Alle schreiben ihre Jahresrückblicke – ich schreibe einfach mal einen für die letzten 30 Jahre. Zunächst muss ich die Artikel-Headline korrigieren: Natürlich wird jeder nur einmal 30, also sind wir alle Anfänger. Klingt aber so schön.

Ich rede bereits seit 6 Monaten davon 30 zu sein, wahr wurde es aber erst vor kurzem. Vermutlich habe ich mich schon einmal mental darauf einstellen müssen, dass die 30 möglicherweise heißt: “Die Party ist vorbei – let’s get serious!” (Kleine Anmerkung der Redaktion: büdde, keine Gratulationen. Geburtstage sind für mich normalerweise ein Tag wie jeder andere in meinem Leben.)

Als kleinen spontanen Test kannst du dir die heutige Folge auch anhören. 😀

30 – und nun geht’s bergab?

Während mir Jahreszahlen und Alter normalerweise herzlich egal sind, trieb mich die 30 doch ein wenig um. Und gar nicht einmal wegen meines Aussehens oder der Angst vor dem Alter. Da meine ganze Familie aussieht wie in den Jungbrunnen gefallen, habe ich da wenig auszustehen und könnte auch glatt behaupten 25 geworden zu sein. Wenn ich mir Zöpfe flechte und mal etwas anderes als Schwarz trage, ist auch ‘ne 20 drin.

Der Grund für meine Gefühlsabgründe war ein anderer: 30 klingt so endgültig. Ich fühlte mich das ganze letzte Jahr über, als wenn ich ein Plädoyer für einen Prozess vorbereiten müsse und mich für meine bisherigen Lebenstaten vor Gericht verantworte:

“Du musst jetzt allen beweisen, wie klug und erwachsen du bist, Melina!”

Die 30 macht mir keine Angst (mehr). Statt Tipps für gute Antifaltencremes weiterzugeben, teile ich meine 3 wichtigsten Life Lessons mit dir. #LifeLessons #Achtsamkeit #Selbstvertrauen #PersönlichkeitLange Zeit habe ich die 30 als Sinnbild fürs Ankommen gehalten – Karriere, Haus, Auto, 2 süße Kinder, Hund. Hast du alles nicht? Ey, dann ab unter die Bettdecke mit dir! Braucht man alles mit 30. Superwichtig. Denn nur dann bist du ein ganzer Mensch und hast der Welt bewiesen, dass du’s draufhast. Es lief ja eigentlich auch so gut bei mir: Ich wollte ursprünglich mal (als ich 15 war) mit 27 heiraten. Hab ich dann sogar schon mit 21 geschafft – Applaus! So etwas wie meine Memoiren gibt es tatsächlich auch schon, zumindest die für die letzten Jahre Selbstfindung: “Verstecken gilt nicht”.

Ja, und sonst so? Kein Haus, keine Kinder, kein Hund. Mit dem Autofahren tue ich mich sehr schwer und ich besitze auch keinen begehbaren Kleiderschrank. Nichtmal eine Katze habe ich, weil mein Mann allergisch ist. Nur ein paar Silberfischchen, die ich hier garantiert nicht freiwillig reingelassen habe. Was ist denn da in deinem Leben schief gelaufen, liebe Melina?

Danke Vogue – aber ich mache mir meine Ideale selbst

Irony off. Ich bin nicht hier, um gesellschaftliche Klischees zu bedienen. Nichts ist schief gelaufen. Gar N-I-C-H-T-S. Alle diese Erwartungen, Ansprüche und Gedanken sind nämlich gar nicht meine. Sie gehören mir nicht, sie sind nur Projektionen unserer Gesellschaft, die nichts besseres zu tun hat, als in Schubladen und Idealen zu denken.

Schonmal durch einschlägige Frauenmagazine geblättert?

