WeiĂt du, was dich stark macht? Das ist eine völlig andere Frage als: âWas kannst du eigentlich gut?â Die meisten Menschen beantworten diese Frage, indem sie StudienabschlĂŒsse, Fortbildungen oder andere erlernte FĂ€higkeiten aufzĂ€hlen.
Vielleicht rollst du jetzt mit den Augen, weil das so gar nicht deine Art ist. Immer, wenn dich jemand nach deinen StĂ€rken fragt, fĂŒhlst du dich direkt unbehaglich, weil es sich nach Angeberei oder Zurschaustellung anfĂŒhlt, wenn du ĂŒber deine Kompetenz reden sollst.
Kann ich total nachvollziehen, das geht mir selbst nicht anders. Und vielleicht kennst du auch dieses PhĂ€nomen: Jede weitere Fortbildung ist zwar interessant, aber trĂ€gt nicht dazu bei, dass du dich selbstsicherer fĂŒhlst. Es ist eher eine Schutzwand, hinter der man sich verstecken kann. đ§±
đđŒ In diesem Artikel zeige ich dir, was echte StĂ€rken gemÀà der Positiven Psychologie sind. Was dir das bringt? Du lernst, was dich im Kern ausmacht und dich antreibt.
đĄ Warum CharakterstĂ€rken tiefer gehen als Talente und FĂ€higkeiten
đ Wie du mithilfe deiner StĂ€rken als authentisch und selbstbewusst wahrgenommen wirst
âš Wie du als leise Expertin sichtbar wirst, ohne dich zu verbiegen
Deep-Dive: Alles, was du als leise Expertin wissen musst
Was genau sind eigentlich StĂ€rken â und was nicht?
Wenn wir im Job nach unseren StĂ€rken gefragt werden, rattern wir oft reflexartig unsere Lebenslauf-Punkte herunter: âIch spreche flieĂend Englisch, kann gut mit Excel umgehen und habe ein Talent fĂŒr Projektmanagement.â Aber: Das sind FĂ€higkeiten (Hard Skills) und Talente.
Der Ansatz der Positiven Psychologie â genauer gesagt die sogenannten CharakterstĂ€rken â geht viel tiefer. CharakterstĂ€rken sind tiefgreifende Persönlichkeitseigenschaften. Sie beschreiben nicht, was du tust, sondern wie du die Welt betrachtest und an Dinge herangehst. FĂ€higkeiten kannst du dir aneignen. Talente sind oft angeboren (wie z. B. ein absolutes Gehör).
đ§ CharakterstĂ€rken sind dein innerer Kompass. Sie sind das Fundament deiner Persönlichkeit.
Eine echte CharakterstĂ€rke ist eine bereits existierende FĂ€higkeit fĂŒr die Art und Weise:
âïž wie wir uns verhalten, denken und fĂŒhlen,
âïž die authentisch und anregend ist,
âïž und die uns Wachstum, ErfĂŒllung und Bestleistung ermöglicht.
đĄ Es gibt 24 wissenschaftlich erforschte CharakterstĂ€rken, die in jedem von uns vorhanden sind â nur in unterschiedlicher AusprĂ€gung. Hier eine Ăbersicht:

Warum fÀllt es uns oft so schwer, unsere eigenen StÀrken zu erkennen?
Wir leben in einer Gesellschaft, die uns darauf trainiert hat, den Blick stets nach auĂen zu richten. Wir vergleichen uns permanent. Wenn jemand anderes lauter, schneller oder dominanter ist, verbuchen wir das oft als MaĂstab fĂŒr âErfolgâ.
Dazu kommt die fatale Zertifikate-Falle: Wir glauben, dass wir noch eine Weiterbildung, noch ein Kompetenz-Seminar und noch ein Coaching brauchen, um endlich âgut genugâ zu sein. Wir suchen die BestĂ€tigung und Selbstsicherheit im AuĂen. Doch paradoxerweise geben uns noch mehr Kompetenzen oft keine innere Sicherheit, solange wir unsere Basis â unsere ureigenen CharakterstĂ€rken â nicht kennen und wertschĂ€tzen.
Zudem haben wir oft einen blinden Fleck fĂŒr das, was uns leichtfĂ€llt â oder wir bewerten unsere tiefsten QualitĂ€ten anfangs sogar negativ.
