Du bist diejenige im Team, auf die man sich verlassen kann. Wenn es brennt, übernimmst du. Du hast nicht nur die Deadline eingehalten, sondern das Projekt auch noch optimiert, die Kundenbeziehung geglättet und proaktiv eine Lösung für ein Problem gefunden, das deine Führungskraft noch gar nicht auf dem Schirm hatte. Und dann? Stille. Kein Danke, keine Anerkennung, nichts.

Na, kommt dir das vielleicht bekannt vor? 

Wenn du das liest und eine Mischung aus Frust und Enttäuschung spürst, dann willkommen in der Realität vieler High Performer:innen. Das Phänomen „Nicht gemeckert, ist genug gelobt“ ist in vielen Führungsetagen noch immer Standard. Man fühlt sich wie in einer „emotionalen Wüste“. Man hängt sich total rein, rettet Projekte, macht Überstunden – und als Reaktion kommt: Nichts. Oder schlimmer, es wird nur kommentiert, wenn ein Fehler passiert.

Für dich ist das mehr als nur „schade“. Als jemand mit einer feinsinnigen Wahrnehmung und hohem Leistungsanspruch ist diese Haltung Gift für deinen Antrieb. Du brauchst kein Händchenhalten – du brauchst Resonanz, um zu wachsen. 🌱

Das erfährst du in diesem Artikel: 

😌 Warum Anerkennung ein Grundbedürfnis und keine Eitelkeit ist
💡 Was die 5 Sprachen der Wertschätzung sind und wie du sie nutzt
🛡️ Wie du deinen Selbstwert und deine Karriere schützen kannst

Warum „Nimm es dir nicht so zu Herzen“ Unsinn ist

Vielleicht hast du schon mal versucht, mit Freund:innen darüber zu reden und dabei Sätze gehört wie:

💬 „Du bist doch Profi, du brauchst doch kein Sternchen im Heft.“

💬 „Da stehst du doch drüber!“

💬 „Leg dir ein dickeres Fell zu.“

Das ist nett gemeint. Doch diese Ratschläge ignorieren, wie ambitionierte und feinsinnige Menschen funktionieren. Du arbeitest nicht „Dienst nach Vorschrift“. Du identifizierst dich mit deiner Qualität. Wahrscheinlich erkennst du dich in den folgenden Aspekten selbst wieder:

1️⃣ Der Wunsch nach Wachstum: Du willst nicht stehenbleiben. Du willst besser werden. Ohne qualifiziertes und konstruktives Feedback („Was war gut? Woran kann ich weiterarbeiten?“) fischst du im Trüben. Fehlende Wertschätzung fühlt sich für dich an wie Stillstand.

2️⃣ Feinsinnigkeit als Stärke: Du hast ein feines Gespür für Stimmungen, Bedürfnisse und Teamdynamik, vielleicht beschreibst du dich selbst als hochsensibel. Das ist deine Superkraft im Job. Aber diese hohe Sensibilität bedeutet auch, dass du Dissonanzen (z.B. ein genervtes Schweigen) viel stärker wahrnimmst als andere. Du spürst, dass etwas nicht stimmt, lange bevor es ausgesprochen wird.

3️⃣ Ein starker Fairness-Kompass: Du investierst überdurchschnittlich viel (Zeit, Gedanken, Herzblut). Wenn vom Unternehmen emotional nichts zurückkommt, verletzt das dein tiefes Gerechtigkeitsempfinden. Die soziale Reziprozität (das Geben und Nehmen) ist aus dem Gleichgewicht.

Die Gefahr: Ausbrennen durch „Over-Delivering“

Wenn du online nach „Kündigung wegen mangelnder Wertschätzung“ suchst, findest du oft Geschichten von Menschen, die innerlich gekündigt und daher im Job resigniert haben. Bei High Performer:innen wie dir passiert allerdings oft das Gegenteil:

🔥 Die Überkompensations-Falle: „Vielleicht habe ich noch nicht genug geleistet?“ Du versuchst, die fehlende Anerkennung durch noch perfektere Ergebnisse zu erzwingen.

🔥 Zweifel an der Passung: Statt zu denken „Mein Vorgesetzter hat Defizite“, fragst du dich: „Bin ich hier am falschen Platz? Wird mein Potenzial überhaupt gesehen?“

🔥 Chronische Erschöpfung: Nicht durch die Arbeit selbst, sondern durch den ständigen Kampf um Sichtbarkeit. Burnout bei Leistungsträger:innen entsteht oft nicht durch zu viel Arbeit, sondern durch sinnlose Arbeit ohne Resonanz.

Die 5 Sprachen der Wertschätzung im Job

Bevor du frustriert aufgibst, lohnt sich ein strategischer Blick. Oft ist es keine Böswilligkeit, sondern ein Mangel Führungskompetenz oder ein Übersetzungsfehler.

