Kennst du das: Du stehst inmitten einer lebhaften Gruppe Menschen und bewunderst, wie sie scheinbar immer die richtigen Worte finden und mit ihrem Charme und ihrer Leichtigkeit alle für sich gewinnen.

Und sofort spukt die Frage in deinem Kopf herum: „Sollte ich nicht auch so sein? Extrovertierter, offener, geselliger?“

⚠️ Aber ist das tatsächlich der einzige Weg zu guten Beziehungen und Erfolg im Leben?

Darum geht es in diesem Artikel: die Kurzform

💡 Introvertierte und extrovertierte Menschen schöpfen Kraft aus unterschiedlichen Energiequellen. Ihre Nervensysteme unterscheiden sich.

💡 Die Grenzen zwischen Introversion und Extraversion sind fließend und können sich im Laufe des Lebens tatsächlich ein Stück weit verschieben.

💡 Introvertiert zu sein hat nichts damit Schüchternheit oder Distanziertheit zu tun.

💡 Introvertierte reagieren nach innen gerichtet auf ihre Umwelt und treffen Entscheidungen anders.

💡 Manche Menschen empfinden einen hohen Druck, weniger introvertiert zu sein, da die westliche Gesellschaft extrovertierte Verhaltensweisen feiert.

💡 Introvertierte können extrovertierte Verhaltensweisen erlernen, ihre grundlegende Natur bleibt jedoch introvertiert.

💡 Persönlichkeitsmerkmale sind nach dem 30. Lebensjahr relativ stabil.

💡 Introvertierte Menschen sollten sich immer wieder feste Ruhephasen einplanen, um sich nach extrovertierten Aktivitäten zu erholen.

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Warum wollen viele Menschen lieber extrovertiert sein?

Viele Menschen, die zu uns ins Coaching kommen, wünschen sich extrovertiertere Wesenszüge. Nicht selten bekommen sie den Satz „Du bist zu still“ oder Varianten davon im Job zu hören. Das nagt an ihrem Selbstvertrauen. Wie also kann es gelingen, selbstsicherer aufzutreten?

Zunächst möchte dir gern eine Geschichte erzählen, die mir mein Mann Timon einmal erzählt hat und die mich sehr berührt hat. Dabei geht es um zwei Fotos aus seiner Kindheit, die ihn in sehr unterschiedlichen Situationen zeigen:

Kennst du das: Du stehst inmitten einer lebhaften Gruppe Menschen und bewunderst, wie sie scheinbar immer die richtigen Worte finden und mit ihrem Charme und ihrer Leichtigkeit alle für sich gewinnen. Und sofort spukt die Frage in deinem Kopf herum: „Sollte ich nicht auch so sein? Extrovertierter, offener, geselliger?“ – Aber ist das tatsächlich der einzige Weg zu guten Beziehungen und Erfolg im Leben? In diesem Artikel lernst du: Ob es überhaupt möglich ist, dass Menschen extrovertierter werden; wenn ja, wie du extrovertierter werden kannst; praktische Tipps, wie du dich in sozialen Situationen selbstbewusster fühlst.
Timon, wie er mit seiner Mutter eine Kartoffelsuppe zubereitet. Er ist ganz bei sich und in seinem Element.

Kennst du das: Du stehst inmitten einer lebhaften Gruppe Menschen und bewunderst, wie sie scheinbar immer die richtigen Worte finden und mit ihrem Charme und ihrer Leichtigkeit alle für sich gewinnen. Und sofort spukt die Frage in deinem Kopf herum: „Sollte ich nicht auch so sein? Extrovertierter, offener, geselliger?“ – Aber ist das tatsächlich der einzige Weg zu guten Beziehungen und Erfolg im Leben? In diesem Artikel lernst du: Ob es überhaupt möglich ist, dass Menschen extrovertierter werden; wenn ja, wie du extrovertierter werden kannst; praktische Tipps, wie du dich in sozialen Situationen selbstbewusster fühlst.
Derselbe Junge auf einem Sommerfest. Der Traum vieler Kinder! Aber nicht für Timon. Er wirkt verloren, als würde er am liebsten sofort wegrennen.

Timon erinnert sich noch heute – 40 Jahre später – sehr klar daran, wie es ihm damals ging. Er fühlte sich überwältigt und unwohl von zu viel Trubel um ihn herum. Und das ist heute noch genauso wie damals.

