Neues Jahr, neues Ich. – Dieser Mythos verfolgt einen jedes Jahr aufs Neue kurz vor Silvester. Täglich wird mir in den sozialen Netzwerken weiß gemacht, dass Neujahrsvorsätze mindestens genauso wichtig seien wie das tägliche Zähneputzen.

Ironisch daran ist, dass ich neulich auf eine Wahrheit gestoßen bin, die ich längst selbst vermutet habe: Studien zeigen, dass gute Vorsätze manchmal zu einer Verstärkung von schlechten Gewohnheiten führen. – Ja, richtig gelesen, es kann auch in die entgegengesetzte Richtung laufen!

Das könnte zum Beispiel so aussehen: Wer sich vornimmt, ab morgen jeden Tag Sport zu machen, setzt sich selbst so unter Druck, dass er aus Angst vor der bevorstehenden Pflicht erst recht abgeschreckt wird und die Motivation verliert. So wird aus einem guten Gedanken eine riesige Mauer. Böse, nicht wahr?

Es ist wahrscheinlich, dass du diese Abwärtsspirale selbst kennst. Vielleicht gehörst du sogar zu denen, die so genervt und frustriert sind, dass sie sich gar nichts mehr vornehmen möchten? Dann bist du damit nicht allein. Tatsächlich verhält es sich bei vielen Menschen so. Laut einer amerikanischen Studie der Opinion Corporation of Princeton (NJ), scheitern 92% aller Neujahrsvorsätze schon innerhalb von zwei Wochen. In Deutschland dürfte es ähnlich aussehen, mutmaße ich einfach mal.

Neujahrsvorsätze entspringen nicht selten dem Zwang zur Selbstoptimierung. Man sagt sich selbst den Kampf an und das hat wenig gemeinsam mit einem gesunden Ehrgeiz, sich weiterentwickeln zu wollen.

Heute teile ich ein paar Gedanken mit dir, mit denen zum Jahreswechsel leider kaum jemand um die Ecke kommt. Die folgenden Anregungen helfen dir, herauszufinden, welche Ziele sich wirklich lohnen:

Selbstfürsorge oder Selbstoptimierung?

„Ziele, die aus 
dem Gefühl heraus 
entstehen, dass 
du dich für nicht 
gut genug hältst, 
sind von vornherein 
zum Scheitern 
verurteilt.“ – Für mehr Selbstfürsorge statt Selbstoptimierung im neuen Jahr! ✨👊🏻 #selbstfürsorge #mentaltraining #achtsamkeit #selbstoptimierung #mindset #psyche #ziele #neues #jahr #vorsätzeIn einer Welt, in der ich oft das Gefühl habe, immer mehr leisten zu müssen (zum Weiterlesen: hier rechne ich mit Workaholics ab), brauche ich nicht noch mehr selbst auferlegte Zwänge. Sondern mehr Selbstakzeptanz.

Versteh mich nicht falsch: Ziele und Pläne sind super. Ich setze mich jedes Jahr hin und reflektiere, was ich erreicht habe und wo ich hinmöchte. Genau das habe ich gestern auch getan. Wichtig ist dabei, zu erkennen, aus welchem inneren Antrieb heraus man sich einen bestimmten Vorsatz vornimmt.

Ziele, die aus dem Gefühl heraus entstehen, dass ich nicht gut genug bin oder nicht mithalten kann, sind von vornherein zum Scheitern verurteilt! Denn sie entstehen aus einem Mangel. Der innere Zwang zur Selbstoptimierung oder lohnenswerte Ziele, die auch der Psyche gut tun – das sind zwei Paar Schuhe. Selbstakzeptanz lautet also mein Stichwort. Aber wie erreiche ich die?

Zum Beispiel durch gezielte Achtsamkeitsübungen (hier findest du Übungen und Berichte). In 2018 habe ich in dieser Hinsicht ein paar schöne Erfahrungen gemacht: Ich habe einen Präventionskurs von meiner Krankenkasse in Anspruch genommen und autogenes Training gelernt. Dabei war ich ziemlich aufgeregt und unsicher, ob ich es überhaupt schaffe, mit anderen Menschen im Raum abschalten zu können. Nun bin ich um die Erkenntnis reicher, dass ich mit ein wenig Training sogar durchaus dazu in der Lage bin, mich selbst zu beruhigen.

