Endlich wieder ein Interview auf Vanilla Mind und ich freue mich sehr über meinen heutigen Gast – Joana Heinen! Ich folge ihr schon seit langer Zeit – lange, bevor die erste Schreibtischunterlage, die Joana entwarf, einfach alles verändert hat.

Mir hat immer gefallen, wie sie ihr Ding gemacht hat ohne nach rechts oder links zu schauen und sich verunsichern zu lassen. Sie brach damals die Schule ab, um ihren eigenen Weg zu gehen. Heute ist Joana als Fotografin, Mediengestalterin, Autorin, Influencerin und kreativer Quell u. a. der Marken „odernichtoderdoch“ und „jo&judy”.

Was du von ihr lernen kannst?

Joanas Erfahrung zeigt, dass es nicht den einen, richtigen Weg gibt, den alle gehen und dann klappt’s schon. Sondern du bestimmst deinen Weg selbst, indem du dich auf deine Stärken konzentrierst, aus Rückschlägen lernst und immer nach vorn siehst! Und jetzt lass‘ dich inspirieren und lies‘ selbst:

Am Anfang gab es nur dich und Lichtpoesie, deinen Fotografie- und Lifestyle-Blog. An diese Zeiten erinnert noch dein Instagram-Name „joanaslichtpoesie“. Heute bist du Unternehmerin und trägst zusammen mit deinem Mann Niklas die Verantwortung für über 160 Angestellte und ihr wachst immer weiter. Bei deinem vollen Zeitplan wirkst du trotzdem immer nahbar, nimmst deine Follower täglich mit und zeigst ihnen eure aktuellen Projekte. 

Wie sieht eigentlich ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Joana: „Routinen im Alltag fallen mir unheimlich schwer und wenn es nicht andere Leute um mich herum gäbe, die mich zu festen Zeiten irgendwo einplanen, wäre mein Arbeitstag wohl eher chaotisch. Ich stehe meist zwischen 7 und 8 Uhr auf, das Designteam ist immer ab 9 Uhr im Büro – auf die Minute achten wir da nicht. Anders ist es da bei der geliebten gemeinsamen Frühstückspause, da sitzen alle um Punkt 9:30 Uhr mit ihrer Müsli-Obst-Kreation am Küchentisch.

Je nach Wochentag ist der Vormittag meist gefüllt mit Meetings. Wöchentlich wiederkehrende Absprachetermine mit verschiedenen Mitarbeitern und Teams, Produkt- und Designbesprechungen und vieles mehr. Ab 13 Uhr läuft dann die Mikrowelle heiß, da treffen wir uns wieder alle in der Küche – wir sind Team-Tupperdose, auswärts isst bei uns mittags fast niemand.

Die Nachmittage sind für spontane Meetings oder im besten Falle für freie Kreativarbeit, Brainstormings oder Produkttests. Hier wechselt die Stimmung im Büro zwischen ausgelassen laut und lustig und hochkonzentriert totenstill.

Wenn die ersten so gegen 17 Uhr aus ihrem Kreativtunnel erwachen und mal wieder Sauerstoff reingelassen wird, gibt’s oft ne kleine Kaffeerunde und dann wuselt man hier und da ein wenig rum, schaut auf die Bildschirme oder neuen Ausdrucke der Kollegen und bespricht neue Designs. Diesen Teil mag ich immer besonders gern, weil man dann stolz zeigen kann, was man die letzten Stunden so gemacht hat und sich gegenseitig sehr inspiriert und motiviert.

Zwischen 17:30 Uhr und 19 Uhr verlassen dann die letzten Mädels (und Jungs) ihren Schreibtisch – dann gibt es für mich zwei Möglichkeiten: Die Stille für ein Projekt nutzen und nochmal richtig reinhauen oder Sachen zusammensammeln und nach Hause fahren. Seit der Schwangerschaft genieße ich lieber einen frühen Feierabend und freue mich schon abends auf das gemeinsame Frühstück am Morgen.“

Wie organisierst du dich selbst und was hilft dir einen klaren Kopf zu behalten?