Der Autor dieses Buches, Gary Chapman, hat das Konzept der „5 Sprachen der Liebe“ auf den Arbeitsplatz übertragen (The 5 Languages of Appreciation in the Workplace). Während eine Führungskraft vielleicht denkt, sie fördert dich, kommt es bei dir aber nicht als Wertschätzung an. 

Kennst du die 5 Sprachen der Wertschätzung im Job?

Lass uns diese 5 Sprachen genauer untersuchen:

1. Lob & Anerkennung (Words of Affirmation) 💬

Für Menschen, die diese Sprache sprechen, hat verbales Feedback eine enorme Kraft. Sie müssen hören (oder lesen), dass ihre Arbeit wertgeschätzt wird und wünschen sich detailliertes Feedback, um wachsen zu können. Schweigen wird jedoch oft als Ablehnung interpretiert.

Beispiele:

  1. Konstruktives und detailliertes Feedback statt einem einfachen “gut gemacht”
  2. Ein ehrliches „Danke für deinen Einsatz heute“

2. Ungeteilte Aufmerksamkeit (Quality Time) ⏰

Hier geht es um Präsenz und Mentoring. Wertschätzung bedeutet für diese Personen: „Du bist mir so wichtig, dass ich mir Zeit für dich nehme.“ Multitasking, z.B. Emails checken während des Gesprächs wird hier oft als unhöflich empfunden.

Beispiele:

  1. Mentoring
  2. Sparring auf Augenhöhe
  3. Gemeinsame Zeit als Team, ohne dass es immer um die Arbeit geht

3. Hilfsbereitschaft (Acts of Service) 🤝

„Taten sagen mehr als Worte.“ Menschen dieses Typs empfinden hohle Phrasen als Zeitverschwendung und achten viel auf Team Support. Sie fühlen sich wahrgenommen, wenn jemand konkret mit anpackt.

Beispiele:

  1. Jemandem den Rücken freihalten
  2. Hindernisse aus dem Weg räumen
  3. Unterstützung organisieren

4. Geschenke & Ressourcen (Tangible Gifts) 🎁

Es geht hier keinesfalls um Bestechung oder teure Prämien, sondern um Investitionen in deinen Wert.

Beispiele:

  1. Neue Projekte anvertrauen
  2. Weiterbildungen ermöglichen
  3. In die Zukunft investieren

5. Körpersprache & Gesten (Physical Touch/Presence) ☺️

Im Arbeitskontext ist diese die heikelste Sprache, aber es gibt sie. Hier geht es um nonverbale Bestätigung und das Gefühl von Zugehörigkeit („Wir sitzen in einem Boot“).

Beispiele:

  1. Ein Händedruck oder High Five
  2. Anerkennendes Zunicken und Lächeln, wenn du sprichst

⚡️ Mach dich nicht zum Opfer deiner Umstände! Ich weiß, das ist leichter gesagt als getan. Aber du kannst Wege finden, Einfluss zu nehmen und zu mitzugestalten. Wenn von oben wenig kommt, brauchst du einen Strategiewechsel:

Strategie 1: Werde zur Analystin (Reframing)

Schau dir dein Umfeld nüchtern an:
Wie seid ihr im Team und in der Führung aufgestellt?
Gibt es emotionale Limitierungen, weshalb es an Anerkennung fehlt?
Oder sprecht ihr sehr unterschiedliche Sprachen der Wertschätzung?

Persönliches Beispiel: Ich hatte in der Schule mal einen Lehrer, der mich im Englisch-Leistungskurs immer zum Vorlesen vor dem gesamten Kurs aufgefordert hat. Als schüchterne Person war das immer die Hölle für mich und ich dachte, er macht das, um mich mit Gewalt aus meinem Schneckenhaus zu locken. Irgendwann wurde mir das zu viel und ich habe ihn darauf angesprochen. Stell sich doch glatt heraus, er hat mich für die beste Leserin gehalten und in seiner Welt war die Aufforderung zum Vorlesen der größte Vertrauensbeweis. 

👉🏼 Fazit: Versuche herauszufinden, welche Sprache der Wertschätzung die andere Person spricht. Es lohnt sich sehr, einen neuen Blickwinkel einzunehmen, um Missverständnisse aufzulösen und sich selbst den Druck zu nehmen.

Strategie 2: Managing Up („Pull-Prinzip“)

Führung ist keine Einbahnstraße. Du kannst das, was du brauchst, professionell einfordern. Das Warten auf ein spontanes „gut gemacht“ macht passiv und abhängig. Aber du darfst den Spieß auch umdrehen! Statt auf Lob zu hoffen, kannst du es durch gezielte Fragen selbst einholen. Frage konkret: „Welchen Teil des Berichts findest du hilfreich?“ oder „Ich möchte mich weiterentwickeln. Zu diesem Projekt würde mir eine Einschätzung helfen: Was war strategisch stark und wo siehst du noch Potenzial?“

Das ist keine Manipulation, sondern lenkt das Gegenüber sanft dazu, den Defizit-Modus zu verlassen und sich mit deiner Leistung zu befassen. Im Übrigen wird nicht nur deine Stimmung dadurch besser, sondern auch die deines Gegenübers.