Eine weitere Hilfe ist für mich Meditation. Früher war ich diesem Thema gegenüber reserviert, weil ich es als esoterisch empfand. Mittlerweile bin ich schlauer: Das Wort Meditation bedeutet erstmal nur „Betrachtung“ oder „Einkehr“. Es gibt auch Meditationen, die ohne spirituellen Touch auskommen, sondern nur mit den Methoden aus beispielsweise MBSR/MBCT, positiver Psychologie und Atemübungen.

Die Übungen verlangsamen den Atem und sorgen nachweislich für Stressabbau. Dabei schenkt man allen Gedanken und Empfindungen Aufmerksamkeit, anstatt sie einfach zu ignorieren oder beiseite zu schieben (zum Beispiel „Ich darf nicht wütend sein!“). Neurowissenschaftler haben schon vor Jahren herausgefunden, dass unser Gehirn direkt auf solche Übungen reagiert (hier findest du die Studie dazu).

Nach innen statt nach außen schauen

Wenn ich etwas verändern will, muss ich mein Warum kennen. Schlechte Angewohnheiten oder Laster entstehen oft aus einem Gefühl des Mangels. Zu viel Geld ausgeben, zu viel Essen, rauchen, trinken, ständig am Smartphone kleben – hier versteckt sich häufig der Wunsch nach mehr Bestätigung.

Hallo neues Ich! – Oder doch nicht? Die meisten Neujahrsvorsätze scheitern schon nach zwei Wochen und sind oft das Produkt ungesunder Selbstoptimierung. Welche Ziele lohnen sich wirklich? #selbstoptimierung #achtsamkeit #ziele #neujahr #2019 #selbstakzeptanzManche Angewohnheiten können dadurch aufgelöst werden, dass man mehr Zuwendung und Bestätigung in Freundschaften, Partnerschaft und Familie erfährt. Auch eine sinnvolle Aufgabe im Job stärkt das Selbstvertrauen. Sich selbst mehr Raum zu geben und bewusst zu reflektieren, hilft dabei, mehr bei sich zu sein und lockerzulassen. Das ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Dann wirst du deine Ziele erreichen können.

Es lohnt sich, sich zum Reflektieren der eigenen Bedürfnisse folgende Fragen zu stellen:

Was fehlt mir?

Was erfüllt mich mehr als [setze eine beliebige Variable ein für die Angewohnheit, die du gern ändern würdest…]?

Manchmal dauert es eine Zeit, bis man sich selbst besser versteht und die Veränderung bemerkt. Aber Selbstreflexion ist so viel wichtiger und nachhaltiger als sich einfach bloß Vorsätze zu notieren, weil es alle so machen. Dann tappst du nämlich nicht in die Selbstoptimierungs-Falle und erreichst das, was dich wirklich weiterbringt.

Man braucht übrigens keinen Jahreswechsel, um sich Ziele zu stecken. Nimm dir nicht zu viel auf einmal vor und setze deine Ziele in kleinen Schritten in die Tat um. Lass dir Zeit dabei und arbeite nicht gegen deine eigenen Bedürfnisse an!

Kleine Erfolge immer festhalten

Und ganz wichtig: Halte jeden (Teil-) Erfolg fest! Ich nutze dafür meinen Jar of Awesome und das 6-Minuten-Tagebuch. Es ist normal Phasen zu durchlaufen, in denen du an dir zweifelst oder glaubst, dass du es nicht schaffen kannst. Wappne dich mental und stell unbedingt sicher, dass du jeden noch so kleinen Erfolg schriftlich festhältst.

Oft nimmt man die vielen kleinen Mini Steps gar nicht wahr oder tut sie als unbedeutend ab, aber das ist ein großer Fehler. Nur wenn du schwarz auf weiß sehen kannst, was sich bereits getan hat, kannst du wieder deine Ressourcen bündeln und motiviert weitermachen, wenn du gerade einen Tiefpunkt erlebst. (Zum Weiterlesen empfehle ich dir diesen Artikel: „Wie du es schaffst mit guten Gewohnheiten deine Pläne umzusetzen“.)

Hast du schon oft Enttäuschungen erlebt, wenn du dir Ziele gesetzt hast?
Wenn ja, was meinst du war der Grund dafür?


Hinweis: Dieser Artikel ist in freundlicher Zusammenarbeit mit BamBu entstanden, die mich mit interessanten Studien und klugen Einsichten rund um Gewohnheiten und Goalsetting unterstützt haben. Danke dafür! BamBu ist eine Coaching- und Meditations-App, die dir täglich dabei hilft, dich selbst zu beruhigen.

Artikel zuletzt geändert am 30. Dezember 2018.

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