„Wie sich ein richtig klarer Kopf anfühlt, ist mir glaub ich völlig fremd. Mein Kopf ist immer voll, deswegen ist es mir sehr wichtig, regelmäßig alle losen Gedanken in ein System zu übertragen, das ich „Denkarium“ nenne. Lose To-Do’s und Gedanken, die ich in einen Kalender oder Programm übertrage, um sie danach zuordnen zu können. Neben haptischen Kalendern und Notizbüchern nutze ich gern Trello und/oder Evernote.

Es war für mich nicht leicht, Hilfe anzunehmen und kam mir am Anfang so arrogant vor, eine Assistentin zu haben.

Für Termine, Deadlines und Projekte unterstützt mich meine Assistentin Melanie. Es war für mich nicht leicht, Hilfe anzunehmen und kam mir am Anfang so arrogant vor, eine Assistentin zu haben – aber noch mehr als mir, hilft eine konstante Ansprechpartnerin für Terminabstimmungen meinen Kollegen, die sonst immer hinter mir herlaufen und mich an alles erinnern mussten.“

Was sind deine größten Herausforderungen, mit denen du im Job konfrontiert wirst?

„Solange alles gut läuft, gibt es keine Unsicherheiten. Was mir am schwersten fällt, ist negatives Feedback. Wir haben eine sehr familiäre Atmosphäre hier und es ist mir wichtig, dass sich jeder weiterentwickeln kann und immer weiß, woran er ist. Wenn es dann aber mal etwas zu besprechen gibt, fällt es dann oft schwer, die Sache nicht unter den Tisch fallen zu lassen. Keiner ist perfekt und man ärgert sich auch manchmal übereinander – das muss man ansprechen und aus der Welt schaffen.

Dazu kommt, dass ich am liebsten frei und kreativ arbeite. Diese regelmäßigen Meetings sind mir ein Graus, aber ich weiß, dass sie wichtig sind.

Man denkt viel zu schnell, dass alle schon mitbekommen, was gerade Sache ist, aber schlechte oder gar keine Kommunikation ist ein Todesurteil.

„Ich dachte, das wäre allen klar“ ist ein Satz, der hier nicht vorkommen darf, wenn man richtig miteinander spricht. Jeder muss wissen, was bei wem und wo gerade Sache ist. Also gehe ich brav hin, lese artig Protokolle und schreibe mir auf, wer was von mir braucht – Melanie unterstützt mich dabei.

Ich darf nie vergessen, dass ich ein kleines Zahnrad in diesem System bin – wenn ich etwas anders mache, Leute nicht richtig abhole, meine Aufgaben nicht erledige oder Leuten keine Infos oder Material zur Verfügung stelle, das sie für ihre Arbeit benötigen, dann läuft das ganze System nicht. Und das fällt mir als impulsiver Chaoskopf manchmal unheimlich schwer.“

Das ist ein wirklich interessanter Einblick, vor allem weil ich das im Kleinen hier selbst täglich erlebe. Ich empfinde schon die Kommunikation und Absprache mit meinem einzigen Kollegen – und Ehemann – manchmal als große Herausforderung. Wie oft habe ich schon gesagt: „Aber ich dachte, wir haben das so besprochen…“ – ja genau: ICH DACHTE. Denn in Wahrheit hat sich das meiste nur in meinem eigenen Kopf abgespielt. Diese Challenge ist mit noch mehr Kollegen und Teammitgliedern sicher ein echter Balanceakt!

Wofür stehst du morgens auf? Was macht dir am meisten Freude?

„Ich freue mich schon morgens auf unser gemeinsames Frühstück, den Austausch und viele neue Ideen. Mit einem tollen Team macht arbeiten Spaß – auch in Stressphasen. Man kann sich auf andere Verlassen und ist nie alleine. Darüber hinaus bekommen wir durch unsere Social Media Kanäle Feedback der Community – und das in Echtzeit. Wir wollen wissen, was den Leuten gefällt? Wir fragen sie einfach und die Antwort kommt sofort. Das macht natürlich super viel Spaß und macht alles viel greifbarer. Wir wissen, für wen wir arbeiten und dass diese Arbeit wertgeschätzt wird. Es gibt kein besseres Gefühl.“

Du erwartest im Juli auch dein erstes Kind. Vor welchen neuen Herausforderungen stehst du jetzt?