Viele meiner Coachees bringen die wunderbaren CharakterstÀrken Bescheidenheit und Besonnenheit mit. Doch anstatt diese als echtes Potenzial zu erkennen, werten sie sie zunÀchst ab.
Es fallen SĂ€tze wie: âBescheidenheit ist eine SchwĂ€che, man braucht Ellenbogen in dieser Welt.â Oder: âWas habe ich von Besonnenheit? Dass ich so lange nachdenke, blockiert mich eher!â
Erst wenn wir lernen, diese Eigenschaften umzudeuten und erkennen, dass genau diese StĂ€rken uns vor toxischen Egos schĂŒtzen und zu exzellenten, fundierten Entscheidungen fĂŒhren, wird aus der vermeintlichen Blockade eine echte StĂ€rke mit Strahlkraft.
Warum ist es ĂŒberhaupt sinnvoll, sich seiner StĂ€rken bewusst zu werden?
Kennst du den inneren Widerstand und den Frust, wenn du eine Aufgabe erledigst, die dir absolut gar nicht liegt? Du fĂŒhlst dich ausgelaugt, mĂŒde und unmotiviert. Das passiert, wenn wir gegen unsere Natur arbeiten.
Wenn du dir jedoch deiner StĂ€rken bewusst wirst und sie aktiv nutzt, passiert etwas Besonderes: Dein Denken, FĂŒhlen und Handeln sind positiv belegt. Du kommst in den sogenannten Flow-Zustand. Die Arbeit raubt dir keine Energie mehr, sondern sie gibt dir Energie. Du bist produktiver, kreativer und vor allem: Du wirkst auf andere sofort authentischer.

âš Wer seine StĂ€rken kennt, strahlt eine ruhige, fundierte SouverĂ€nitĂ€t aus, die kein âFake it till you make itâ-Mantra jemals ersetzen könnte.
Wie finde ich heraus, was meine wahren StÀrken sind?
Der einfachste Weg ist ein CharakterstĂ€rken Coaching mit uns. Der wissenschaftliche Fragebogen fĂŒr die CharakterstĂ€rken liefert dir einen ersten Eindruck ĂŒber dein ganz persönliches StĂ€rkenprofil. Aber eine nackte Rangliste auf dem Papier bringt dir im echten Leben noch nichts. Vielleicht kennst du das aus typischen Unternehmens-Analysen: Du bekommst ein schickes Testergebnis, die FĂŒhrungskrĂ€fte klatschen sich gegenseitig ab â aber danach bist du komplett auf dich allein gestellt und fragst dich: âUnd was mache ich jetzt damit?â
Genau deshalb ist ein Coaching so wichtig: Wir lassen dich mit dem Ergebnis nicht allein, sondern ĂŒbersetzen die Theorie in echte Erkenntnisse und bewusste Strategien, damit du das Potenzial deiner StĂ€rken auch nutzen kannst.
Wenn du es gar nicht abwarten kannst, kannst du auch ab jetzt im Alltag auf Spurensuche nach deinen StÀrken gehen. Erste Hinweise liefert dir dein Energie-Akku.
đ Achte auf deine Energie:
Bei welchen TĂ€tigkeiten vergisst du die Zeit?
Welche Art von Herausforderungen löst du richtig gerne?
Wo sagen andere oft zu dir: âWie hast du das bloĂ so ruhig/strukturiert/kreativ hinbekommen?â
đĄ Das sind die Momente, in denen deine TopstĂ€rken, auch SignaturstĂ€rken genannt, am Werk sind.
SchwÀchen in StÀrken umwandeln? Gar nicht nötig!
Die positive Psychologie heiĂt so, weil sie sich eben nicht mit SchwĂ€chen befasst, sondern durch den stĂ€rkenorientierten Ansatz den Fokus auf deine Ressourcen lenkt. Das ist keine toxische PositivitĂ€t, denn natĂŒrlich erkennen wir Herausforderungen und Problemstellungen an. Aber wir arbeiten uns nicht an Defiziten ab. Wir sehen uns stattdessen an, wie wir Herausforderungen mit Ressourcen bewĂ€ltigen können, die bereits da sind.
Stell dir jede StĂ€rke wie einen LautstĂ€rkeregler vor. In der Mitte befindet sich der âSweet Spotâ. Es kann auch vorkommen, dass man eine StĂ€rke zu viel oder wenig verwendet, also Ăberbeanspruchung oder eine Unterbeanspruchung.
