Neulich stellte ich auf Instagram die Frage: „Was würdest du tun, wenn du keine Angst hättest?“ Ich war überrascht, dass viele antworteten: „Alles stehen und liegen lassen und mich selbstständig machen.“ Der Traum vom eigenen Unternehmen ist weit verbreitet, mit ihm allerdings auch etliche Ängste, die ich nur zu gut selbst kenne.

Heute möchte ich dir gerne eine Unternehmerin vorstellen, die trotz ihrer Schüchternheit den Sprung gewagt hat und erfolgreich ihre eigenen Produkte online und auf Designmessen verkauft. Cynthia Waeyusoh ist der kreative Kopf hinter „blackmoondesign“.

Ich bewundere, dass sie sich mutig unter so viele Menschen begibt – obwohl es ihr manchmal schwerfällt – und zeigt, dass sie ihre Arbeit liebt. Das Thema Mut spiegelt sich übrigens auch in ihren Designs wider. Im Sommer hab ich sie in ihrem Atelier in Hamburg besucht und ihr ein paar Fragen gestellt. Übrigens: Am Ende dieses Artikels findest du noch eine kleine Überraschung. 🌑

Du bist selbstständige Art Direktorin und Designerin. Wie bist du auf die Idee gekommen, deine eigenen Produkte anzubieten?

„Du musst nicht alles wissen, aber die Bereitschaft haben mutig nach Lösungen zu suchen.“ – Interview mit Cynthia Waeyusoh, Inhaberin von blackmoondesign. #Interview #Gründerin #Unternehmerin #Design #selbstständig #Mut #schüchtern #KomfortzoneIch liebe die Arbeit mit meinen Kunden. Ganz individuelle Erscheinungsbilder zu kreieren ist toll, aber am Ende tut man das immer für den Kunden und seine Bedürfnisse. Schon lange hatte ich den Wunsch meine positive Sicht auf die Dinge anderen mitzugeben.

Auf meinem Weg habe ich viele Menschen gesehen, die sich nicht trauen, aus ihrem gewohnten Umfeld auszubrechen. Seinen Mut zusammenzunehmen und sich in neue Abenteuer stürzen ist nie einfach, aber wird am Ende immer belohnt. Dabei geht es nicht um den Erfolg, sondern um die Erfahrungen, die man dabei macht. Ich hatte also schon lange den Wunsch diesen Mut zu teilen, aber nie die Zeit dazu. Und ich wusste nie, in was für einer Form ich meine motivierenden Gedanken kleiden könnte.

Ich habe immer gedacht, dass ja so viele Designer Postkarten und Post verkaufen. Das erschien mir zu normal und so schob ich das Projekt immer wieder auf. Irgendwann ist mir aber klar geworden, dass es gar nicht primär um die Form geht, sondern darum, dass ich einfach damit anfange. So ist es doch das Medium Papier geworden. Etwas Haptisches zum Aufhängen und Verschenken. blackmoon wurde geboren.

Wovor hattest du bei diesem Schritt am meisten Angst? Und wo hast du Hilfe gefunden?

Mir fiel es zwar leicht, die Designs zu entwickeln, den passenden Markennamen zu finden und eine Website auf die Beine zu stellen. Alles Dinge, die ich im Schlaf kann. Aber wovon ich absolut keine Ahnung hatte, waren zum Beispiel Produktkalkulation und Vertrieb. Zu diesen Dingen habe ich wertvolle Tipps von befreundeten Unternehmern bekommen.

Viele Gründer denken, sie können ihre Ideen nicht teilen, weil sie jemand klauen könnte.

Das sehe ich nicht so. Es ist so wichtig, seine Idee mit vertrauenden Personen aus verschiedenen Branchen und dem Umfeld zu teilen. Irgendwie gab es aus jedem Gespräch etwas, das ich mitnehmen konnte. Zum Beispiel, auf welchen Designmärkten ich meine Produkte verkaufen könnte oder welche Messen für Einzelhändler interessant sind. Ehrlich gesagt ist vieles Learning by Doing, ausprobieren und schauen was gut funktioniert. Ich glaube das Allerwichtigste ist es, keine Angst vor dem Scheitern zu haben!