  • “Ich bin jetzt 28 und will mit 30 Jahren immer noch toll und fit aussehen“
  • “Warum wir jetzt alle Augenöl brauchen”
  • “10 Dinge, die eine Frau mit 30 besitzen muss”

Soweit meine 2-Minuten Recherche. Danke, liebe Vogue – aber ohne mich! Ich sage nichts gegen Augenöl oder wöchentliche Besuche im Kosmetik-Studio. Das ist nur einfach nicht die Welt, von der ich mein Denken beherrschen lasse. In keiner Phase meines Lebens. Auch wenn es so leicht daher gesagt ist, aber: Ich erinnere mich immer wieder selbst daran, dass ich in erster Linie mit mir selbst einverstanden sein muss. Und nicht andere. Und Augenöl ändert sicher nicht viel an meinem Selbstwertgefühl. Zumindest nicht, seit ich das letzte Mal in den Spiegel gesehen habe. 😉

Es kommt darauf an, welcher Mensch du geworden bist. Egal ob 25, 30 oder 55.

  • Kannst du deinen Emotionen in angemessener Form Ausdruck verleihen oder rastest du schnell aus?
  • Hast du herausgefunden, was dich antreibt und unterstützt du auch andere in ihren Zielen?
  • Freust du dich mit anderen oder bist du von Neid zerfressen, wenn es ihnen besser geht als dir?

Was ich in den letzten 30 Jahren gelernt habe

Diese Fragen sollten wir uns bitte häufiger stellen als: “Sehe ich in diesem Kleid dick aus?”

So, das musste alles mal raus. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf teile ich drei meiner wichtigsten Life-Lessons der letzten 30 Jahre mit dir. Natürlich hätte ich der schönen Zahl wegen auch 30 nehmen können, aber – seien wir mal ehrlich – bei 30 Dingen geht die Essenz doch völlig verloren. Ich beschränke mich bewusst auf diese drei. Sie wären die ersten, die ich postwendend ausspucken würde, wenn man mich nachts um 4 Uhr weckt und ich kaum denken kann.

#1 Pausen sind kein Luxusgut!

Oder anders gesagt: Sie sollten keines sein. Mir ist bewusst, dass Freizeit in unserer Gesellschaft wie etwas behandelt wird, das man sich verdienen muss. Wir müssen alle rund um die Uhr busy sein, um Anerkennung zu bekommen. Oh, stimmt gar nicht – Denkfehler! Anerkennung bekommen wir dann immer noch nicht, egal wie fleißig. Mist.

Ich habe in den letzten zwei Jahren begriffen, dass das ganz großer Mist ist. Wir sind nicht dafür gemacht, 24/7 unter Strom zu stehen. Freizeit ist ein Grundbedürfnis. Wir „funktionieren“ nicht besser, wenn wir uns keine Auszeiten nehmen. Unser Arbeitstag ist unterm Strich nicht produktiver, nur weil wir 12 Stunden gearbeitet haben. Pausen sind für unsere geistige Gesundheit das, was Nahrung und Schlaf für unsere körperliche Gesundheit sind. Es gibt drei Dinge, bei denen ich keine Kompromisse mache:

  1. Meine 8 Stunden Schlaf (besser noch mehr).
  2. Meine Tasse Tee am Morgen.
  3. 30 Minuten Bewegung oder etwas anderes, das mir Spaß bringt.

Ist einfach nicht verhandelbar. Wir alle haben 24 Stunden jeden Tag zur Verfügung. Also schaff‘ dir deine eigenen Inseln. Und wenn es nicht 30 Minuten sind, dann versuch‘ es doch mal mit 15 Minuten und finde heraus, was dir wirklich Freude macht. Lies ein Buch, stricke einen Schal oder nimm ein heißes Bad. Manchmal ist es nicht viel, was unser Körper benötigt, um neue Kräfte zu sammeln. Aber nichts ist einfach zu wenig! Und zum Thema Schlaf möchte ich an dieser Stelle noch anmerken: Schlafmangel zerstört Gehirnzellen. Unser Lebensstil macht uns krank und es gibt absolut keine Entschuldigung für diese Selbstausbeutung. Menschen, die Grundbedürfnisse ignorieren und Auszeiten mit Faulheit gleichsetzen, darfst du keine Aufmerksamkeit schenken. Ignorier sie. Jeder hat unterschiedliche Bedürfnisse.

