Wenn wir mit eher introvertierten und zurückhaltenden Klient:innen zusammenarbeiten, die sich mehr Erfolg und Anerkennung ihrer Arbeit wünschen, hören wir diese Fragen mit Abstand am häufigsten:

❌ „Warum bekomme nicht ich diesen Job? Ich bin so erfahren!“
❌ „Wieso bekomme ich nicht mehr Kund:innen? Ich strenge mich so sehr an!“
❌ „Warum sind andere nicht überzeugt von meinen Ideen?“

Diese Gedanken können schmerzen. Du merkst, dass so viel mehr in dir steckt und du gibst dein Bestes… aber andere scheinen das nicht zu erkennen. Warum ist das so?

Keine Sorge, es liegt garantiert nicht daran, dass du nicht liebenswert wärst. Im Gegenteil, aus den vielen Interviews und Gesprächen mit zurückhaltenden Personen wissen Timon und ich vor allem eines:

Selbstunsichere Menschen sind die liebenswertesten und spannendsten Persönlichkeiten! Sie wissen es nur selbst noch nicht.

– Melina Royer

Stattdessen halten sie sich selbst für unzulänglich, langweilig und unterlegen. Sie können ihre eigenen Stärken und Talente noch nicht erkennen. Oder ihnen ist gar nicht klar, dass ihre Fähigkeiten nicht selbstverständlich für andere sind!

👉 Hier setzen wir in diesem Artikel an. Die eigenen Stärken erkennen ist fundamental! Martin Seligman – der oft als Schöpfer der positiven Psychologie angesehen wird – hielt fest, dass das Verständnis dessen, was Menschen gut können, sie befähigen kann, ein gutes Leben in verschiedenen Bereichen zu führen (Peterson & Seligman, 2004).

Warum wir unsere Stärken oftmals nicht erkennen – oder sie für selbstverständlich halten

Eines vorweg: Du hast deine Stärken schon die ganze Zeit bei dir. Sie sind Teil deiner Persönlichkeit und jeder von uns hat ein ganz unterschiedliches Repertoire davon. Oftmals ist dir aber gar nicht klar, dass diese Eigenschaften überhaupt deine Stärken sind. Sie kommen dir selbstverständlich vor, weil sie schon immer da waren. Und weil du sie so intuitiv nutzt, dass dir ihr großer Wert im Alltag gar nicht so bewusst ist.

Unsere Stärken spiegeln Potenziale wider, die uns helfen können, Ziele in unserem persönlichen und beruflichen Leben zu erreichen. Zu verstehen, wer du als Person bist und welche Stärken du besitzt, kann es dir also leichter machen, die Bereiche zu identifizieren, in denen du einsetzen kannst, um z. B. eine erfolgreiche Teamleaderin zu werden. Oder eine effektivere Unternehmerin.

Wie introvertiert bist du? Teste dich!

Vielleicht gehörst du zu der Sorte Mensch, die ihre Stärken abtut, wenn andere sie dafür loben. Könnte das sein? – Hier bekenne auch ich mich schuldig. Typisch für mich war früher die folgende Situation:

💬 Kollegin: „Oh… dass du dich daran noch erinnern kannst! Das ist meine absolute Lieblingsschokolade, Melina!“

💬 Ich: „Ach, das ist doch gar nichts.“

Kommt dir dieses Verhalten bekannt vor? – Dann freu dich auf ein paar knackige, super einfache Übungen, mit denen du den ersten Schritt machen kannst, um deine eigenen Stärken zu erkennen und wertzuschätzen!

👉 Plus: Damit du deine Stärken im Alltag öfter einsetzen kannst, habe ich dir eine Challenge mitgebracht, die ich während eines Studienkurses an der UC Berkeley kennengelernt habe. Los geht’s!

Fokus verschieben und verborgene Stärken erkennen

Häufig wissen wir ziemlich genau, was unsere Fehler und Unzulänglichkeiten sind. Für unsere guten Seiten hingegen sind wir häufig blind. Wir sehen den Wald vor Bäumen nicht. Deshalb teile ich in diesem Artikel drei großartige Übungen mit dir, damit du deinen Stärken leichter auf die Spur kommst und ihnen im Alltag mehr Aufmerksamkeit schenkst.

