In letzter Zeit gab es hier auf Vanilla Mind eine ganze Menge Artikel für das sogenannte “Innen”. Selbstvertrauen und Ängste. Wird Zeit, dass ich mal wieder über ein anderes Lieblingsthema von mir schreibe (denk dir bitte hierzu die Stimme eines preußischen Feldwebels): Ordnung und Struktur. Oh yes!!

Aufgeräumter Schreibtisch = aufgeräumter Kopf? So kannst du deinen Arbeitsplatz gestalten, um produktiver und kreativer zu werden. #Minimalismus #Produktivität #Kreativität #Arbeit #Freelancer #Beruf #Psychologie #Schreibtisch #Ordnung

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Wie sieht eigentlich dein Arbeitsplatz aus?

Bevorzugst du das kreative Chaos auf deinem Schreibtisch und hast überall Ideen herumfliegen?

Oder bist du eher der Minimalist, den herumliegender Kram vom Denken abhält?

Dass unser Umfeld unsere Gedanken wesentlich stärker beeinflusst, als wir für möglich halten, habe ich schon an mir selbst festgestellt. In „Verstecken gilt nicht“ habe ich darum sogar ein ganzes Kapitel darüber geschrieben, wie man als ängstlicher Mensch sein Arbeitsumfeld so verändern kann, dass es unser Selbstvertrauen unterstützt. Mit einigen Kniffen hier und da ist es möglich, eine Atmosphäre zu schaffen, die mehr Geborgenheit schenkt, auch wenn man sich gerade außerhalb seiner Komfortzone bewegt.

Heute erkunden wir gemeinsam, wie die (Un-)Ordnung auf unserem Schreibtisch uns in unserer Produktivität und Kreativität unterstützen kann.

Kreativität: Hilft Chaos bei der Ideenfindung?

„Ordnung ist das halbe Leben.“, heißt es. Aber warum gibt es dann so viele erfolgreiche Menschen, die kreatives Chaos bevorzugen?

Albert Einstein soll sogar gesagt haben:

„Wenn ein überfüllter Schreibtisch ein Zeichen für einen überladenen Geist ist, für was ist dann wohl der leere Schreibtisch ein Zeichen?“

Auch Steve Jobs und Mark Twain sollen angeblich lieber an überfrachteten Arbeitsplätzen gearbeitet haben. Werden wir also kreativer, wenn wir unseren Schreibtisch nicht mehr aufräumen?

Das legt eine Studie der Universität Minnesota von PhD Kathleen Vohs nahe: Ihre Probanden sollten neue Ideen für die Nutzung eines Ping-Pong Schlägers einwickeln. Das Ergebnis bestätigt die Vermutung, dass das „kreative Chaos“ nützlich sein kann. Die Teilnehmer, die in unordentlichen Räumen arbeiteten, entwarfen kreativere Lösungsansätze und Ideen als die Teilnehmer in aufgeräumten Umgebungen.

Eine weitere Studie, die 2017 in der Fachzeitschrift “Psychology Today” publiziert wurde, zeigt, dass bei kreativen Menschen die linke und rechte Gehirnhälfte wesentlich stärker miteinander vernetzt sind. Diese Erkenntnis scheint die Theorie zu widerlegen, dass Fantasie und Kreativität hauptsächlich von der rechten Gehirnhälfte gesteuert werden. Kreative Köpfe haben demnach eine andere Gehirnstruktur. Einige Menschen brauchen also ihr kreatives Chaos, um in den Flow zu kommen und Raum für neue Ideen zu finden.

Manch Kreativling hätte diese Begründung zwar auch ohne Studie liefern können, aber zumindest kann man ihre präferierte Arbeitsweise nun neurowissenschaftlich belegen.

Sieht es in deinem Gehirn auch oft so aus? Mir geht es beim Arbeiten manchmal genau so wie in dem Bild. Allerdings sitze ich allgemein nicht gern am Schreibtisch, wenn ich kreativ sein will. Selbst wenn es um Konzepte geht, fange ich lieber mit Zettel und Stift an statt mich an den Rechner zu setzen.

Halten wir also fest: Für kreatives Arbeiten und Ideenfindung ist ein wenig Unordnung manchmal ganz hilfreich, um die Fantasie anzuregen und seine grauen Zellen zu stimulieren. Hört sich doch schon super an! Aber trifft das in jeder Situation zu?