Was sind deine größten Herausforderungen, mit denen du im Job konfrontiert wirst?

Eine meiner größten Herausforderungen ist es, auf die Menschen zuzugehen. Wer mich kennt weiß, dass ich eher schüchtern bin und nicht gern im Mittelpunkt stehe. aber meine Arbeit spricht für sich: Ich habe das Glück, dass viele meiner Kunden über Empfehlungen auf mich zu kommen. Auf Designmärkten oder Messen muss ich aber auf die Menschen zugehen. Klar versuche ich nett und sympathisch dabei zu sein, aber es kostet mich zu Beginn Überwindung, den ersten Schritt zu wagen. Wenn der Stein erst einmal am Rollen ist, sprudele ich drauflos und weiß, was zu tun ist.

„Du musst nicht alles wissen, aber die Bereitschaft haben mutig nach Lösungen zu suchen.“ – Interview mit Cynthia Waeyusoh, Inhaberin von blackmoondesign. #Interview #Gründerin #Unternehmerin #Design #selbstständig #Mut #schüchtern #Komfortzone
Wie gehst du damit um?

Schüchtern zu sein verfolgt mich schon seit meiner Kindheit. Ich kann mich an einige Erlebnisse erinnern, in denen ich mich einfach nicht getraut habe etwas zu sagen oder zu handeln. Dann habe ich mich immer wie gelähmt gefühlt. Mit Anhang 20 habe ich mir dann geschworen, es einfach zu tun und über meinen Schatten zu springen. „Was soll denn schon passieren?“ habe ich mir dann immer gedacht.

Da gibt es ein ganz schönes Beispiel, dass ein paar Jahre zurückliegt: Damals habe ich noch in einer Agentur gearbeitet und war Junior Designerin. Die Agentur hatte damals für den HSV gearbeitet und die Chefs Dauerkarten für die Fußballspiele im Hamburger Station. Wir waren gerade mit dem Reisebus von der Weihnachtsfeier unterwegs nach Hause. Es war eine lockere Stimmung und die Chefs riefen in den Bus, ob nicht jemand Lust hätte das heutige Bundesligaspiel im Station sehen möchte, da sie beide keine Zeit hätten. In dem Moment als die Frage kam, wusste ich, dass ich nicht schüchtern sein durfte.

Mein Freund war damals ein großer HSV Fan und ich wusste das ich ihn mit den Karten überraschen könnte. Ich war hin und her gerissen, melde ich mich?

Aber ich bin doch nur eine kleine Designerin in der Firma, wieso ausgerechnet ich? Egal dachte ich mir, was habe ich zu verlieren?

Genau, gar nichts. Also hoch mit dem Arm. Ein paar Stunden später saßen wir im Stadion im VIP Bereich mit leckerem Sushi und toller Sicht auf das Spielfeld.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Eigentlich gibt es keine typischen Tage. Ich lebe seit Jahren von Woche zu Woche. Es kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren wie zum Beispiel eine spontane Anfrage oder ein Projekt, das mit Zeitdruck vorgezogen werden muss. Hier heißt das Zauberwort Organisation und Überblick.

Mein Tag im Büro beginnt immer mit einem Kaffee und mein Joghurtmüsli am Schreibtisch. Montags notiere ich meinen Wochenübersichtsplan, um Aufgaben aufzuteilen. So verschaffe ich mir Luft, um meine Tagesziele zu erreichen und habe nicht das Gefühl, dass ich alles direkt zu Beginn der Woche schaffen muss. So stehen jeden Tag unterschiedlich Aufgaben auf der Liste. Kundenemails müssen beantwortet und Designs gestaltet werden. Es gibt Tage, an denen ich viel telefonieren muss, mich mit Kunden zu Abstimmungen treffe oder Pakete für meine Händler oder Onlineshop-Kunden packe.

Was macht dir am meisten Freude?

