Wenn wir mit ruhigen und zurückhaltenden Menschen zusammenarbeiten, die sich mehr Erfolg und Anerkennung ihrer Arbeit wünschen, hören wir diese Fragen mit Abstand am häufigsten:
❌ „Warum bekomme nicht ich diesen Job, sondern immer andere die lauter sind als ich?“
❌ „Wieso bekomme ich nicht mehr Kund:innen? Ich strenge mich so sehr an!“
❌ „Warum sind andere nicht überzeugt von meinen Ideen?“
Diese Gedanken können schmerzen. Du merkst, dass so viel mehr in dir steckt und du gibst dein Bestes… aber andere scheinen das nicht zu erkennen. Warum ist das so?
📌 Hier setzen wir in diesem Artikel an. Die eigenen Stärken zu kennen ist fundamental! Martin Seligman, der oft als Schöpfer der positiven Psychologie angesehen wird, hielt fest, dass das Verständnis dessen, was Menschen gut können, sie befähigen kann, ein gutes Leben in verschiedenen Bereichen zu führen.
🙈 Warum du meistens blind für deine Stärken bist
💥 Welche Stärken Mythen du entlarven darfst, um dein Selbstvertrauen zu stärken
✨ Mit welchen 3 Übungen du deine Stärken-Reise startest
Warum du deine Stärken nicht kennst und welche 3 Mythen du vergessen solltest
Du hast deine Stärken schon die ganze Zeit bei dir. Sie sind Teil deiner Persönlichkeit und jeder von uns hat ein ganz unterschiedliches Repertoire davon. Oftmals ist dir aber gar nicht klar, dass diese Eigenschaften überhaupt deine Stärken sind. Sie kommen dir vermutlich selbstverständlich vor, einfach weil sie schon immer da waren. Und weil du sie so intuitiv nutzt, dass dir ihr großer Wert im Alltag gar nicht so bewusst ist.
Unsere Stärken spiegeln Potenziale wider, die uns helfen können, Ziele in unserem persönlichen und beruflichen Leben zu erreichen. Zu verstehen, wer du als Person bist und welche Stärken du besitzt, kann es dir also leichter machen, die Bereiche zu identifizieren, in denen du einsetzen kannst, um z. B. eine erfolgreiche Teamleaderin zu werden. Oder eine effektivere Unternehmerin.
Rund um das Thema persönliche und berufliche Stärken existieren allerdings so einige Mythen.
Mythos 1: „Ich muss an meinen Defiziten arbeiten.“
Das ist nicht ganz korrekt. Schwächen zwanghaft in Stärken umzuwandeln, ist ziemlich ineffektiv. Und außerdem so Kräfte zehrend! Bei der Stärkenarbeit mit meinen Coachees geht es mir vielmehr darum, vorhandene Stärken optimal zu nutzen und dadurch bestimmte Defizite (wie z. B. Probleme beim Smalltalk) irrelevant zu machen.
Jahrelang galt in der Personalentwicklung die Devise, Schwächen auszumerzen. Studien zeigen jedoch: Wer sich auf seine Stärken konzentriert, ist motivierter, leistungsfähiger und glücklicher. Extreme Defizite sollte man managen, doch deine eigene Energie ist besser in deine Stärken investiert.
Wer seine Stärken zum Strahlen bringt, überlagert damit viele Defizite. Dabei verschließen wir nicht die Augen vor der Realität oder ignorieren diese. Da unsere Stärken betonen, was das Beste an uns ist, können sie uns auch dabei helfen, eine ausgeglichene Sicht auf Probleme zu entwickeln und uns helfen, sie zu überwinden.
Mythos 2: „Stärken sind angeboren und unveränderlich.“
Das stimmt nicht, denn Stärken sind nicht dasselbe wie Talente. Echte Stärken im Sinne der positiven Psychologie, wie etwa soziale Intelligenz, Authentizität oder Selbstregulation, sind keine fest einprogrammierten Persönlichkeitsmerkmale. Deine Charakterstärken sind zwar relativ stabile Merkmale, aber sie sind auch beeinflussbar durch Lebenserfahrungen oder gezielte Übung. Faktoren, die zu einer Veränderung deiner Stärken führen können, sind u. a. Alter, Lebensumstände, große Lebensereignisse wie eine neue Arbeit, Heirat oder Elternschaft, kulturelle Einflüsse und persönliches Wachstum.
Die Anpassungsfähigkeit der Charakterstärken unterstützt das Konzept der Neuroplastizität, das besagt, dass Menschen an ihrer persönlichen Entwicklung arbeiten und positive Veränderungen erreichenkönnen. Stell dir das Gehirn wie eine Straßenkarte vor, auf der die Straßen die Verbindungen zwischen den Gehirnzellen (Neuronen) darstellen. Wenn du etwas Neues lernst oder eine Erfahrung machst, baut das Gehirn neue Straßen oder verstärkt vorhandene, um die Informationen schneller und effizienter zu transportieren. Genauso ungenutzte Straßen schwächer werden oder sogar verschwinden. Diese Veränderungen können zu jeder Zeit im Leben stattfinden.