Nehmen wir als Beispiel die StÀrke der Bescheidenheit. In unserer westlichen, sehr lauten Business-Kultur wird Bescheidenheit oft per se als SchwÀche abgetan. Das ist falsch. Es ist eine wundervolle StÀrke, die Teams zusammenhÀlt und toxische Egos verhindert.
Unsere Arbeitswelt leidet eher an einem Mangel an Bescheidenheit! Aber: Wer seine Bescheidenheit im falschen Kontext gebraucht, wertet die eigene Arbeit ab und lĂ€sst sich ĂŒbergehen.
Bescheidenheit in ihrer goldenen Mitte wĂŒrde bedeuten, realistisch und ausgewogen ĂŒber die eigenen Grenzen und Möglichkeiten zu denken, ohne sie herunterzuspielen oder aufzubauschen.
đïž Es geht also nie darum, eine vermeintliche SchwĂ€che loszuwerden, sondern zu lernen, wie man bestimmte StĂ€rken dosieren muss, bzw. wie einen LautstĂ€rkeregler richtig einzustellen.
Muss ich lauter oder extrovertierter werden, um im Job ĂŒberhaupt sichtbar zu sein?
Nein. Das ist ja gerade das Schöne an den CharakterstĂ€rken: Du bist richtig, wie du bist. Deine StĂ€rken sind schon da. Die Arbeit besteht nicht darin, jemand anderes zu werden oder Defizite auszugleichen, sondern den Blick von auĂen nach innen zu richten und zu schauen, wie du mehr von den CharakterstĂ€rken nutzen kannst, die bereits in dir schlummern.
Sichtbarkeit fĂŒr leise Expertinnen funktioniert anders. Es geht nicht um LautstĂ€rke, sondern um Klarheit und Timing. Wenn deine StĂ€rke z. B. Urteilsvermögen ist, bedeutet idealer StĂ€rkengebrauch nicht, dass du ungefragt jedes Vorgehen kritisierst, sobald du Schwachstellen im Prozess wahrnimmst. Du kannst dein Urteilsvermögen auch nutzen, indem du klug das Ende einer hitzigen Diskussion im Team abwartest und dann deine Perspektive teilst: âIch habe mir das jetzt in Ruhe angehört und zwei Risiken analysiert, die wir bisher ĂŒbersehen haben. Lasst uns da kurz draufschauen.â
đŻ Boom. Das hat Impact. Ganz ohne lautes GebrĂŒll.
Sind meine StĂ€rken in Stein gemeiĂelt oder kann ich mich verĂ€ndern?
Hier kommt die gute Nachricht aus der Neurobiologie: Unser Gehirn ist ein Leben lang formbar. Das nennt man NeuroplastizitÀt.
StÀrken sind nicht statisch. Sie können verÀndert werden, z. B. wenn sich deine LebensumstÀnde Àndern oder du dich bewusst Herausforderungen stellst. So kannst du bestimmte StÀrken trainieren wie einen Muskel.
Trotzdem ist es wichtig im Sinn zu behalten, dass wir hier nicht ĂŒber 180-Grad-VerĂ€nderungen sprechen. Ich gebe dir mal ein Beispiel von meinem Partner Timon. Die Top 5 CharakterstĂ€rken sind: Liebe zum Lernen, Neugier, KreativitĂ€t, AuthentizitĂ€t und Tapferkeit.
Diese StĂ€rken durchdringen sein ganzes Leben. Das heiĂt, egal, was er beruflich macht â ob er gerade mit 3D-Druck im Makerspace experimentiert oder eine FĂŒhrungskraft berĂ€t â es sind immer eigentlich die gleichen CharakterstĂ€rken, die ihn dazu bringen, etwas zu tun.
Was mache ich, wenn mein Job nicht zu meinen CharakterstĂ€rken passt? KĂŒndigen?
Das ist nicht immer die richtige Lösung. Oft hilft hier ein wunderbares Konzept aus der Positiven Psychologie: Das sogenannte Job-Crafting.