Eigentlich macht mir fast alles Freude. Das ist das Tolle daran, wenn man ganz frei entscheiden kann mit wem man zusammenarbeiten möchte. Dann fühlt sich die Arbeit nicht schwer an. Aber mein Lieblingsmoment, der mir am meisten Freude bereitet, ist das Ende eines Projekts. Immer dann, wenn die Vision zum Leben erwacht, fühlt es sich gut an. Dann kommen Stolz und Freude zusammen. Genauso ist es, wenn ich zum Beispiel meine Produkte auf Designmärkten verkaufe. Das Funkeln der Augen der Menschen, die vor mir stehen zu sehen und das tolle Feedback, macht mich unfassbar glücklich.

Und was machst du, wenn es mit der Motivation überhaupt nicht klappt? Wie organisierst du dich selbst?

Das kommt natürlich auch gelegentlich vor. Wenn ich das Gefühl habe in meinen Gedanken festzustecken oder ich mal nicht weiß was ich als Nächstes machen soll, hilft Abstand. Wenn mir das bewusst wird, schnappe ich mir meine Hündin Emma und gehe eine Runde um den Block um den Kopf frei zu bekommen.

Wenn ich dann wieder am Schreibtisch sitze, versuche ich Struktur in das Chaos zu bringen. Wichtig ist es für mich die Dinge aufzuschreiben und so noch besser zu verinnerlichen. Erst einmal alles quer Beet heraus. Wenn die Liste dann sollständig ist, beginne ich die Punkte zu ordnen und strukturieren. Das mache ich auf einem weißen Blatt Papier oder mit Post-its an der Wand.

Was sind deine besten Tipps für andere Frauen, die schüchtern sind oder Angst vor der Selbstständigkeit haben?

Falls du Angst vor der Selbständigkeit hast, kann es sein das du vielleicht noch nicht ganz bereit dazu bist. Dann solltest du dir im ersten Schritt über deine Ängste klar werden und sie notieren. Oft hilft das WWW einen ersten Anker zu finden, über den man neue Erkenntnisse erlangt. Dann setzt sich eine Art Kettenreaktion ein, bis du eine Antwort hast, die dir deine Angst nimmt oder sie minimiert lässt. Du solltest diese Energie in Mut umwandeln und versuchen dein Vorhaben auszuprobieren. Wenn es funktioniert ist das toll, aber wenn es doch nicht so klappt wie du es dir vorgestellt hast, hast du trotzdem Erfahrungen gesammelt, die dir auf deinem Weg wieder weiterhelfen.

Du musst als Selbständige nicht alles von Beginn an wissen, aber du musst die Bereitschaft haben mutig zu sein und nach Lösungen zu suchen.

Hier findest du Cynthia und ihre Arbeit:

Online-Shop: blackmoon design goods
Instagram: @blackmoondesigngoods

„Du musst nicht alles wissen, aber die Bereitschaft haben mutig nach Lösungen zu suchen.“ – Interview mit Cynthia Waeyusoh, Inhaberin von blackmoondesign. #Interview #Gründerin #Unternehmerin #Design #selbstständig #Mut #schüchtern #Komfortzone

Und sonst so?

Liest gerade: Der Alchimist von Paulo Coelho

Das liegt gerade auf meinem Schreibtisch: Ein goldener Kugelschreiber von BIC

Der beste Rat, den du (in letzter Zeit) bekommen hast? Höre auf dein Bauchgefühl!

Lieblingszitat: „After rain comes sun.“

Frage an dich:

Ich gebe die Frage auch hier gerne noch einmal an dich weiter: Was würdest du tun, wenn du keine Angst hättest?


Liebe Cynthia, Dankeschön, dass du mit uns geteilt hast, wie es sich anfühlt, als Schüchterne mit der Herausforderung Selbstständigkeit umzugehen. Und dass du anderen Mut machst, sich auszuprobieren, auch wenn man nicht auf alles vorbereitet ist und weiß, woran man ist! 

© Credits Portraitfoto von Cynthia: sandrabirkner.com

„Du musst nicht alles wissen, aber die Bereitschaft haben mutig nach Lösungen zu suchen.“ – Interview mit Cynthia Waeyusoh, Inhaberin von blackmoondesign. #Interview #Gründerin #Unternehmerin #Design #selbstständig #Mut #schüchtern #Komfortzone

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