Mythos 3: „Eine Stärke ist immer positiv.“
Auch das ist nicht wahr. Ich halte es für unausgewogen, Stärken automatisch zu Superkräften zu erklären. Denn Stärken sind nur dann Stärken, wenn wir sie richtig dosieren und sie im richtigen Kontext anwenden.
Nehmen wir an, eine Person hat die Top-Stärke Authentizität. Findest du es angenehm, wenn diese Person immer wieder ungefragt ihre ehrliche Meinung herausposaunt, ohne darauf zu achten, wie es anderen damit geht? Wohl kaum. Stärken sind also kontextabhängig und können sowohl bei Über- als auch bei Überbeanspruchung ins Negative umschlagen.
Fokus verschieben und verborgene Stärken erkennen
Echte Stärken gehen oft leicht von der Hand. Was dir leichtfällt, wird von dir allerdings meistens nicht als besondere Leistung wahrgenommen. Das führt dazu, dass eigene Stärken oft abgewertet werden. Vielleicht gehörst auch du zu der Sorte Mensch, die ihre Stärken abtut, selbst wenn andere sie dafür loben. Könnte das sein? – Hier bekenne auch ich mich schuldig. Typisch für mich war früher die folgende Situation:
💬 Kollegin: „Oh… dass du dich daran noch erinnern kannst! Das ist meine absolute Lieblingsschokolade, Melina!“
💬 Ich: „Ach, das ist doch gar nichts.“
Kommt dir dieses Verhalten bekannt vor? Dann freu dich nun auf ein paar knackige, super einfache Übungen, mit denen du den ersten Schritt machen kannst, um deine eigenen Stärken zu erkennen und wertzuschätzen!Häufig wissen wir ziemlich genau, was unsere Fehler und Unzulänglichkeiten sind. Für unsere guten Seiten hingegen sind wir häufig blind. Wir sehen den Wald vor Bäumen nicht. Deshalb teile ich in diesem Artikel drei großartige Übungen mit dir, damit du deinen Stärken leichter auf die Spur kommst und ihnen im Alltag mehr Aufmerksamkeit schenkst.
Stärken Übung 1: So sehe ich mich selbst
Wir alle haben ein bestimmtes Selbstbild von uns, das sich vor allem dann zeigt, wenn wir über uns selbst reden. Solche Sätze beginnen meist so:
„Ich bin __________ [eine berufstätige Mutter/leidenschaftliche Architektin/empathisch/geduldig/gut im Vermitteln komplexer Sachverhalte/usw.]“
oder:
„Ich bin nicht der Typ, der __________.“
Wir alle tragen diese „Ich bin“–Statements mit uns, egal wohin wir gehen. Sie sind immer da, auch wenn wir sie nicht ständig heraus posaunen. Also wäre es doch gut zu wissen, welche das sind, nicht wahr?
📝 Aufgabe: Schreibe „Ich bin…“ auf 10 Karteikarten und fülle jede davon aus. Du kannst die Sätze auch in einem Notizbuch untereinander schreiben. Neben den offensichtlichen Sätzen wie z. B. „Ich bin Mutter.“ fallen wir bestimmt auch noch weitere ein: „Ich-bin“-Wahrheiten, die dich menschlich, vielleicht sogar verletzlich machen. Notiere sie unbedingt alle. Wenn dir sogar mehr als 10 einfallen – perfekt, immer raus damit!
Stärken Übung 2: Das schätzen andere an mir
Wenn du bei der ersten Übung nach den ersten fünf Sätzen auf dem Schlauch standest und dir nichts mehr eingefallen ist, mach dir keine Gedanken. Das geht vielen so. Jetzt kannst du Hilfe von Personen gebrauchen, denen du vertraust und deren Meinung du schätzt.
📝 Aufgabe: Notiere dir mindestens drei, besser sogar fünf bis sechs Personen, die dich gut kennen. Idealerweise sind das nicht nur Personen aus deinem engsten Freundes- und Familienkreis, sondern auch aus deinem beruflichen Umfeld.
Frag diese Menschen, was sie besonders an dir schätzen. Sei ruhig offen und sag ihnen, dass du gerade versuchst, dir deine Stärken bewusster zu machen und dir dabei eine Außenperspektive wünschst.
Achte auch darauf, konkret zu werden. Wenn deine Kollegin z. B. sagt „Ich schätze an dir, dass ich mich immer auf dich verlassen kann“, dann frag sie: „Kannst du dich an einen Moment erinnern, in dem du das besonders gemerkt hast?“
Stärken Übung 3: Das habe ich schon gemeistert
Jetzt reisen wir kurz zurück in die Vergangenheit. Wieso das? Weil sie wertvolle Erkenntnisse darüber liefern kann, wie du Herausforderungen bewältigt und Schwierigkeiten gemeistert hast. Wenn du erkennen kannst, welche Fähigkeiten dir damals Mut und Energie gegeben haben, können sie in der Zukunft für dich zu kraftvollen Ressourcen werden.
