Gerade noch beklagte ich mich auf Instagram darüber, dass die App immer extrovertierter werde und es immer weniger um echten Austausch geht. Als Digital Creator fühle ich mich oft wie ein Affe im Zirkus, der versucht, relevant für den Algorithmus zu bleiben. Dabei bin ich eigentlich nur in Social Media aktiv, weil mir der persönliche Austausch so wichtig ist und die Möglichkeit, Leser:innen und Kolleg:innen kennenzulernen. – Tja und heute? Steht bereits eine mögliche Lösung vor meiner Tür: die angesagteste Social-Media-App aktuell, die Clubhouse App. Mein erster Gedanke war:

„Bitte NICHT NOCH eine Social-Media-App. Ich habe schon Tiktok ausgelassen. Ich kann nicht noch mehr Reizüberflutung ab.“

Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht wenigstens mal reingeschaut hätte. Außerdem habe ich auch heute erst wieder Leser:innenfragen beantwortet, in denen es genau darum ging: 

  • Wie kann ich mich trotz Lockdown mit anderen austauschen? 
  • Wie kann ich als ruhige Person netzwerken, wenn mir die gängigen Methoden nicht so liegen?

Als Gründerin einer Plattform für zurückhaltende Menschen fühle ich mich verpflichtet, dieser Frage nachzugehen. Gerade das Thema Menschen kennenlernen und Kontakte knüpfen beschäftigt viele Introvertierte und ich selbst hatte jahrelang Schwierigkeiten damit, auf andere zuzugehen. Wenn es also eine neue App gibt, bei der ich von meiner Couch aus Expert:innen kennenlernen kann – why not?

Ich habe also geprüft:

Ist diese Plattform ein würdiger Ersatz für andere Social Media Kanäle? Kann man hier echte Gespräche führen und Menschen kennenlernen?

Mehr dazu gleich. Hier erstmal ein paar Basics…

Was ist die Clubhouse App?

Die Social-Media-App Clubhouse ist eine Art Mix aus Podcast und Chat. Oder in den eigenen Worten der Gründer: ‎Clubhouse ist ein Drop-in audio chat. Alle Intros werden sich freuen, hier gibt es also kein Video. Kein Zwang, sich sichtbar zu machen. Keine Reizüberflutung durch Stories, Reels und Co. Ich kann einfach einen Raum betreten und einer Audio-Liveunterhaltung folgen. Es gibt im deutschsprachigen Raum bereits eine Menge Clubs und Events. Hier nur mal ein paar Beispiele von Talks, die ich besucht habe:

  • Must-Reads: Aktuelle Business Bücher in der Diskussion
  • Female Founders Insights mit UND GRETEL Gründerin Stephanie Dettmann und Edition-F Co-Founderin Nora Vanessa Wohlert
  • Femboss Fail Talk
  • Tipps rund um Stimme & Persönlichkeit
  • Authentizität – Was heißt für dich authentisch? – von und mit Julian Heck
  • Was heute wichtig war mit Sascha Lobo u.v.m.

👉 Jetzt denke ich das Format natürlich auch für euch Leser:innen weiter: Wäre es nicht schön, einen Club für Introvertierte zu gründen, wo Gleichgesinnte sich finden und austauschen können? Oder ein Buchclub? Was meint ihr? Gerne in den Kommentaren Feedback da lassen!

Was ist dran am Clubhouse Hype?

Gerade hat die Audio-App Clubhouse die Messaging-App Telegram von Platz zwei der Apple-Downloadliste verscheucht. Die nächste Eintagsfliege, über die morgen keiner mehr redet? Ich erinnere mich an Vero, die angebliche Alternative zu Instagram, die genauso plötzlich verschwand, wie sie aufgetaucht war. Falls jemandem der Name bereits entfallen war: Ging mir auch so, musste ich vorhin erstmal googlen.

Wie es mit Clubhouse weitergeht, weiß natürlich niemand. Die App ist aber durchaus besonders. Ich mag die Idee, mich mit Expert:innen austauschen zu können. Noch dazu, ohne dafür auf eine Konferenz gehen zu müssen. Das ist nicht nur momentan im Lockdown praktisch, sondern entspricht generell meinen Bedürfnissen.

Nachfolgend ein paar Vorteile und Nachteile nach meinem ersten Eindruck:

Networking in 2021 Was ist dran am Clubhouse Hype?
Mein Profil am 19. Januar 2021. Followerzahlen habe ich in diesem Bild ausgeblendet, sonst verliert es zu schnell an Aktualität.

Vorteile:

💚 Audio-only

Clubhouse ist nicht text- oder bildbasiert, sondern setzt schlicht auf Gespräche. Ich kann an tiefgründigen Unterhaltungen teilnehmen und es findet echter Austausch statt. Es gibt eine Melden-Funktion, falls ich etwas beitragen möchte. Ansonsten kann ich aber auch einfach zuhören. Nicht alle Talks sind spannend und tiefgründig, so viel ist mir nach einem Tag Nutzung auch schon klar. So manches Gespräch rutscht ohne gute Moderation in ein oberflächliches Blabla ab. Aber ich kann jederzeit den Raum verlassen mit dem „leave quietly“ Button und mir einen anderen Raum suchen.

💚 Keine Selbst-Inszenierung

Auf Clubhouse zählt nicht, wie ich aussehe oder ob ich gern im Mittelpunkt stehe und möglichst hohen Output habe. Das stört mich an Instagram und Co. zunehmend. Hier kann ich, wie bereits erwähnt, auch einfach nur anwesend sein und einem guten Gespräch folgen. Oder ich trete selbst als Moderatorin in Erscheinung und gebe anderen Menschen eine Bühne.

