Oft werde ich gefragt, wie ich überhaupt auf die Idee gekommen bin, meine Arbeit zu kündigen und etwas Neues zu wagen. Heute schreibe ich die ganze Geschichte einmal auf. Lass dir gesagt sein, ich hatte unheimliche Angst. So sehr, dass ich die Entscheidung zu kündigen, jahrelang vor mir herschob. Mir gingen immer wieder dieselben Fragen durch den Kopf wie so vielen anderen auch:

→ „Soll ich wirklich die Sicherheit eines regelmäßigen Einkommens aufgeben?“

→ „Wird mein neuer Job unser Leben weiterhin finanzieren können?“

→ „Werde ich als Schüchterne überhaupt zurechtkommen oder ist alles nur ein Wunschtraum?“

Eigentlich war doch alles ganz gut…

Ich habe den Job gelernt, der mich immer fasziniert hat. Ich glaube, das einzige, was ich als Kind immer werden wollte, war Modedesignerin.

Modedesign ist es dann auch nicht geworden. Aber Kommunikationsdesign. Ich habe mit 19 einen guten Job in einem Verlag bekommen und habe schon von Anfang an spannende Projekte mitwirken dürfen. Dazu zählen vor allem Bücher und Zeitschriften. Teilweise habe ich richtig dicke Schinken vor mir liegen gehabt, die nicht ein einziges Bild enthielten. Tausende Seiten reine Textwüste setzen. Aber ich fand’s cool! Ich bin immer noch dankbar dafür, dass mein Vorgesetzter und Ausbilder mir viel zugetraut hat. Ich habe meine Ausbildung wirklich geliebt und bin hinterher auch einige Jahre im Unternehmen geblieben.

… aber

unzufrieden war ich ich dennoch. Ich bin jemand, der eigene Ideen hat, sich einbringen möchte und den eigenen Kopf nicht abstellen kann (und will). Dafür war mein Job aber schlichtweg ungeeignet.

Es gab da mal so etwas wie einen Plan. Als mein Mann Timon und ich heirateten und wir uns unsere Zukunft ausmalten, dachten wir sofort an eine gemeinsame Selbstständigkeit. Wir sind beide Designer – und Timon ohnehin bereits seit 2005 selbstständig. Wir wollten gemeinsame Projekte und mehr Zeit füreinander, im eigenen Zuhause in einer reizarmen Umgebung arbeiten, unseren Tagesablauf selbst bestimmen. Kurz: im Einklang mit unseren eigenen Bedürfnissen leben.

Was ich stattdessen tat: In der Grafikabteilung eines Unternehmens arbeiten, aus der nacheinander die Kollegen verschwanden, bis nur noch eine Person im Büro übrig blieb: ich. Die Stellen wurden lange Zeit nicht neu besetzt. Darunter litt ich irgendwann auch körperlich. Mehrmals am Tag dachte ich: „Ich halte das nicht mehr lange aus“ und tat dann: nichts. Hauptsache abliefern. Denn sonst würde ich meine Bauchschmerzen, die innere Unruhe und die zuckenden Augenlider zu stark wahrnehmen. Irgendwann gesellten sich auch Einschlafprobleme und Zähneknirschen zu meinen Beschwerden.

Ein weiterer Punkt: Ich wollte ein eigenes Leben zu haben. Kein Job der Welt ist es mir wert, Familie, Freunde und alles Schöne in die Warteschleife zu schubsen, nur um für jemand anderen zu funktionieren. Auch wenn ich meine Arbeit sehr liebe – sie ist niemals mein Leben gewesen und ist es auch heute nicht. Ich kann viel Leidenschaft für meine Tätigkeit aufbringen und würde meinen Job sogar mit einem tollen Hobby vergleichen, aber andere Dinge (Familie / Ehrenamt / Einsatz für andere) werden immer den ersten Platz haben (mehr über meine Werte und meine persönlichen Definition von Erfolg habe ich hier geschrieben).