Produktivität: Hilft Minimalismus auf dem Schreibtisch?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Nicht in jeder Situation ist es förderlich, im Chaos zu arbeiten. Nicht jede Tätigkeit verlangt Kreativität von uns. Manchmal ist es für uns wichtiger, uns an vorgegebene Systeme zu halten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es hilfreich ist, seine Steuererklärung im Wirrwarr von 50 Post-its und Entwürfen zu erledigen. 😉

Wenn wir effizient arbeiten müssen, ist es besser in einer gut strukturierten Umgebung zu arbeiten. Das gibt Klarheit und reduziert mentalen Ballast. Bestimmt kannst du diese Beobachtung selbst bestätigen:

Mistest du zuhause gern aus und trennst dich von überflüssigen Dingen? Macht es nicht total happy, diesen Ballast abzuwerfen? 

Mir hilft es auf alle Fälle. Es gibt mir das Gefühl, wieder atmen zu können und mein Kopf fühlt sich leichter an. Ich fühle mich dann weniger gestresst. Dass wir Stress beinahe schon täglich mit uns herumtragen wie ein Kleidungsstück, zeigt eine Umfrage, die ich vor ein paar Wochen in meinem Newsletter versendet habe. Über 93% aller Teilnehmer/innen gaben an, sich „oft oder ziemlich oft“ in einer Arbeitswoche gestresst zu fühlen. Weitere 5% fühlten sich sogar „immer“ gestresst und nur knapp unter 2% „nie“.

Der Zusammenhang zwischen Organisation und Stress

Reizüberflutung kann für viele ein Auslöser für Stress sein. Und diese Reizüberflutung betrifft natürlich auch unseren Arbeitsplatz. Interessant ist, was Forscher dazu herausgefunden haben. Daniel J. Levitin ist Professor für Psychologie, Verhaltensforschung und Musik an der McGill Universität in Montreal. Er erklärt in seinem Buch „The Organized Mind: Thinking Straight in the Age of Information Overload“*, dass allein der Akt des Organisierens unseren Stress reduzieren kann. Bei mentaler Überforderung kann es sehr beruhigend und nützlich sein, einen gut organisierten Arbeitsplatz zu haben. Solch ein Umfeld macht uns produktiver und fokussierter.

Vor diesem Hintergrund sollte es uns dann auch nicht mehr überraschen, dass Multitasking in Wahrheit nicht gut funktioniert. Wenn zu viele Reize auf einmal unsere Denkprozesse verlangsamen – dann doch erst recht mehrere Tätigkeiten auf einmal, oder? Wer glaubt, er sei durch Multitasking produktiver, belügt sich selbst. Unseren Fokus zu splitten erschöpft uns. Auch darüber schreibt Levitin ausführlich.

Aufräumen und Ordnen sind also alles andere als stupide Tätigkeiten. Sie sorgen dafür, dass sich unser Gehirn quasi neu kalibrieren kann. Wer sich also gestresst fühlt und kaum klar denken kann, sollte sich ein paar Minuten Zeit nehmen, um das Chaos auf seinem Schreibtisch in Ruhe zu ordnen.

Was ist besser?

Es besteht keine Konkurrenz zwischen diesen beiden Arbeitsweisen. Bedürfnisse sind unterschiedlich und hängen von der Aufgabenstellung ab.

Bei mir ist es ebenfalls von Situation zu Situation anders. Wenn ich wirklich kreativ sein möchte, ist es für mich am besten, gar nicht am Schreibtisch zu sitzen. Spaziergänge, Kochen, Basteln oder einfach an einem anderen Ort Notizen machen. Das bringt mir mehr Ideen als jeder Mausklick und jede Recherche am Computer. Öfter mal was Neues regt meine grauen Zellen an. Wenn ich aber wirklich effizient und produktiv sein möchte, bevorzuge ich absoluten Minimalismus, so wie es Daniel Levitin nahelegt.

Wie sieht dein eigener Arbeitsplatz aus und warum? 😃

Alles für einen produktiven Workflow:

Wie haben wir unseren Arbeitsplatz eingerichtet, um möglichst wenig Ablenkung und einen besseren Fokus zu haben? Wenn du wissen möchtest, welche Tools uns bei unserer Arbeit unterstützen und mehr Klarheit geben, schau unbedingt hier vorbei:

Let’s talk tech: ALLE Apps, Geräte und Techniken, die den Kopf bei der Arbeit freihalten


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