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Die folgende Konversation ereignet sich so oder ähnlich auf fast jeder Veranstaltung, die ich besuche. Egal, ob beruflich unterwegs oder eine private Einladung.

„Und, was machst du so?“
– „Mein Mann und ich haben eine Kreativagentur zusammen.“
Und alle so: „Waaaas? Ich könnte NIE mit meinem Mann zusammenarbeiten. Ich bin froh, wenn ich den nicht den ganzen Tag sehe.“

Ich kann das einerseits verstehen, jeder braucht Luft zum Atmen. Aber dennoch finde ich es erschreckend, diesen Satz von so vielen Frauen zu hören.

Versuche ich hier täglich eine Utopie zu leben?
Warum haben andere so viel Angst davor, enger mit ihrem Partner zusammenzuarbeiten?
Sollte es nicht etwas Schönes sein, so viel Zeit mit dem eigenen Partner zu verbringen?

Ich habe zwar ein wenig recherchiert, aber das war gar nicht nötig. Denn wir alle wissen: Es ist keine Seltenheit, dass Menschen aus derselben Branche eine Beziehung haben. Ich bin damals mit in die Selbstständigkeit meines Mannes eingestiegen und arbeite seitdem mit ihm zusammen.

Aber kann das auf Dauer wirklich gut sein?

Wir haben nicht nur eine gemeinsame Agentur, sondern arbeiten zusätzlich auch im Home Office. Das ist nichts Ungewöhnliches und kann super produktiv sein, wenn man es richtig anstellt. Und nein: Wir haben keine 10-Zimmer-Villa. Wir leben und arbeiten in einer durchschnittlichen Wohnung. Also relativ wenig Raum und viel gemeinsame Zeit.

Manchen macht das Angst. Sie glauben, dass sie schnell von dem anderen genug hätten oder dass sie plötzlich viele neue störende Seiten an ihrem Partner entdecken könnten. Oder sie haben Angst um ihre persönliche Freiheit. Wobei ich mich da immer frage: Welche Freiheit meinen diese Personen eigentlich? Wofür lebt man denn zusammen?

Meine schlichte Theorie dazu: Klar verstehe ich das – vor Konflikten weglaufen ist immer das Einfachste. Das mag arrogant klingen, aber im Kern spiegelt das nur meine eigene Erfahrung wider. Wenn ich mit jemandem zusammenlebe, gehe ich ohnehin die Bereitschaft ein, mit allen Macken des anderen fertig zu werden. Egal, ob die heute oder erst in ein paar Monaten oder Jahren auftreten. Warum nicht also auch bei der Arbeit?

Diese Ängste hatten wir eigentlich nie, obwohl wir in unserem Freundeskreis beide als sehr unabhängige, freiheitsliebende Typen bekannt sind. Jeder von uns kann sich gut allein beschäftigen und ist dankbar für seine eigene freie Zeit. Der Theorie nach müsste ein gemeinsames Home Office also Gift für uns sein.

Die Vor- und Nachteile

Ich muss gar nicht um den heißen Brei herumreden. Na klar ist es eine zweischneidige Sache: Man hat einerseits ähnliche Charakterzüge und viele gemeinsame Interessen durch den gemeinsamen beruflichen Background. Die gleiche Leidenschaft zur Arbeit zu haben, kann geballte Schlagkraft freisetzen. Genial!

Andererseits wird’s bei Schwierigkeiten schnell persönlich und private Probleme belasten dann unter Umständen auch die beruflichen Aktivitäten. Konfliktpotenzial ist jedenfalls reichlich vorhanden: „Du, da musst du dich nochmal dransetzen, das ist nicht gründlich genug recherchiert.“

Bei dieser oder einer ähnlichen Aussage ist es einfach menschlich, dass man sich persönlich schneller angegriffen fühlt. Und das hier ist noch ein harmloses Beispiel. Wenn der Partner die eigene Arbeit kritisiert oder weniger Wertschätzung zeigt als erwartet, können schonmal ein paar hässliche Worte fallen.

Von einem neutralen Chef würde ich ohne mit der Wimper zu zucken den Rüffel einstecken und mich nochmal dransetzen. Da weiß etwas in mir gleich: „Ah ok, das ist eine rein professionelle Kritik, also einfach nochmal von vorn.“

Und warum tut ihr euch das an?

Weil die Vorteile der gemeinsamen Arbeit bei weitem überwiegen! Ich will nicht mehr Zeit mit Leuten verbringen, die mir weniger wichtig sind als mein Partner. Wozu, wenn es auch anders geht? Wir haben keine Kinder oder andere Verpflichtungen, warum sollten wir diese Chance nicht nutzen?

Genügend Freiräume sind auch nicht das Problem: jeder hat seinen Bereich und man kann die Türen schließen. Wenn ich Lust habe, mich mit anderen zu treffen, dann mache ich das einfach. Keiner geht die Verpflichtung ein, dem anderen 24/7 auf der Pelle zu hocken. Es ist auch nicht so, dass wir nur noch im Doppelpack vorhanden wären. Wir gehen nicht immer zusammen zu Kunden und manchmal betreut auch jeder ein Projekt allein.

Wer gern mit seinem Partner zusammenarbeiten will, muss keine Angst vor einem Beziehungs-Aus haben. Ich bin der festen Überzeugung, dass das Zusammenarbeiten mit dem eigenen Partner eine sehr gute Charakter-Schule ist. Kränkung und persönliche Eitelkeiten sind nie gefragt, sie fallen lediglich in einer Beziehung, die sowohl privat als auch geschäftlich ist, schneller auf.

Solange man bereit ist, in manchen Situationen sein eigenes Ego wegzustecken und im Sinn zu behalten, worum es eigentlich geht – um die größere Vision, das Unternehmen, den Klienten – wird es der privaten Beziehung nur nutzen statt zu schaden. Wenn man das schafft, kann man eine Menge reißen und wird zu einem perfekt eingespielten Team. :)

Wie siehst du das? Kannst du dir vorstellen, beruflich mit deinem Partner zusammenzuarbeiten?

© Foto: Lea Sander

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