Es ist mir gerade ein Bedürfnis über die öffentliche Wahrnehmung von Blogs und Social Media zu reden. Wo, wenn nicht hier?

Ich bin müde geworden. Müde, bei Facebook und Instagram durch den Wust an Informationen zu scrollen, die mich eh nicht interessieren. Müde, mir eine Scheinwelt anzusehen, in der es angeblich Alltag ist, dass 20-jährige Mädels mit Chanel Flap Bag am Arm flanieren und jede Woche auf einer anderen Insel urlauben. Und müde, mir die unfassbare Banalität vor Augen zu führen, die heutzutage Content genannt wird.

Bin ich einfach alt geworden? Bin ich herausgewachsen aus diesem Schuh, mit dem ich als Gen Y und Digital Native eigentlich groß geworden bin? Na klar, knallhart den eigenen Feed ausdünnen, lautet die Antwort. „Wirf raus, was dich nicht weiterbringt“, sagen die Achtsamkeits-Coaches und Minimalisten (von denen manche mich nun auch wieder nerven, weil sie eine Religion aus ihrem Lifestyle machen) zu Recht. Trotzdem saugt mir der bloße Gedanke an den Social Media Kosmos sämtliche Energie ab, weil er scheinbar widerspiegelt, wie hohl und unreflektiert unsere Gesellschaft wohl sein muss.

An manchen Tagen möchte ich nur noch schreien, wenn ich Facebook oder Instagram öffne. An guten Tagen habe ich aus meinen „Fehlern“ gelernt und ignoriere die Apps einfach. Die kommen dummerweise selten vor, denn irgendwie ist man ja doch ein wenig abhängig.

Und Achtung: Viele folgern daraus, dass Blogs mit hochwertigen Artikeln jetzt out seien, weil Social Media so präsent und allgegenwärtig ist.

Ist das so? Ich breche heute mal eine Lanze für den guten, alten Blog.

Das Image von Blogs

Erst wurden Blogs nur belächelt. Kein ernstzunehmender Journalismus, sagten sie.

Wie bitte? Blogs hatten nie vor, Journalismus zu betreiben. Aber wenn wir schon bei diesem Vorwurf sind: Mir fallen gerade 2 Fälle großer deutscher Redaktionen ein, die in letzter Zeit schamlos schlecht recherchierte Artikel mit Falschinformationen veröffentlichten – und es in ihrer Arroganz nicht einmal schafften, eine Richtigstellung nachzuschieben. Fehler passieren, aber Hunderttausende Leser ohne Korrektur mit Falschaussagen zu bombardieren – das ist verantwortungslos.

Nun gut, und diese Arbeitsweise darf sich Journalismus nennen. Es gibt Nachrichtenseiten und andere Portale, deren Inhalte ich nicht mehr lese, weil sich solche Ereignisse häufen. Hinzu kommt, dass Nachrichtenportale gern von “Berichterstattung” sprechen, obwohl es sich in Wahrheit um einen sogenannten Kommentar mit der subjektiven Ansicht eines einzelnen Journalisten handelt. Und die Leute, die es lesen? Die glauben, Ihnen seien Fakten präsentiert worden. Dies ist nicht die Regel, aber ich möchte trotzdem dazu ermuntern, sehr aufmerksam zu sein, wenn es um die Darstellung von Fakten geht.

A wie „Authentizität“ oder „Autsch!“

Überall nur noch banaler Content? – Warum Blogs nicht aussterben werden #Bloggen #Social #Media #Content #Marketing

All dies muss einen Blogger überhaupt nicht kratzen, denn normalerweise sind Blogs Quellen, die aus eigener Sicht des Autoren über das Zeitgeschehen berichten und oft eine interessante Introspektive bieten. Oder deren Autoren absolute Pros auf ihrem Gebiet sind und echtes Wissen bieten, sei es über Food, typgerechte Kleidung, Selbstorganisation, Fotografie und so weiter. Authentisch also. Eigentlich.

Und damit kommen wir auch gleich zum ersten Aufschrei: Ja klar, Authentizität ist dank der eingangs erwähnten Problematik mittlerweile wie die Nadel im Heuhaufen zu suchen. Besonders einige der großen Accounts, die aufgrund ihrer Reichweite eigentlich Vorbildfunktion hätten, treiben es bis zur Lächerlichkeit („Perlen des Influencer-Marketings“ kann ich an dieser Stelle empfehlen), sodass ich manchmal nicht sicher bin, ob ich lachen oder weinen soll. Insbesondere Instagram ist vor lauter #sponsored Postings kaum noch wieder zu erkennen.