📝 Aufgabe: Besorg dir auch hier wieder Zettel und Stift und beantworte die folgenden drei Fragen. Keine Sorge, wenn du dafür länger brauchst. Du kannst auch hier eine vertraute Person bitten, sich an eine Situation zu erinnern, in der du mit großen Herausforderungen oder Belastungen zu kämpfen hattest.
Frage 1: Welche Herausforderung hattest du zuletzt?
Frage 2: Wie hast du sie gemeistert?
Frage 3: Welche Fähigkeiten brauchtest du dafür?
Voilà! Mit diesen Hilfen kommst du deinen Stärken auf die Spur! 🥳
Stärke deine Stärken! Dein 7-Tage-Training
Die eigenen Stärken kennen und erkennen ist wichtig. Doch richtig kraftvoll bist du erst dann, wenn dir bewusst ist, wie du sie in deinem (Job-) Alltag einsetzen kannst. Manchmal schenken wir unseren Schwächen mehr Beachtung als unseren Stärken. Die Forschung legt nahe, dass das Reflektieren persönlicher Stärken uns zufriedener und erfolgreicher macht.
Das folgende Training ist eine hervorragende Praxis, wenn du deinen Fokus weg von deinen Fehlern hin zu deinen Stärken verschieben möchtest.

Zeig dich, wie du wirklich bist!
Du siehst also, es ist möglich: Du kannst dein Selbstvertrauen, und damit auch deine innere Zufriedenheit, stärken. Deine persönlichen Stärken erkennen, stärkt auch dein Selbstvertrauen. Und sie auf eine neue Weise zu nutzen, trägt außerdem dazu bei, dass du sie in noch mehr Bereichen entfalten kannst.
🗝️ Mit dem Bewusstsein um das, was dich wirklich stark macht, holst du die Kontrolle über deine Energie zurück.
Vielleicht hast du in den drei Übungen nun einen ersten Überblick erlangt. Aber Wissen und Fühlen sind zwei völlig verschiedene Dinge. Es reicht nicht, dass du weißt, dass du kreativ bist. Erst wenn du fühlst, wie wertvoll die Eigenschaften sind, die du immer als Ressource bei dir trägst, wirst du selbstbewusster und stehst zu dir. Das ist definitiv kein Sprint, sondern ein Marathon. Und du musst ihn nicht alleine laufen!
Es ist viel einfacher, den Weg an der Seite von anderen Menschen zu gehen, die dich verstehen und dir einen Safe Space bieten. Dafür sind Timon und ich hier. 🌟 Lerne dich selbst besser kennen und erfahre, welche Charakterstärken du gezielt einsetzen kannst, um dich stimmig und selbstsicher zu fühlen. Hier erfährst du ganz genau, wie Timon und ich mit unseren Stärken-Coachees zusammenarbeiten.

Quellen und Hintergrund
Seligman, M. E., Steen, T. A., Park, N., & Peterson, C. (2005). Positive psychology progress: Empirical validation of interventions. American Psychologist, 60(5), 410-421.
Proband:innen versuchten eine Woche lang jeden Tag eine persönliche Stärke zu nutzen. Sie wurden mit einer anderen Gruppe verglichen, die nicht versuchte, eine Stärke zu nutzen. Die Versuchsgruppe schrieb stattdessen eine Woche lang jeden Tag über ihre Erinnerungen. Sie berichteten nach einer Woche von einem Anstieg ihrer persönlichen Zufriedenheit und dem Rückgang einiger Depressionssymptome. Diese Veränderungen hielten sechs Monate später noch an.
Während es für unser Wohlbefinden zwar wichtig ist, auch an der Verbesserung unserer Defizite zu arbeiten, ist es von großer Bedeutung, unsere Stärken zu pflegen und sie zu nutzen. Die Besinnung auf diese Stärken kann helfen, uns daran zu erinnern, dass wir wichtige positive Eigenschaften haben.
Schlagwörter: Erfolg / Job / Karriere / Psychologie / Selbstbewusstsein / Selbstmanagement / Selbstreflexion / Selbstvertrauen / Selbstwertgefühl



Danke, danke, danke! Besonders die 3. Übung war augenöffnend. :)) LG und einen schönen Abend für euch, Sara
Gerne :)
Liebe Melina,
Wirklich toller Post. Was ich wirklich mochte, war der Vorschlag mit der Übungswoche. Oft heißt es, mach Dir Deine Stärken bewusst und das wird dan in 15 Min einmal umgesetzt – und auch schnell wieder vergessen. Ich hoffe, dass es durch diese Übung sich besser verankert.
Liebe Grüße,
Eve
Hi Eve, genauso ging es mir auch! Deswegen war ich auch sehr erfreut, diese fundierte Intervention der beiden Forscherinnen kennenlernen zu dürfen. Einmalig 15 Minuten können einfach nicht reichen, da hast du völlig Recht.
Genau zur richtigen Zeit und wie immer fundieet und praxisnah! 🙏