Ich werde oft gefragt, wie ich mir meine Arbeitszeiten zuhause einteile. Dass jemand im Home Office direkt neben seinem Bett arbeitet, weckt meist das Interesse meiner Gesprächspartner. Und wenn ich dann auch noch erwähne, dass ich meistens erst nach dem Mittagessen „richtig“ anfange zu arbeiten und erst nachts wieder aufhöre (wir erinnern uns: hier mein kompletter, ungeschönter Tagesablauf), bekomme ich eine Menge fragender Blicke zugeworfen.

Erstmal muss ich dazu sagen, dass man im Home Office keinen klassischen 9-to-5 Alltag hat. Es gibt es keine klare Trennung von Arbeit und Freizeit mehr. Ich kann nicht einfach den Stift um 17 Uhr fallen lassen und sagen – yay, Feierabend. Meine Blogposts schreibe ich zum Beispiel immer Sonntags abends, während ihr gerade fern seht. 😉

Wenn es eine sehr heiße Projektphase gibt, arbeite ich auch am Wochenende, kein Problem. Kehrseite: Manchmal arbeite ich auch einfach mal gar nicht. Oder nur 2-3h. Das ist auch okay. Ich habe einen gut geplanten Tagesablauf, aber der entspricht in keinster Weise dem klassischen Ideal in einer Firma. Und das mag ich sehr!

Das sind die Fragen, die mir am häufigsten gestellt werden:

  1. Wie kann es sich jemand erlauben, morgens nicht zu arbeiten?
  2. Geht da nicht das ganze Leben an einem vorbei?
  3. Und wie nehmen das die Kunden und Geschäftspartner wahr?

Die schnelle Antwort: Weil ich es so will. 😉

Und hier die ausführliche Antwort.

Zu Frage 1: Wie kann es sich jemand erlauben, morgens nicht zu arbeiten?

Es klingt im ersten Moment nach Luxus und living la dolce vita. Beim zweiten Hinsehen ist es das aber nicht. Denn: Mein Mann und ich arbeiten zusammen und wir sind dazu verpflichtet, unseren Kunden immer unsere volle Arbeitskraft zu bieten. Wenn man nicht nach dieser Maxime lebt und arbeitet, dann ist man schnell weg vom Fenster. Also: Wir brauchen einen guten Plan und vor allem auch eine Vorstellung davon, wann wir dieses Ziel am besten erreichen können. Dazu muss man seine produktiven Zeiten kennen.

Nachdem ich mit 6 Jahren angefangen habe um 8 Uhr in der Schule zu sein und erst mit 25 Jahren damit aufgehört habe als ich gekündigt habe, weiß ich mittlerweile, dass das nicht meine Traumarbeitszeiten sind. Irgendwie habe ich mich damals durchgeschleppt, aber vor 10 Uhr hing ich nur rum und habe versucht beschäftigt auszusehen. Völlig egal, ob ich nun um 21, 22 oder 23 Uhr schlafen gegangen bin: Ich sah immer aus als hätte ich durchgefeiert. Und das trotz 8h Schlaf. An dieser Stelle einen netten Gruß an alle, die behaupten, man müsse nur rechtzeitig genug ins Bett gehen: Ihr kennt offenbar das Wort Biorhythmus nicht. 😉

Mein Biorhythmus mag vor allem die späten Stunden. Ich kann super zwischen 9 und 10 Uhr morgens aufstehen und bin ohne Probleme bis 2 Uhr nachts voll da. Das hängt auch nicht unbedingt mit der Dauer des Schlafes zusammen. Sonst wäre ja etwas an der Theorie dran „geh ins Bett, wann du willst, Hauptsache du bekommst 7-8h Schlaf“. So funktioniert es nicht. Höchstens für 1-2 Wochen am Stück. Danach bin ich dann Brei und brauche wieder meinen späten Rhythmus. Um das Ganze zu belegen, zitiere ich gern Dr. Achim Kramer, Professor für Chronobiologie an der Berliner Charité: „Ein Spättyp kann seine innere Uhr weder durch Lichttherapie noch durch die Gabe von Melatonin so umpolen, dass aus ihm plötzlich ein Morgenmensch wird.“

Übrigens: Nur weil man selbstständig arbeitet, heißt das nicht, dass man 24/7 für Kunden verfügbar sein muss. Jedes Geschäft und auch jede Arztpraxis hat Öffnungszeiten und die werden respektiert. Gehst du zum Friseur und sagst „Hey sorry, ich kann aber nur morgen früh um 6 Uhr? Oder heute Abend um 22:30 Uhr“? Nö. Außer vielleicht, wenn du für diese Sonderleistung bereit bist, extra zu zahlen.