Karriere-Anker nach Edgar H. Schein

Sozialwissenschaftler und Organisationspsychologie Edgar H. Schein entwarf das Konzept der sogenannten Karriere-Anker. Diesen Test machen Coaches mit Führungskräften, um Aufschluss über die Werte zu geben, die jemanden antreiben. In meinem Fall sind die zwei stärksten Anker: Unabhängigkeit und Lebensstilintegration. Hier kannst du mehr darüber lesen.

Für mich bedeutete dieser Test genau das, was ich schon vermutet hatte: Sicherheit und feste Strukturen sind für meinen Typ zweitrangig. Unabhängigkeit und Zeit für andere Dinge zu haben hingegen sind für mich erst der Antrieb, mich richtig ins Zeug zu legen. Die Frage nach unserer Motivation ist eine sehr spannende: Der Artikel „Warum arbeitest du?“ geht ihr auf den Grund und zeigt, wie wir durch die Geschichte in unserer Weltanschauung geprägt wurden.

Das alles weiß ich jetzt endlich. Damals musste mir erst mein Körper klarmachen, wo es lang geht: Irgendwann wurde der Frust zu groß und ich hatte schon morgens beim Aufstehen Bauchweh. Zu diesem Zeitpunkt war mein Mann übrigens schon einige Jahre selbstständig und ich habe ihm nebenbei immer geholfen.

Die Lösung – und neue Ängste

Die einzige vernünftige Antwort für die Lösung meiner inneren Kämpfe lag also auf der Hand: Selbstständigkeit.

Bei Timon konnte ich schon lange beobachten, wie flexibel das Arbeiten von Freelancern ist. Man arbeitet in Einklang mit seinen eigenen Werten. Außerdem macht die Verantwortung einen ganz anderen Menschen aus einem: Man lernt, vollen Körpereinsatz zu zeigen, nicht aufzugeben und für eine eigene Überzeugung einzutreten. Man ist immer für sich selbst verantwortlich und kann sich nicht auf die Entscheidungen anderer verlassen.

Die Entscheidung zu treffen, zu kündigen, war also theoretisch leicht. Diesen Entschluss aber umzusetzen, war extrem schwer! Ich hatte einfach so viel Angst. Als es plötzlich ernst wurde, konnte ich nachts kaum schlafen, weil ich immer dachte:

→ „Muss ich jetzt all meine Sicherheit für den Traum der Selbstständigkeit opfern?“

→ „Bin ich überhaupt gut genug?“

→ „Was werden andere sagen?“

→ „Was ist, wenn das Geld nicht reicht?“

Irgendwann merkten wir Timon und ich dann: Es gibt nicht die perfekten Umstände – aber den richtigen Zeitpunkt für Veränderung. Und der ist genau jetzt!

Mir hat übrigens dieser Gedanke beim Loslassen sehr geholfen: Unser Sozialsystem ist so stark ausgebaut, dass hier jeder Netz und doppelten Boden unter den Füßen hat. Wenn es alles so schlimm kommen sollte wie in meinen Gedanken, dann ist man trotzdem einigermaßen abgesichert. Für jemanden, der sich immer gleich das Worst Case Szenario ausmalt, sehr beruhigend. (Hier findest du wichtige Hilfen, wie du die Angst vorm Scheitern überwinden kannst.)

Und dann ging alles ganz schnell

1. März 2014. Der erste Tag von meinem neuen Leben. Mein Plan?

#1 Mir den Schlaf holen, den mein Körper braucht, um richtig arbeiten zu können.

#2 Meine eigenen Regeln machen.

#3 Es nicht mehr jedem recht machen wollen.

So etwas wie eine Gewöhnungszeit an meine neuen Lebensumstände gibt es nicht. Ich weiß sofort: Das ist es! Das gebe ich nicht mehr auf. Meine Euphorie konnte nicht einmal die Absage vom Arbeitsamt trüben, als ich eine Förderung zur Existenzgründung beantragen wollte: Kein ALG I (dazu hätte ich mich in eine neue Stelle vermitteln lassen müssen) und auch keine Förderung (angeblich, weil Kommunikationsdesign nicht sehr tragfähig als Business-Konzept sei… ehm ok). Das war zwar schade, aber eines unserer geringsten Probleme.