👉🏼 Fazit: Frag nicht nach dem Keks (Lob), sondern nach Mentoring. Das positioniert dich als Profi und bringt euch beide weiter.

Strategie 3: Bau dir deine Allianz (Horizontal statt vertikal wirken)

Wenn von „oben“ wenig bis nichts kommt, schau zur Seite. Damit meine ich, wenn du merkst, dass dein Chef oder deine  Chefin nicht führen kann, hol dir den Support woanders. Du selbst kannst die wertschätzende Kommunikation im Kollegium fördern. Eine andere Idee hierfür ist außerdem Peer-Coaching: Such dir Kolleg:innen, mit denen du fachlich sparren kannst. Mach dich unabhängig vom Urteil einer einzigen Person.

👉🏼 Fazit: Sei du der Startpunkt für wertschätzende Kommunikation im Team. Oft ist es so, dass man sogar mehr Resilienz und Auftrieb aus einer starken Team-Dynamik zieht als durch ein seltenes Lob von der Führungskraft. 

Oder doch lieber kündigen? Wann es Zeit ist, weiterzuziehen

Es gibt einen Unterschied zwischen einer Führungskraft, die nicht loben kann, und einem Umfeld, das dich klein hält.

Du solltest über eine Kündigung nachdenken, wenn:

📌 Deine Entwicklung blockiert wird. Wenn du keine spannenden Aufgaben mehr bekommst.

📌 Deine Werte missachtet werden. Wenn Qualität zugunsten von Schnelligkeit oder Firmenpolitik geopfert wird.

📌 Du deine Sensibilität unterdrücken musst. Wenn du anfängst, dich abzustumpfen, nur um den Tonfall auszuhalten.

Deine Feinsinnigkeit und dein Drive sind Karriere-Turbos. Verschwende sie nicht in einem Unternehmen, das dich auspumpt und nichts zurückgibt.

Kennst du deine wahren Stärken?

Du hast wahrscheinlich keine Lust mehr, darauf zu warten, dass jemand dein Potenzial entdeckt. Du willst deinen Wert selbst glasklar und souverän kommunizieren können, nicht wahr?

Bei können wir dich im Stärken-Coaching unterstützen! Wir analysieren wir nicht deine Defizite, sondern helfen dir, deine leisen Stärken zu entfalten. Wenn du weißt, was deine Signatur-Stärken sind, verhandelst du anders, trittst anders auf und lässt dich von schlechter Führung nicht mehr ausbremsen.

👉 Hier erfährst du, wie ein Stärken-Coaching mit uns abläuft und kannst uns für ein kostenloses Kennenlerngespräch kontaktieren.


FAQ zum Thema „fehlende Wertschätzung im Job“:

Warum verletzt mich die fehlende Anerkennung so, obwohl es „nur der Job“ ist?

Anerkennung ist ein Grundbedürfnis, keine Eitelkeit. Als High Performer:in identifizierst du dich mit deiner Qualität und brauchst Resonanz, um zu wachsen. Fehlendes Geben und Nehmen verletzt dein tiefes Gerechtigkeitsempfinden.

Ignoriert mich meine Führungskraft absichtlich?

Oft ist es keine Böswilligkeit, sondern ein Mangel Führungskompetenz oder ein Übersetzungsfehler. Es lohnt sich, sich mit den 5 Sprachen der Wertschätzung kennenzulernen und sie gezielt im Job zu nutzen. Während eine Führungskraft vielleicht denkt, sie fördert dich, kommt es bei dir evtl. nicht als Wertschätzung an.  

Sollte ich kündigen, wenn ich in meiner aktuellen Stelle nicht gelobt werde?

Bevor du frustriert aufgibst, lohnt sich ein strategischer Blick. Aber es gibt einen Unterschied zwischen einer Führungskraft, die nicht gut loben kann und einem Umfeld, das dich klein hält, z.B. wenn deine Entwicklung gehemmt wird, deine Werte missachtet werden oder du deine Persönlichkeit unterdrücken musst. Dies sind Anzeichen dafür, dass du über eine Kündigung nachdenken solltest.

Wie kann ich mich vom Urteil anderer unabhängiger machen?

Werde selbst zum Startpunkt für wertschätzende Kommunikation im Team. Suche Sparring auf Augenhöhe, um Resilienz und Auftrieb aus einer starken Team-Dynamik zu ziehen und dich vom Urteil einer einzigen Person unabhängig zu machen. Für eine gesunde Selbstführung ist es auch hilfreich, sich mit deinen persönlichen Stärken auseinanderzusetzen, z.B. in einem Coaching.

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