„Mal abgesehen davon, dass sich für mich als Mensch und für uns als Ehepaar unsere ganze Welt verändern wird, ändert sich natürlich auch mein Arbeitsleben. Ich kann mir aktuell nur grob ein paar Vorstellungen ausmalen – die Wirklichkeit sieht dann wahrscheinlich ganz anders aus. Ich träume von einem unkomplizierten Kind, das gerne schläft, wenig schreit und sich gern auch von anderen auf den Arm nehmen lässt. Dann wäre alles einfach und ich könnte hier im Büro in einem „Mutter-Kind-Büro“ arbeiten, das wir extra einrichten werden. Mein Ehemann und meine Geschwister sind jeden Tag vor Ort – ich rede mir ein, dass es nicht so schwer werden kann, Arbeit und Kind zu vereinen.

Aber das wird das Kind entscheiden und danach werde ich mich richten müssen. Zum Glück bin ich mein eigener Arbeitgeber und kann da für jede Situation eine flexible Lösung finden. Im schlimmsten Fall habe ich nur ein paar Stunden pro Woche im Home Office. Dann ist das so.“

Und wie ist es euch gelungen, Familienplanung und Arbeit miteinander in Harmonie zu bringen?

„Irgendwie konnte man das nie so ganz trennen, denn mit unserer privaten Entwicklung hat sich auch beruflich einiges mitentwickelt. Passend zur Hochzeit entstand die Hochzeitskollektion, mit der Schwangerschaft die Schwangerschaftskollektion und es werden bestimmt noch mehr Babyprodukte folgen. Wir sind frei in dem, was wir tun können und müssen uns nach niemandem richten. Wichtig ist uns nur, dass wir uns ein Team aufgebaut haben, auf dass wir uns immer verlassen können – auch, wenn wir mal ein paar Wochen oder Monate ausfallen sollten.“

Wie findest du trotz Hektik und Termindruck Zeit für dich selbst?

„Zum Glück beschränkt sich Hektik und Termindruck nur auf seltene Phasen, ansonsten ist mein Tagesablauf mittlerweile recht entspannt.

Wir haben von Anfang an darauf geachtet, mich von Stress und Auswärtsterminen so gut es geht rauszuhalten, damit ich Zeit finde, Ideen und Produkte zu entwickeln. Beides ist nicht vereinbar.

Für das, was ich am besten kann, brauche ein ruhiges Umfeld, in dem ich frei und kreativ arbeiten kann.“

Kann ich absolut unterschreiben! Stress erstickt bei mir auch jede Inspiration und Kreativität schon im Keim. Ich habe vor einiger Zeit mitbekommen, dass du bei Odernichtoderdoch extra mit Kinder-Produkten gewartet hast, bis jemand aus dem Kreativ-Team selbst schwanger ist. Das fand ich sehr sympathisch und authentisch. Bestimmt sprühst du jetzt nur so vor Ideen für neue Designs rund ums Kinderzimmer.

Darf ich fragen, welche neuen Produkte bei euch in nächster Zeit geplant sind?

„Uns war es schon immer wichtig, hinter den Produkten stehen zu können und aus eigener Erfahrung zu sprechen. Wir machen die Produkte ja auch für uns selbst, wir sind Teil unserer eigenen Zielgruppe. Es wäre schon irgendwie möglich gewesen, durch Umfragen und Tipps aus der Community z.B. ein Schwangerschaftstagebuch zu gestalten, aber das wäre nicht dasselbe gewesen. So kommen die Produkte von Herzen, sind mit unseren eigenen Geschichten und Erfahrungen gefüllt.