Warum sollten wir es nicht genauso machen? Gerade das ist ja einer der schönen Vorteile.

Um Projekte und Aufträge zu besprechen, gibt es bei uns keinen Termin vor 14 Uhr. Bei wem das wirklich gar nicht passt, ist eine Ausnahme absolut in Ordnung, aber das kommt tatsächlich seeehr selten vor. Wenn Fotoshootings in Unternehmen anstehen oder Präsentationen vor der Geschäftsleitung geplant sind, müssen wir schonmal umplanen. Uns macht es auch überhaupt nichts aus, für Kunden zu reisen. Im Gegenteil, das würde ich gern noch viel öfter machen. Damit kann ich also jeden Vorwurf, nicht flexibel und kundenorientiert genug zu sein, sofort entkräften.

Kundenorientiertes Arbeiten bedeutet ohnehin nicht, sofort zu springen wenn das Telefon klingelt, sondern dafür zu sorgen, stets die beste Arbeitsleistung zu ermöglichen. Und das geht eben nur, wenn man einen Plan hat. Das Thema Sprechzeiten treibt mich öfter um – hier ein ziemlich simpler, aber wirkungsvoller Tipp.

Frage 2: Geht da nicht das ganze Leben an einem vorbei?

Nein. Ich gebe zu, es ist ziemlich anstrengend, bei den städtischen Ämtern jemanden ans Telefon zu bekommen. Um einen Anruf beim Finanzamt zu tätigen, muss man dann schon mal das Mittagessen verschieben oder früher aufstehen. 😉

Diese Welt ist auf das Leben zwischen 8 Uhr morgens und 20 Uhr abends getaktet. Das merke ich immer wenn morgens unter meinem Fenster um 8 Uhr der Rasenmäher angeht und die Kinder der benachbarten Schule im Park grölen. Zum Glück kann ich mich dann ja nochmal für 2h umdrehen. Kundentermine früh morgens sind auch kein Thema, wenn es eine Ausnahme ist. Und Freunde kann man eh nur an den Wochenenden treffen, weil die ansonsten ja früh schlafen gehen. Aber das trifft sich bestens, denn abends habe ich ja mein Konzentrations-Hoch.

Frage 3: Wie nehmen das die Kunden und Geschäftspartner wahr?

Es gab noch nie Probleme, weil ein Kunde unzufrieden mit unseren Arbeitszeiten war. Dass wir feste Termine für Projektabsprachen und Beratungen vergeben, hat uns bisher nur Vorteile gebracht. Wer ein Angebot oder eine Beratung benötigt, bekommt drei Terminvorschläge von uns zugeschickt. Entweder sucht er einen der drei aus oder er macht einen eigenen Vorschlag. Meistens passt aber immer ein Termin. Das ist erstens professionell, weil der Kunde merkt, wie strukturiert wir arbeiten.

Zweitens nimmt es dem Kunden Arbeit ab, weil er nur seinen Kalender checken muss, ob er kann oder nicht. Und drittens sortiert man damit gleich die Leute aus, die nicht strukturiert arbeiten können. Wer sich beklagt, dass er nicht einfach um 8 Uhr morgens anrufen kann und dann gleich ein Allround-Angebot bekommt, mit dem wollen wir auch nicht arbeiten. Denn an diesem Punkt kann man bereits ahnen, dass derjenige sich in späteren Phasen auch nicht an Absprachen halten wird.

Ich mag meinen Arbeitsrhythmus – er hat so viele Vorteile! Alles kann ich testen, um herauszufinden, wie ich am besten arbeiten kann und niemand schränkt mich dabei ein. Ich muss nichtmal zuhause arbeiten, wenn ich nicht will. Das ist doch genial!

Wie kannst du am besten arbeiten? Wann hast du das für dich herausgefunden?

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