nicht ständig antatschen wollen. Dieser Umstand sorgt bei mir dafür, dass ich mich für einen „nicht so netten“ Menschen halte. Schließlich muss sich doch jeder über Besuch freuen, oder?!

Sorry, ich habe gestern schon mit 2 Leuten gesprochen! #introvertiert #zitate #sprüche #schüchtern #komfortzone

Eines vorweg: Hier geht es nicht um Schüchternheit und den Wunsch, Kontakt zu anderen aufzunehmen. Ja, ich bin auch schüchtern, aber das ist etwas anderes als Introversion. Anders als andere brauche ich nicht permanent Menschen um mich. Und das hat keineswegs etwas mit sozialer Inkompetenz zu tun, sondern ist reine Typsache.

Introvertierte Menschen können ihre Akkus am besten aufladen, wenn sie viel Ruhe und Zurückgezogenheit genießen können. Extrovertierte ziehen Energie aus der Interaktion mit anderen. Soweit so platt. Natürlich sind diese Bedürfnisse bei allen Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt.

Manche haben wenig Verständnis für den Charakterzug der Introversion. Ich blühe auf, wenn möglichst wenig Leute mit mir in einem Raum sind – andere blühen auf, wenn sie das Bad in der Menge genießen können. Total okay – bis zu dem Punkt, an dem sie es persönlich nehmen, dass ich nicht andauernd mit ihnen um die Häuser ziehen will. Das ist frustrierend. Was dann?

Die eigene Balance finden

Ich frage mich immer wieder:
„Wie macht man anderen klar, dass man nichts gegen sie hat, aber viel Zeit für sich braucht?“
„Wie werde ich den Erwartungen anderer gerecht?“
„Wann sollte ich mich anpassen?“

Meine persönlichen Antworten auf diese Fragen:

1. Es ist okay, gern allein zu sein.

Ich erkläre anderen, dass Ruhe wichtig für meine innere Ausgeglichenheit ist und ich dadurch Energie tanke. Es ist doch wie mit allem: Wenn man ein Bedürfnis selbst nicht kennt, kann man sich auch nicht vorstellen, dass dieselbe Sache für andere aber lebenswichtig sein kann. Also versuche ich Verständnis dafür zu schaffen, dass es völlig normal ist, dass andere Menschen mehr Me-Time brauchen als andere. Nur rechtfertigen und entschuldigen kommt gar nicht in die Tüte – so gewinnt man keinen Respekt.

2. Aufhören, sich selbst zu verbiegen.

Ich habe alles Mögliche probiert und festgestellt: Niemand mag mich lieber, wenn ich mir eine Maske aufsetze und krampfhaft versuche jemand anderes zu sein. Ich mache mich dabei nur lächerlich und bin komplett überdreht, wenn ich versuche, ein Partyclown zu sein. Ich lache viel zu laut, rede viel zu viel und es schlaucht mich ungemein, weil das nicht meine Art ist. Andere zu unterhalten und lustige Anekdoten zu erzählen, ist absolut nicht mein Ding. Und es mag mich definitiv niemand lieber, wenn ich versuche jemand anderem nachzueifern.

Normalsein hat eine Menge Facetten – und zuhause bleiben, wenn man Bock drauf hat, ist eine davon.

Ja, es gibt diese Leute, die nicht verstehen, dass Charaktere einfach unterschiedlich sind. Aber gegen diesen Typus hilft nur: Sich ein dickes Fell zulegen und ignorieren. Menschen, die einen nur mögen, wenn man NICHT man selbst ist, gehören sicher nicht zu meinem Freundeskreis. Es hat Jahre gedauert, bis mir die Erkenntnis kam, dass ich – egal wie ich mich verhalte – gar nicht von jedem gemocht werden KANN. Wenn die Chemie stimmt, dann merkt man das ziemlich schnell. Aber wenn nicht, muss ich mir jetzt zumindest keinen Zacken mehr aus der Krone brechen, um es jedem recht zu machen.

3. Zugegeben: Manchmal wirkt ein Schritt aus der Komfortzone Wunder.

Bingo für Introvertierte #persönlichkeit #kommunikation #introvertiert #zuhause #happy #leise #menschenIch habe so eine Regel mit mir selbst, dass ich versuche, wenigstens einmal in der Woche etwas mit anderen zu unternehmen, um sie besser kennenzulernen und meinen Horizont zu erweitern. Nur weil ich introvertiert bin, heißt das ja nicht, dass ich NIE jemanden sehen will. Abgesehen davon kann es ja nicht immer nur um mich gehen, das ist auch egozentrisch. Vermutlich würde ich sonst wirklich 24/7 in meiner Wohnung hocken und Bücher lesen oder mir DIY Projekte ausdenken. Wenn ich dieses Einsiedlertum zu lange praktiziere, werde ich eigenartig. Frag bloß nicht meine Familie.

Außerdem muss ich zugeben: Manchmal wenn ich mit anderen unterwegs war, obwohl ich vorher keine Lust hatte, habe ich es am Ende sogar genossen – sofern die Unternehmung nicht darin besteht, laute und überfüllte Orte zu besuchen, versteht sich. Es ist für niemanden gut, zu lange mit seinen eigenen Gedanken allein zu sein, Extreme sind nie gesund. Auch wenn man gern allein ist, heißt das nicht, dass man keine neuen Impulse braucht. „Stay in your head, you’re dead.“, sagt Tony Robbins. Recht hat er!

Ich finde es von Situation zu Situation manchmal nicht einfach, den richtigen Mittelweg zu finden, um eine gute Balance zu halten. Aber: Man sollte sich immer der Tatsache bewusst sein, dass man es nicht jedem recht machen kann und dass die eigenen Bedürfnisse absolut nichts sind, wofür man sich entschuldigen oder gar schämen muss!

Hast du auch öfter mit solchen Vorurteilen zu kämpfen?
Wie gehst du damit um?

Intuitiv Netzwerken

Neu auf Vanilla Mind: Was wäre, wenn Netzwerken sich auch für ruhigere Menschen richtig gut anfühlen würde? Ohne Scham und Erwartungsdruck?

Das geht! Selbst wenn man sich nicht für einen geborenen Small-Talk-Profi hält. Ich bin zwar introvertiert, aber ich will trotzdem nicht immer allein zuhause sitzen. Stattdessen wollte ich in Kontakt sein mit Menschen, die mich schätzen, so wie ich bin und mich erfolgreich sehen wollen.

Damit du ebenfalls deinen eigenen Stil entwickeln kannst, habe ich mein jahrelang in der Praxis getestetes Wissen im letzten halben Jahr Stück für Stück aufgeschrieben und gezielt das Wesentliche für dich zusammengefasst und leicht verständlich aufbereitet.

Dafür gibt es jetzt den Kompaktkurs: „Intuitiv Netzwerken“ – Die Kunst, mit anderen ins Gespräch zu kommen. Entspannt. Natürlich. Als du selbst.

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