#2 Du kannst deine Gefühle nicht immer über dich bestimmen lassen.

Bauchgefühl gut und schön. Ich lerne auch immer noch, es immer mehr zu Wort kommen zu lassen. Aber: Bauchgefühl ist etwas ganz anderes als die innere Kritikerin oder auch die Angst.

Lass deine Ängste nicht über dich bestimmen! #zitate #michelle #obama #mut #angst #introvertiert #schüchtern #selbstvertrauen #selbstbewusstseinÄngste sind okay. Sie sind normal und sogar wichtig, weil sie uns vor Gefahren beschützen. Die Frage lautet also nicht ‚wie werde ich alle meine Ängste los?‘, sondern ‚wie schaffe ich es, meine Ängste richtig einzuordnen, so dass ich nicht von ihnen kontrolliert werde?‘ Diese Unterscheidung hat mir sehr dabei geholfen mich selbst zu anzunehmen. Ich bin gut so, wie ich bin. Ich muss nur lernen meine Gefühle zu deuten und zu entscheiden, wann meine Ängste übertrieben sind.

Destruktives, extrem selbstkritisches Verhalten sollte man niemals mit dem eigenen Bauchgefühl verwechseln. Mir hilft oft die Frage: “Was würde ich tun, wenn ich keine Angst hätte?” Das kleine, leise Stimmchen, das dann mit Abenteuerlust und Neugier antwortet, ist mein Bauchgefühl. Pinne dir am besten gleich mal das Zitat von Michelle Obama auf dein Pinterest-Board, damit du immer wieder wachgerüttelt wirst!

#3 Verbring so viel Zeit wie nur möglich mit den wichtigsten Menschen in deinem Leben.

Bei all dem Streben nach einer eigenen Identität und Achtsamkeit (was ja sehr richtig und wichtig ist) ist mir eines besonders bewusst geworden: Wir sind keine Planeten, die um sich selber kreisen. Wenn man jung ist, ist man so viel mit sich selbst beschäftigt. Natürlich, wir alle wollen unseren Platz finden und das finde ich persönlich ganz schön schwer. Über diesen Teilaspekt schreibe ich immerhin eine Menge Artikel. Aber das ist für mich niemals das Ganze.

Bei all diesem persönlichen „Selbstfindungs-Hustle“ ist eines noch wichtiger und das geht in diesem Trend leider gerade oft unter: Am wichtigsten sind immer noch deine Beziehungen zu anderen Menschen. Wir sind keine Inseln. Wir sind hier, um uns gegenseitig Halt zu geben und da zu sein, wenn wir gebraucht werden. Ohne Panik verbreiten zu wollen, aber: Du hast keinen Einfluss auf manche Dinge im Leben. Manches wird dich völlig unvorbereitet treffen. Nutz‘ jede freie Minute, um für die wichtigsten Menschen in deinem Leben da zu sein. Zeige Wertschätzung für sie und nimm nie an, dass sie ganz selbstverständlich immer da sind.

Übrigens: Wenn ich über meinen Weg zu mehr Selbstvertrauen rede, dann vor allem aus diesem Grund. Ich will mein eigenes Leben auf die Reihe bekommen, damit ich den Kopf frei für das Wichtigste habe: Meine Familie. ‚Kenne dein Warum!‘, kann ich dazu nur sagen. Ich stehe voll und ganz hinter dem Gedanken der Selbstoptimierung, aber immer mit dem Ziel wertvoll für meine Familie zu sein.


So, das waren meine drei. Welche Life Lessons würdest du gern mit der Vanilla Mind Community teilen?

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