⚠️ Wenn du dir diese Fotos ansiehst, fragst du dich vielleicht: Ist das jetzt der endgültige Beweis dafür, dass ich keine Chance habe, extrovertierter zu werden? – Nein! Lies weiter und ich erkläre dir, warum.

Extrovertierter werden: Geht das überhaupt?

Viele von uns sind mit dem Konzept der Introvertierten und Extrovertierten vertraut: Diese Theorie besagt, dass extrovertierte Personen in einer Umgebung mit vielen Menschen sozial auftanken, während du als introvertierter Mensch in sozialen Situationen viel Energie verbrauchst und deine Batterien gern beim Alleinsein auflädst.

💡 Introvertierte verarbeiten Informationen anders als Extrovertierte. Und es bedeutet nicht, dass du asozial, schüchtern, ängstlich oder unnahbar bist!

Dass du dir manchmal wünschst, extrovertierter zu sein, ist aber ganz normal. Ich habe mich auch schon oft darüber geärgert, dass ich mich nach einer Feier so erschöpft fühle, obwohl es eigentlich schön war.

Die Grenzen zwischen diesen beiden Kategorien sind häufig sogar fließend: Selbst eingefleischte Introvertierte können sich je nach Situation auch extrovertiert verhalten.

👉 Falls du dich also fragst: „Kann man extrovertierter werden?“ – Wissenschaftliche Studien sagen dazu: Ja. Bis zu einem gewissen Grad ist das tatsächlich möglich!

In der Per­sön­lich­keits­for­schung sind sogenannte „Traits“ bekannt. Darunter versteht man keinen feststehenden Wesenszug, sondern eine Disposition im Sinne einer Verhaltensbereitschaft: So kann sich eine extrovertierte Person zum Beispiel in bestimmten Lebenssituationen gesellig, impulsiv und lebhaft verhalten, in anderen Situationen zeigt sich diese Disposition jedoch nicht. Das hängt also stark von den jeweiligen äußeren und inneren Bedingungen ab.

⚠️ Aber Achtung: Ein kompletter Kategorienwechsel von Introversion zu Extraversion ist jedoch nahezu unmöglich. Besonders, je du älter wirst.

Behalte im Sinn: Es gibt keine wundersamen 180-Grad-Transformationen. Wer introvertiert zur Welt kam, ist es auch später im Leben noch. Egal, ob als Oscar-Preisträger:in oder CEO.

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Extrovertierter werden: das solltest du beachten

Warum versuchen wir eigentlich so oft, jemand zu sein, der wir nicht sind?

👉 Im Fall von introvertierten Menschen ist diese Frage schnell beantwortet: Unsere Gesellschaft feiert und belohnt extrovertierte Verhaltensweisen. Extrovertierte Menschen werden oft als selbstbewusster, geselliger und erfolgreicher angesehen. Und weil jeder Mensch akzeptiert werden möchte und dazugehören will, ist der Druck, sich extrovertiert zu verhalten, sehr groß.

Kein Wunder, dass sich deshalb viele Introvertierte wünschen, sie wären geselliger. In einer Studie¹ wurden Personen befragt, was sie gern an sich verändern würden. Die meisten antworteten, dass sie gern extrovertierter, gewissenhafter oder emotional stabiler sein wollten. Sie wollten sich insgesamt selbstsicherer fühlen.

Bevor du dich daran machst, extrovertiertere Verhaltensweisen einzuüben, solltest du gründlich über diese Punkte nachdenken:

#1 Deine Intention muss klar sein.

Frage dich: „Was ist mein Antrieb: Möchte ich mich situativ einfach wohler fühlen? Zum Beispiel wenn ich in meinem Job vor einer größeren Gruppe spreche?“

Da können extrovertierte Verhaltensweisen stellenweise natürlich sehr hilfreich sein. Als systemischer Business Coach muss ich beispielsweise ziemlich fit im Smalltalk sein: Menschen sollen sich sofort willkommen und sicher fühlen und ich möchte, dass sie mein echtes Interesse an ihnen spüren können. Da ich sehr introvertiert bin, fiel mir das anfangs schwer. Doch meine introvertierten Fähigkeiten wie gutes Zuhören und Zurückhaltung erleichtern den Smalltalk enorm.

Gerade in Situationen, in denen es darauf ankommt, Menschen Raum für ihre Denkprozesse zu geben, ist Zurückhaltung Gold wert! Ein zu frühes Unterbrechen, beispielsweise weil man einen eigenen Gedanken äußern oder eine Frage stellen möchte, ist in Gesprächen kontraproduktiv. – Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass man selbst nicht viel reden muss, um offen, sympathisch und authentisch zu wirken!