Bis zu einem gewissen Grad finde ich diese Kommerzialisierung in Ordnung bis gut. Jeder kann auf diese Weise ein Business am Laufen halten und ich als Introvertierte feiere jede Möglichkeit, entspannt von der Wohnzimmer-Couch aus mein Geld zu verdienen. Ich mag Instagram und lasse mich dort von Leuten inspirieren. Und ich habe schon eine Menge interessante Kontakte knüpfen können. Genau das ist der Sinn.

Was ist guter Content?

Aber diese Tatsache veranlasst mich aber auch zu der Überlegung, dass Blogs eben nicht aussterben werden! Wenn ich auf der Suche nach Information bin, die ein Problem für mich löst, möchte ich auch mal einen längeren Artikel lesen. Und genau da stößt Social Media an seine Grenzen.

Soziale Medien sind schnelllebig. Am nächsten Tag ist so gut wie jeder Content vergessen. Das ist der Sinn von sozialen Netzwerken. Du kannst Menschen einzelne, interessante Häppchen zuwerfen und das ist toll. Alles hat seinen Platz und seine Daseinsberechtigung. Aber soziale Netzwerke sind aus Content-Sicht auch wie Fast Food. Schnell konsumiert, aber nicht nachhaltig.

Wer eine nachhaltige Botschaft hat, die über das Präsentieren von Lifestyle-Produkten hinausgeht, ist mit einer herkömmlichen Website immer noch gut beraten. Es gibt in Deutschland viele gute Blogs, deren Artikel ich in 3 Jahren mit Sicherheit immer noch lesen werde: die perfekt auf einen hektischen Alltag zugeschnittenen Rezeptideen von Mia, die Fotografie-Tipps und Insights zur Selbstständigkeit von Nadine, die Motivationen für Freelancer-Frauen von Carina, Denkanstöße zum Thema Nachhaltigkeit von Jenni – und viele mehr (Blogroll zu meinen Favoriten ist in the making).

Und auf Vanilla Mind schreibe ich ebenfalls über Themen, die nicht alt werden. Ich bekomme immer noch Kommentare und Dankes-Mails zu Artikeln, die 3 Jahre alt sind. Mag sein, dass sich das Medium wandelt. Wer nicht gern liest, schaut vielleicht eher Videos oder hört Podcasts. In einem meiner letzten Artikel habe ich testhalber auch eine Audio-Aufnahme des Inhalts veröffentlicht, was sehr gut von den Leser/Innen angenommen wurde. Ich halte es aber für einen Fakt, dass es immer Bedarf nach ausführlichen Inhalten geben wird. Es muss und wird immer Nischen geben.

Wie mache ich weiter?

So wie in den letzten 3 Jahren auch. Ich betreibe Vanilla Mind nicht, weil ich ein großes Bedürfnis danach hätte, mich selbst zu produzieren. Sondern weil ich weiß, dass ich mit meiner Erfahrung etwas geben kann. Ich habe viel von anderen Menschen gelernt. Und das gebe ich nun wiederum hier an andere weiter, während ich natürlich selbst auch immer weiter lerne und Fortschritte mache. Mitunter muss ich mich auch korrigieren.

Meine romantische Vorstellung ist diese: So wie in Familien Generation um Generation Lebenserfahrung weitergegeben wird – so will ich über meine Eindrücke und Erkenntnisse sprechen. Nicht jeder hat das Glück, in seinem näheren Umfeld Gleichgesinnte zu kennen oder zu wissen, wie man seine Gefühle richtig einordnet. Aber das Internet macht’s möglich, von anderen zu lernen. Und solange ich spüre, dass andere dies schätzen, mache ich weiter.

Zugegeben, an manchen Tagen ärgere ich mich ein wenig, dass von 3000 Newsletter-Lesern nur 3 Danke sagen. Oder einen Kommentar schreiben. Aber das sind kurze Phasen. Ich tröste mich mit der Hoffnung, dass sie a) vermutlich so schüchtern sind wie ich oder b) sich eben still freuen und meine Arbeit dennoch schätzen. Es ist ja auch normal und verständlich, nicht ständig überall zu kommentieren. Tue ich auch nicht. Die Feedback-Kultur ist aber wichtig für jeden – nicht nur Blogger – und ich übe mich auch weiter fleißig daran. Alles in allem bin ich aber ein happy Girl, denn ihr Leserinnen und Leser haut mich regelmäßig um mit euren ehrlichen und spannenden Einblicken, aus denen viel Erfahrung und Lebensweisheit spricht!

Wenn ich abschließend um etwas bitten darf: Teile diesen Artikel! Ich will, dass Nachhaltigkeit und Lebenserfahrung wieder mehr Respekt zuteil wird und unsere Blogger stolz auf ihre Arbeit sein können, in einer schnelllebigen Welt, die nur noch Content konsumiert, der kaum 24 Stunden überdauert.

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Was macht für dich wertvolle Inhalte aus? Welche Blogs liest du gern und warum?

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