Die meisten Ängste, die ich im Vorfeld hatte, waren größer als die Hürden, die ich tatsächlich überwinden musste. Es stehen einem viele Wege offen, und gerade wenn man verheiratet ist, gibt es noch einige andere Trümpfe, die man ziehen kann. Der wichtigste Tipp (nach einigen blöden Fehlern von mir) ist immer: Informier dich! Zum Beispiel bei einem Steuerberater. Du musst nicht alleine alle Antworten finden und jeden Fehler selbst machen! ;)

Mittlerweile bin ich der Meinung, dass die wenigsten Jobs heutzutage wirklich sicher sind. Es gibt sie, ja, aber die Frage ist vielmehr: Wie definiere ich denn Sicherheit? – Ich will kein Schwarzmaler sein oder dir Angst machen, aber was heißt heutzutage schon sicher? Heute rechne ich stets mit allem und bin darauf vorbereitet, Durststrecken zu überbrücken.

Das ist übrigens keine emotionale Belastung für uns. Wir finden es gut, selbst verantwortlich zu sein. Klar, uns können Aufträge wegbrechen und es kann mal über einen gewissen Zeitraum eng werden mit dem Geld. Aber man lernt mit der Zeit, sich anzupassen und mit Ressourcen zu haushalten. Man hat einfach immer vor Augen, was gerade an Geld da ist und was nicht.

Mir ist bewusst, dass die Selbstständigkeit nicht für jeden das Richtige ist. Für mich war sie das Ticket in die Selbstbestimmung. Klingt cheesy, ist aber so. Hier noch zwei Buchtipps, die dir weiterhelfen können, wenn du mit dem Gedanken spielst, dich selbstständig zu machen:

Buchtipps, die Mut machen

Female Founders Book - Buchtipp für Gründerinnen
Einfach machen! - Buchtipp für Gründerinnen

Female Founders Book von Val Racheeva und Maxi Knust

Die beiden Unternehmerinnen Val und Maxi haben dieses Buch komplett in Eigenregie herausgebracht. Das Besondere: Sie haben 30 Unternehmerinnen interviewt und sie gefragt, welche Hürden sie in ihrer Selbstständigkeit überwinden mussten, wie sie daran gewachsen sind und was sie anderen raten würden. Fängt man erst einmal an, die ganzen tollen Geschichten dieser mutigen Frauen zu lesen, kann man gar nicht mehr damit aufhören! Dieses Buch ist alles andere als ein Buch voller “typischer Businessfrauen”, sondern eine spannende Sammlung sehr unterschiedlicher Charaktere und Geschichten. → Hier mehr über das Buch erfahren*

Einfach machen! Der Guide für Gründerinnen von Katharina Marisa Katz

Träumst du davon, dein eigener Chef zu sein? Auch in diesem Buch findest du ermutigende Interviews von Frauen, die diesen Weg bereits erfolgreich gegangen sind. Auch große Fragezeichen, die einen oft vom Machen abhalten, werden angeschnitten: „Wie erstelle ich einen Businessplan? Welche Zuschüsse, Kredite und Förderungen gibt es für Gründerinnen? Wie sieht es mit meiner Verfügbarkeit aus, muss ich immer online oder ansprechbar sein?“ → Hier mehr über das Buch erfahren*

Sag mir, was du denkst:

Wärst du gerne selbstständig? Was ist dir bei deiner Arbeit besonders wichtig?

Intuitiv Netzwerken

Was wäre, wenn Netzwerken sich nicht fake und oberflächlich, sondern richtig gut anfühlen würde? Geht! – Sogar wenn du Small Talk schrecklich findest. Das lernst du in unserem Online-Kurs. Folge knapp 400 Menschen,⁣ die mit Natürlichkeit statt Show bei anderen punkten⁣!


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