#2 Mach dir bewusst, was es dich die Anpassung kostet.

Frage dich: „Wie wohl fühle ich mich dabei, wenn ich mich anpasse?“

Für mich ist es für ein paar Stunden in Ordnung, mich anzupassen und meine extrovertierten Seiten zu zeigen. Solange ich auf einer Veranstaltung bin, kann ich die Gemeinschaft genießen und mache schöne Erfahrungen, selbst wenn ich etwas Auftauzeit brauche. Wenn ich wieder zuhause bin, bin ich sehr erschöpft, doch ich kann mich dann erholen und auftanken. Das ist mir der Stress wert.

Bei dir kann das ganz anders sein: Wenn du große Veranstaltungen nicht genießen kannst, wozu also solltest du zwanghaft versuchen, dich anzupassen?

#3 Ohne Selbstakzeptanz kommst du nicht weiter.

Viele Menschen sind unzufrieden mit ihrer Persönlichkeit und wünschen sich, jemand anderes zu sein. Das führt zu einem Tunnelblick, der sie immer unglücklicher macht: Statt darauf zu schauen, was sie ausmacht, was sie gut können und wie auf ihre eigene Weise zu anderen eine Verbindung aufbauen können, demontieren sie sich selbst.

Du solltest nicht in erster Linie deine Persönlichkeit verändern, sondern deine Einstellung zu dir selbst. Du kannst offener werden und üben, mit bestimmten Situationen leichter zurecht zukommen, aber es kostet dich auch etwas. Denn es bedeutet: Du musst deine Komfortzone verlassen. Du musst riskieren, komische Dinge zu sagen oder anzuecken. Das erfordert eine Menge Mut: Mut zu Fehlern und Mut zur Verletzlichkeit.

Fazit

Du kannst deine eigenen Unsicherheiten abbauen, neugieriger auf die Welt zugehen und mehr Geschick in sozialen Situationen aufbauen. Das ist großartig und fördert dein Selbstvertrauen ungemein! 🎉

Du kannst an einen Punkt gelangen, an dem sich extrovertierte Verhaltensweisen wie Smalltalk nicht mehr furchterregend, sondern normal und alltäglich anfühlen.

Die meisten von uns können üben, ihre nicht-dominante Eigenschaft für kurze Zeit oder in bestimmten Situationen zu zeigen. Die Wirkung von extrovertierten Verhaltensweisen hält aber nur für eine Weile an.

Ich kann zum Beispiel auch mit rechts schreiben, wenn ich muss – das wird allerdings niemals so gut aussehen, wie wenn ich mit links schreibe.

So verhält es sich auch mit deinem Temperament:

Du kannst extrovertierte Verhaltensweisen erlernen und dich anpassen, aber deine grundlegende Natur wird immer noch zur Introvertiertheit neigen. Du wirst Ruhephasen brauchen, um dich nach einer extrovertierten Phase zu erholen.

Studien zeigen außerdem, dass Persönlichkeitsmerkmale nach dem 30. Lebensjahr relativ stabil sind. Das bedeutet: Selbst wenn du dein Verhalten veränderst, wirst du wahrscheinlich wieder in dein ursprüngliches Verhalten zurückfallen, wenn du müde oder gestresst bist. Das ist ganz normal. Auch, wenn du ein introvertierter Mensch bist, der gelernt hat, sich in extrovertierten Situationen wohlzufühlen, wirst du irgendwann nach Hause gehen müssen, um dich zu erholen. Vorzugsweise bei geschlossener Tür und einer schönen Tasse Tee. Klingt gut, oder?

⚠️  Wenn du also das nächste Mal denkst, dass du extrovertierter sein solltest, denk an die Fotos von Timon. Denk an das Glück in Timons Gesicht, als er in der Küche stand und an das Unwohlsein auf dem Sommerfest.

Vielleicht hast du ja jetzt selbst Lust, in alten Fotoalben zu wühlen und dich daran zu erinnern, wie du als Kind warst? Du bist genau richtig, so wie du bist!

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Quellen:

1: Erica Baranski, Jacob Gray, Patrick Morse, William Dunlop (2019). From desire to development? A multi-sample, idiographic examination of volitional personality change. https://doi.org/10.1016/j.jrp.2019.103910

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