Übung 1: So sehe ich mich selbst

Wir alle haben ein klares Selbstbild von uns, das sich vor allem dann zeigt, wenn wir über uns selbst reden. Solche Sätze beginnen meist so:

„Ich bin __________ [eine berufstätige Mutter/leidenschaftliche Architektin/empathisch/geduldig/gut im Vermitteln komplexer Sachverhalte/usw.]“

oder:

„Ich bin nicht der Typ, der __________.“

Wir alle tragen diese „Ich bin“–Statements mit uns, egal wohin wir gehen. Sie sind immer da, auch wenn wir sie nicht ständig heraus posaunen. Also wäre es doch gut zu wissen, welche das sind, nicht wahr?

📝 Aufgabe: Schreibe „Ich bin…“ auf 10 Karteikarten und fülle jede davon aus. Du kannst die Sätze auch in einem Notizbuch untereinander schreiben. Neben den offensichtlichen Sätzen wie z. B. „Ich bin Mutter.“ fallen wir bestimmt auch noch weitere ein: „Ich-bin“-Wahrheiten, die dich menschlich, vielleicht sogar verletzlich machen. Notiere sie unbedingt alle. Wenn dir sogar mehr als 10 einfallen – perfekt, immer raus damit!

Übung 2: Das schätzen andere an mir

Wenn du bei der ersten Übung nach den ersten fünf Sätzen auf dem Schlauch standest und dir nichts mehr eingefallen ist, mach dir keine Gedanken. Das geht vielen so. Jetzt kannst du Hilfe von Personen gebrauchen, denen du vertraust und deren Meinung du schätzt.

📝 Aufgabe: Notiere dir mindestens drei, besser sogar fünf bis sechs Personen, die dich gut kennen. Idealerweise sind das nicht nur Personen aus deinem engsten Freundes- und Familienkreis, sondern auch aus deinem beruflichen Umfeld.

Frag diese Menschen, was sie besonders an dir schätzen. Sei ruhig offen und sag ihnen, dass du gerade versuchst, dir deine Stärken bewusster zu machen und dir dabei eine Außenperspektive wünschst.

Achte auch darauf, konkret zu werden. Wenn deine Kollegin z. B. sagt „Ich schätze an dir, dass ich mich immer auf dich verlassen kann“, dann frag sie: „Kannst du dich an einen Moment erinnern, in dem du das besonders gemerkt hast?“

Übung 3: Das habe ich schon gemeistert

Jetzt reisen wir kurz zurück in die Vergangenheit. Wieso das? Weil sie wertvolle Erkenntnisse darüber liefern kann, wie du Herausforderungen bewältigt und Schwierigkeiten gemeistert hast. Wenn du erkennen kannst, welche Fähigkeiten dir damals Mut und Energie gegeben haben, können sie in der Zukunft für dich zu kraftvollen Ressourcen werden.

📝 Aufgabe: Besorg dir auch hier wieder Zettel und Stift und beantworte die folgenden drei Fragen. Keine Sorge, wenn du dafür länger brauchst. Du kannst auch hier eine vertraute Person bitten, sich an eine Situation zu erinnern, in der du mit großen Herausforderungen oder Belastungen zu kämpfen hattest.

Frage 1: Welche Herausforderung hattest du zuletzt?
Frage 2: Wie hast du sie gemeistert?
Frage 3: Welche Fähigkeiten brauchtest du dafür?

Voilà! Mit diesen Hilfen kommst du deinen Stärken auf die Spur! 🥳

Stärke deine Stärken! Die 7-Tage-Challenge

Die eigenen Stärken kennen und erkennen ist wichtig. Doch richtig kraftvoll bist du erst dann, wenn dir bewusst ist, wie du sie in deinem (Job-) Alltag einsetzen kannst.

Manchmal schenken wir unseren Schwächen mehr Beachtung als unseren Stärken. Doch die Forschung legt nahe, dass das Reflektieren persönlicher Stärken uns zufriedener und erfolgreicher macht.

Die folgende Challenge ist eine hervorragende Praxis, wenn du deinen Fokus weg von deinen Fehlern hin zu deinen Stärken verschieben möchtest. Diese Intervention wird an der UC Berkeley gelehrt und wurde von Sonja Lyubomirsky, Ph.D., University of California, Riverside, und Kristin Layous, Ph.D., California State University, East Bay, entwickelt.

Sie besteht darin, eine deiner persönlichen Stärken zu identifizieren. Eine, die du in den vorangehenden Übungen erkannt hast, wie z.B. Ausdauer oder Authentizität. Dann überlegst du, wie du sie auf eine neue Weise für dich und andere einsetzen kannst.