EIGENWERBUNG @odernichtoderdoch.de | Was mir an meiner Arbeit besonders gefällt, ist die Freiheit – ich kann Produkte gemeinsam mit meiner persönlichen Entwicklung gestalten, so dass das ganze Produktsortiment mein Leben dokumentiert. Organisationshilfen für meine Selbstständigkeit waren der Anfang, dann kam die Hochzeitskollektion mit meinen eigenen Erfahrungen als Braut und jetzt die ersten Schwangerschaftsprodukte. Das Schwangerschaftstagebuch ist schon im Druck! 😁Ich freue mich schon darauf, mir die ersten Notizen im ersten Babyjahr zu machen oder in ein paar Jahren ein Buch für die Kindergartenzeit zu gestalten. Ihr geht diesen Weg immer mit mir und all das macht es zu mehr, als nur einem Job für mich. Es ist etwas Großes, Arbeit und Privatleben, mein Lebenswerk. Ich bin unheimlich dankbar dafür, diesen Traum leben zu dürfen ☺️💕 #odernichtoderdoch #heinenbaby #babycountdown #julibaby2018 #sommerbaby2018

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Für’s erste gibt es jetzt ganz bald ein Schwangerschaftstagebuch, einen Meilensteinsammler für die Schwangerschaft, Meilensteinkarten und einen Baby-Countdown. Sobald das Kind da ist, habe ich bestimmt schon wieder neue Ideen, die ich gern umsetzen würde. Zu groß wird das Thema „Baby und Familie“ bei Odernichtoderdoch aber erst mal nicht werden, der Fokus bleibt soll weiterhin erst mal auf Alltagsorganisation und kleinen Abenteuern liegen.“

Und zu guter letzt:
Was sind deine Tipps an Frauen, die unsicher sind, wie sie persönliche und berufliche Bedürfnisse zusammenbringen sollen?

„Ich bin der Meinung, dass man bei der Berufswahl nach dem Bauchgefühl gehen sollte und nicht zu viel auf das hören sollte, was die Gesellschaft gerade als hip oder profitabel erklärt, was angeblich auf dem Arbeitsmarkt gesucht wird und was nicht oder was die Eltern sagen.

Man sollte sich lieber fragen: Was mache ich besonders gern? Bei welchen Tätigkeiten vergesse ich die Zeit? Womit helfe ich anderen Menschen am liebsten? Was kann ich gut?

Wenn man diese Fragen beantworten kann und eine Leidenschaft oder ein starkes Interesse findet, dann sollte man das beruflich ausbauen. Wenn man Leidenschaft zum Beruf macht, vereinen sich meiner Meinung nach persönliche und berufliche Bedürfnisse von ganz alleine.“

Und sonst so?

Liest gerade: „Guter Hoffnung“ von Kareen Dannhauer*

Das liegt gerade auf meinem Schreibtisch: Olympus Kamera, Textmarker, Kalender und leere Tupperdosen vom Frühstück.

Der beste Rat, den du (in letzter Zeit) bekommen hast?

  • HelloFresh* löst das “was kochen wir nach der Arbeit”-Problem (mit diesem Link bekommst 20 Euro für die Kochbox),
  • portable Ladegeräte lassen sich auch mit dem Grafiktablettkabel aufladen,
  • cmd+shift+t öffnet den zuletzt geschlossenen Tab,
  • Äpfel darf man nicht mit Bananen aufbewahren
  • und statt dieser fummeligen kleinen Brillenputztücher einfach immer einen Putzlappen in der Tasche haben – braucht man immer, egal ob für Brille, Laptop, Handy oder Autospiegel.

Lieblingszitat: Alle haben gesagt „das geht nicht“. Dann kam eine, die wusste das nicht und hat es einfach gemacht.

Vielen Dank für dieses tolle Interview, liebe Joana – und dass du dir so viel Zeit genommen hast! Ich wünsche dir weiterhin bei allem, was du anpackst viel Erfolg und vor allem alles Liebe für das schönste Projekt, das noch vor dir liegt: Das Mamasein. 🖤

Fotocredits: © odernichtoderdoch

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Interview mit Creative Director Joana Heinen von odernichtoderdoch: „Man sollte nicht zu sehr auf das hören, was die Gesellschaft gerade als hip oder profitabel erklärt. Man sollte sich lieber fragen: Bei welchen Tätigkeiten vergesse ich die Zeit? Womit helfe ich anderen Menschen am liebsten?“ #interview #kreativität #odernichtoderdoch #jo&judy

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