Gleich an meinem ersten Tag auf Clubhouse schaute ich bei der Diskussion von Julian Heck vorbei: „Authentizität – Was heißt für dich authentisch?“. Und wie der Zufall es wollte, lud mich Julian direkt auf die Bühne ein. Mir ging die Pumpe, immerhin hatte ich nach rund einer Stunde Nutzungsdauer noch gar keinen Plan von der App und sollte schon was Schlaues sagen. Noch dazu höre ich lieber zu statt vor anderen zu reden.

Hat Spaß gemacht! Es geht in erster Linie darum, so viele Perspektiven wie möglich zu zeigen. Und gerade auf großen Events reden ja sonst eher extrovertierte Persönlichkeiten. Somit fehlt die Perspektive eines Drittels der Bevölkerung, die der Intros.

💚 Angenehm reizarm

Clubhouse ist das Gegenteil von Reizüberflutung. Hier wird nicht wild durcheinander geredet, sondern man wartet ab, bis eine Frage in die offene Runde gestellt wird oder man passt einen geeigneten Moment ab. Es sind eben echte Gespräche, in denen dieselben Regeln des Anstands gelten wie in einem 1:1 Gespräch. Mag ich.

Clubhouse Kritik

❌ Nur für iPhones

Aktuell können nur iPhone-Besitzer:innen die App installieren. Das wird häufig kritisiert, ist aber meiner Meinung nach größtenteils Stimmungsmache. Genörgelt wird ja immer gern. Auch ohne, dass man alle Fakten kennt. In diese Falle bin ich selbst getappt.

Was viele nicht wissen: Es ist ein gewaltiger Entwicklungsaufwand, für mehrere Plattformen zu programmieren und nicht unüblich, erstmal mit einer zu starten. Da ist die Clubhouse App ist nicht der einzige Fall. Die Gründer selbst geben an, dass ihr Angebot für alle da sein soll und somit auch auf Android ausgeweitet wird. Im Juli 2020 bestand das Unternehmen noch aus lediglich zwei Vollzeitangestellten – nämlich den Gründern selbst. Das dürfte sich inzwischen geändert haben, sollte allerdings jedem klarmachen: Wir haben es hier mit einem sehr jungen, kleinen Unternehmen zu tun.

Das offizielle Statement in englisch:

„Why isn’t it open to the public yet?
We are building Clubhouse for everyone and working to make it available to the world as quickly as possible. It’s not intended to be exclusive; we just aren’t ready to ship the general release version yet. There are two reasons for this:
First, we think it’s important to grow communities slowly, rather than 10x-ing the user base overnight. This helps ensure that things don’t break, keeps the composition of the community diverse, and allows us to tune the product as it grows.

Second, we are a small team, and we haven’t yet finished building the features that will allow us to handle more people. Right now the two of us are the only full-time employees. We’ve benefitted from the support of many, and are actively hiring, but between infrastructure scaling, feature development, gathering product feedback, and general company building, there haven’t been many spare hours in the day. Plus we have four young kids between us jumping on our keyboards as we type!“

Update 25. Januar 2021: Und da ist sie auch schon, die Ankündigung für Android-Geräte: News bei heise.de lesen.

❌ Nur auf Einladung

Und dann braucht man momentan noch einen extra Invite-Code, um ein Profil erstellen zu können. Warum das so ist? Weil sich die App noch in der Beta-Phase befindet. Ich hoffe, dass auch das bald abgeschafft wird. Ich gebe zu, momentan mutet alles etwas elitär an. Es ist aber wie gesagt durch den aktuellen Entwicklungsstand der App zu begründen. Das Ganze nun als systematische Diskriminierung zu betiteln, finde ich dann auch etwas fragwürdig. Momentan findet dieses Stimmungsbild aber einen großen Anklang.

Keine Moderation

Momentan findet kaum Community Moderation statt. Das liegt sicher am frühen Entwicklungsstatus, muss sich aber unbedingt ändern. Angriffe gegen People of Color oder rechtes Gedankengut dürfen auf keinen Fall toleriert werden, auch nicht in der Beta-Phase.

Datenschutz Probleme

Unklar ist aktuell auch noch, ob Clubhouse gegen die DSGVO verstößt. Die App muss aufs Adressbuch des iPhones zugreifen und zeichnet die Gespräche auf. Die Aufzeichnung findet laut eigenen Angaben statt, um Verstößen nachgehen zu können. Die Löschung muss man aktuell schriftlich beantragen.

Intuitiv Netzwerken

Was wäre, wenn Netzwerken sich nicht fake und oberflächlich, sondern richtig gut anfühlen würde? Geht! – Sogar wenn du Small Talk schrecklich findest. Das lernst du in unserem Online-Kurs. Folge knapp 400 Menschen,⁣ die mit Natürlichkeit statt Show bei anderen punkten⁣!

Mein Fazit:

Die Clubhouse App ist durch das Audio-only-Prinzip eine angenehme Abwechslung mit Potenzial.

Ich hoffe stark, dass die App in Kürze für andere Smartphones geöffnet wird und dass das Einladungsprinzip entfällt. Von Datenschutzmängeln ganz zu schweigen. Da ist noch Luft nach oben.

Was hältst du davon? Nutzt du Clubhouse?

Was ist Clubhouse?

Clubhouse ist eine Social Media App. Die Kommunikation ist eine Art Mix aus Podcast und Chat. Oder in den eigenen Worten der Gründer: Die ‎Clubhouse App ist ein Drop-in audio chat. Man kann einfach einen Raum betreten und einer Audio-Liveunterhaltung unter Expert:innen zu einem bestimmten Thema folgen. Es gibt im deutschsprachigen Raum bereits eine Menge Clubs und Events. Mehr dazu im Artikel…

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