Die eigenen Stärken nutzbar machen

Häufigkeit: 1x pro Tag für eine Woche
Dauer: ca. 30 Minuten

👉 So geht es:

Schritt 1: Nimm dir kurz Zeit, um über eine deiner persönlichen Stärken nachzudenken – zum Beispiel Kreativität, Ausdauer, Freundlichkeit oder Neugier. Überlege, wie du diese Stärke heute auf eine neue und andere Weise einsetzen könntest. Wenn du z. B. Ausdauer wählst, kannst du eine Liste von Aufgaben machen, die du in letzter Zeit als herausfordernd empfindest und versuchen, einige davon anzugehen. Oder wenn du Neugier wählst, könntest du eine Aktivität ausprobieren, die du noch nie zuvor versucht hast.

Schritt 2: Beschreibe schriftlich die persönliche Stärke, die du heute nutzen willst und wie du sie einsetzen wirst. Und dann geh in die Umsetzung. Handle gemäß deiner Stärke so oft wie möglich über den Tag verteilt.

Schritt 3: Wiederhole die obigen Schritte jeden Tag für eine Woche. Du kannst dieselbe persönliche Stärke über mehrere Tage hinweg nutzen oder jeden Tag eine neue Stärke ausprobieren.

Schritt 4: Am Ende der Woche schreibst du auf, auf welche persönlichen Stärken du dich während der Woche konzentriert hast und wie du sie eingesetzt hast. Schreibe auf, was du getan hast, wie du dich dabei gefühlt hast und was du aus dieser Erfahrung gelernt hast.

Wissenschaftlicher Hintergrund

Seligman, M. E., Steen, T. A., Park, N., & Peterson, C. (2005). Positive psychology progress: Empirical validation of interventions. American Psychologist, 60(5), 410-421.

Proband:innen versuchten eine Woche lang jeden Tag eine persönliche Stärke zu nutzen. Sie wurden mit einer anderen Gruppe verglichen, die nicht versuchte, eine Stärke zu nutzen. Die Versuchsgruppe schrieb stattdessen eine Woche lang jeden Tag über ihre Erinnerungen. Sie berichteten nach einer Woche von einem Anstieg ihrer persönlichen Zufriedenheit und dem Rückgang einiger Depressionssymptome. Diese Veränderungen hielten sechs Monate später noch an.

Während es für unser Wohlbefinden zwar wichtig ist, auch an der Verbesserung unserer Defizite zu arbeiten, ist es von großer Bedeutung, unsere Stärken zu pflegen und sie zu nutzen. Die Besinnung auf diese Stärken kann helfen, uns daran zu erinnern, dass wir wichtige positive Eigenschaften haben.

Zeig dich, wie du wirklich bist! Mit all deinen wunderbaren Stärken

Du siehst also, es ist möglich: Du kannst dein Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl stärken – und damit auch deine innere Zufriedenheit. Deine persönlichen Stärken erkennen, stärkt auch dein Selbstvertrauen. Und sie auf eine neue Weise zu nutzen, trägt außerdem dazu bei, dass du sie in noch mehr Bereichen entfalten kannst.

Deine Reise zu mehr Selbstsicherheit und Sichtbarkeit endet hier natürlich nicht. Wir lernen unser Leben lang. Melde dich am besten direkt für unseren kostenlosen Mut-Letter an und finde heraus, wie du dich anderen zeigen kannst – mit all deinen Stärken und so, wie du wirklich bist.

Deine Stärken finden: mit diesen 3 einfachen Schritten

  1. So sehe ich mich selbst

    Schreibe „Ich bin…“ auf 10 Karteikarten und fülle jede davon aus. Wenn dir sogar mehr als 10 einfallen – perfekt, immer raus damit!Bist du schüchtern oder introvertiert? Vielen ist der Unterschied zwischen Schüchternheit und Introversion nicht klar. Aber es gibt einen, da ist sich die Wissenschaft einig. Wir klären auf. #stillundstark #vanillamind

  2. Das schätzen andere an mir

    Notiere dir mindestens 3 Personen, die dich gut kennen. Idealerweise sind das nicht nur Personen aus deinem engsten Freundes- und Familienkreis, sondern auch aus deinem beruflichen Umfeld. Frag diese Menschen, was sie besonders an dir schätzen.

  3. Das habe ich schon gemeistert

    Beantworte die folgenden drei Fragen:
    Frage 1: Welche Herausforderung hattest du zuletzt?
    Frage 2: Wie hast du sie gemeistert?
    Frage 3: Welche Fähigkeiten brauchtest du dafür?
    Voilà! Mit diesen Hilfen kommst du deinen Stärken auf die Spur! 🥳

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