Das bedeutet, dass du dir nicht zwingend einen neuen Job suchst, sondern deinen bestehenden Job umformulierst und an deine StĂ€rken anpasst. Nehmen wir an, du hast als ausgeprĂ€gte CharakterstĂ€rken Sinn fĂŒr Schönes und Exzellenz. Wer diese StĂ€rke als SignaturstĂ€rke besitzt, hat oft einen hohen Anspruch an QualitĂ€t, Struktur und Ăsthetik. Dein Joballtag besteht aus vielen trockenen Reportings und Mails. Ein neuer StĂ€rkengebrauch könnte es z. B. sein, diese Reportings visuell ansprechender zu gestalten, aufgerĂ€umt und exzellent strukturiert, sodass dein QualitĂ€tsanspruch befriedigt wird.
đš Manchmal hilft es also, nicht das Was zu verĂ€ndern, sondern das Wie â durch die Brille deiner eigenen StĂ€rken.

Was hilft konkret dabei, sich die eigenen StÀrken im Alltag bewusster zu machen?
Der Blick nach innen ist der erste Schritt, aber der Blick von auĂen ist oft der Augenöffner. Wir selbst leiden oft unter sogenannter StĂ€rken-Blindheit.
Trau dich, aktiv um Feedback zu bitten. Frag drei Menschen, die du beruflich und privat schĂ€tzt: âIn welchen Momenten erlebst du mich am stĂ€rksten?â Die Antworten werden dich vermutlich sehr berĂŒhren und ĂŒberraschen.
Du bist nicht kaputt. Du bist genau richtig.
Es gibt wissenschaftlich gut erforschte StĂ€rken, die du dir ab heute zunutze machen kannst. Du brauchst nicht das zehnte Optimierungs-Seminar, um deine vermeintlichen SchwĂ€chen wegzutrainieren oder dich âreparierenâ zu lassen.
Was du brauchst, ist lediglich eine bessere Kenntnis deiner eigenen, bereits vorhandenen Möglichkeiten.
Wenn du anfĂ€ngst, deine eigene Persönlichkeit in diesem neuen, wohlwollenden Licht zu sehen, wird das dein gesamtes Auftreten verĂ€ndern. Es ist diese tiefe, innere Klarheit ĂŒber deinen eigenen Wert, die dir SouverĂ€nitĂ€t verleiht â und nicht der eine lĂ€ssige Konter, den du vor dem Spiegel einstudiert hast.
Gib dir die Erlaubnis, mit all deiner umsichtigen, ruhigen Expertise sichtbar zu werden. Ohne dich Ă€ndern zu mĂŒssen.
Unser Lab ist eine moderierte Community fĂŒr professionellen Austausch, in dem auf eine starke Gemeinschaft von Gleichgesinnten triffst. Du entdeckst, was dich jenseits aller Klischees wirklich auszeichnet und lernst Schritt fĂŒr Schritt, deine StĂ€rken besser zu identifizieren und gezielter einzusetzen.
Unsere Coachee Ina ist Teamleiterin und schÀtzt am Still & Stark Business Lab besonders, dass sie endlich nicht mehr alleine kÀmpfen muss:
âBislang habe ich diese Themen immer im stillen KĂ€mmerlein mit mir ausgemacht. Und es ist auch nicht so, dass man sich im Freundeskreis hinsetzt und sagt: 'Lass uns mal ĂŒber meine StĂ€rken reden.' [âŠ] FĂŒr mich war es eine ganz neue Erfahrung, dass auch andere sich mit diesen Themen beschĂ€ftigen.â
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Quellen
Menschen, die ihre StĂ€rken hĂ€ufig gebrauchen, blĂŒhen mit 18-fach höherer Wahrscheinlichkeit auf als solche, die ihre StĂ€rken nicht gebrauchen (Hone et al., 2015). Jedes der Kernelemente des Flourishing â positive Emotionen, Engagement, Sinnhaftigkeit, positive Beziehungen und Leistung â ist signifikant mit CharakterstĂ€rken verknĂŒpft (Seligman, 2011).
Der Gebrauch von SignaturstÀrken ist verbunden mit Arbeitsengagement, ProduktivitÀt, Arbeitszufriedenheit und Arbeit als Berufung (Harzer & Ruch, 2015, 2016; Lavy & Littman-Ovadia, 2016; Littman-Ovadia & Davidovitch, 2010).
Schlagwörter: Achtsamkeit / Arbeit / Entschleunigung / Entspannung / Interview / Karriere / Psychologie / Selbstbewusstsein / Selbstvertrauen / Stress


