Madeleine Alizadehs Blog dariadaria ist gerade 6 Jahre alt geworden. Das Resümee, das sie anlässlich dieses Tages veröffentlicht hat, hat mich sehr getroffen. Wenn du ein schüchterner Mensch bist wie ich, der oft mit sich selbst kämpft und nicht weiß, ob er sich dazu überwinden soll, aus sich herauszugehen, warst du von Madeleines Posting zum Thema Hater wahrscheinlich verunsichert.

Weil es mir zumindest so ging, möchte ich einmal aufzeichnen, welche Gedanken mir dazu heute durch den Kopf schossen.

Ein Beispiel unserer Social Media Generation

Solltest du Madeleines Beitrag nicht gelesen haben, habe ich dir eine kurze Zusammenfassung geschrieben:

Nach 6 Jahren des Bloggens hat Madeleine beschlossen, ihre Kommentarfunktion bis auf weiteres zu deaktivieren. So hat sie die Möglichkeit, sich einen gewissen Selbstschutz aufzubauen, bevor sie vollends mit dem Bloggen aufhört. Warum? Weil es für sie emotional nicht mehr tragbar ist, was ihr an Hass und Gefühlskälte entgegenschlägt. Wer sie kennt und ihren Blog regelmäßig verfolgt, weiß, dass Madeleine kein Fähnchen im Wind ist, die den Kopf einzieht, bloß weil einzelne sie kritisieren.

Wir sprechen hier von einer starken Frau, die sich die letzten 6 Jahre trotz Gegenwind nicht davor gescheut hat, für ihre Meinung einzustehen und sich für andere verletzlich zu machen. Und nun ist damit Schluss. Man kann sich bis zu einem gewissen Grad ein dickes Fell zulegen, wenn einzelne Individuen mit haltlosen Anschuldigungen auf einen losgehen. Trolle kennt jeder. Hier geht’s auch nicht um den Klassiker: „Wer austeilt, muss auch einstecken können.“ Wenn Kritik in einer Form geübt wird, die man auch in einem persönlichen Gespräch so äußern würde, hätten wir alle kein Problem.

Aber was ist, wenn man spürt, dass aus Kritik Hass wird? Und es immer mehr von diesen Menschen gibt, die keine natürliche Grenze des Anstands mehr kennen? Was ist, wenn es so persönlich wird, dass du keine Chance mehr hast, deine inneren Gefühle gegen diese Wut der Hater abzugrenzen? So etwas kommt nicht nur im Internet vor, sondern auch in „real life“.

Mittlerweile die Grenzen des guten Geschmacks deutlich überschritten. Kritik ist in Ordnung, aber wie sie geäußert wird, spielt ebenfalls eine Rolle. Was für ein Mensch muss man sein, um sich anzumaßen über die Gefühle eines (fremden) Menschen so ein Urteil zu fällen? Manchmal bin ich geneigt zu glauben, das einige Menschen mit Tieren zu vergleichen seien. Damit tut man den Tieren allerdings großes Unrecht. Tiere können keine Niedertracht und Hass empfinden und folgen nur ihren Instinkten. Was besagte Menschen also noch hässlicher dastehen lässt.

Was lerne ich daraus?

Statt in Schockstarre zu verfallen und uns zu fragen „Wie kann es nur soweit kommen? In was für einer Welt leben wir eigentlich?“, sollten wir uns lieber überlegen, was unser eigenes tägliches Handeln ausmacht. Und ich meine in der ganz „realen“ Welt, auch außerhalb von sozialen Medien und Blogs. (Wobei soziale Medien auch die reale Welt sind, aber das haben ja viele – wie man sieht – vergessen, sonst könnten sie andere nicht so verletzen.)

  • Fühle ich mich jetzt in meinem eigenen Handeln bestätigt?
  • Kann man nun sagen: „Na siehst du, so etwas passiert, wenn man sich anderen öffnet?“
  • Ist das die selbsterfüllende Prophezeiung, die allen Recht gibt, die schon immer dachten, man kann immer nur verletzt werden, egal was man tut?
  • Sollen wir uns abschotten, nur um sicher zu gehen, dass uns keiner verletzen kann?
  • Lieber gar nicht erst versuchen, anderen zu helfen, um nicht selbst dabei zu Schaden zu kommen?

Niemals!

Versteh mich nicht falsch: Ich möchte Madeleines Entscheidung auf gar keinen Fall kritisieren. Ich kann sie so gut verstehen und ich hätte es gar nicht geschafft, solche Attacken so lange hinzunehmen wie sie. Ich finde es sogar mutig, dass sie als Konsequenz nicht den Blog aufgibt, sondern einen anderen Weg findet, um weiterzumachen. So kann sie trotzdem weiterhin viel von sich geben, aber ohne dass sie sich dafür diskriminieren lassen muss.

Schließ Hater aus deinem Leben aus

Ich nehme aus dieser negativen Erfahrung von Madeleine nicht mit, dass es grundsätzlich falsch ist, anderen etwas von mir zu geben. Ich schlussfolgere nicht, dass ich richtig liege mit meiner allgegenwärtigen Angst, von anderen zurückgewiesen zu werden (was ohnehin bei mir ein Thema ist, das fast 3 Jahrzehnte füllt).

Natürlich kann jedem von uns etwas Ähnliches passieren. Auch wenn man nicht mehrere Tausend Follower hat. Manchmal reichen schon die verletzenden, hasserfüllten Worte einer einzelnen Person, um zu dem Schluss zu kommen, dass man sich nächstes Mal lieber gar nicht mehr mitteilen will. Wir tragen immer das Risiko, dass uns nicht jeder mag. Und dass andere mitunter auch Macht über uns haben, wenn sie unsere Schwächen kennen!

Und wenn eben genau das doch passiert: Mach es wie Madeleine, du hast Hausrecht! Wenn du jemanden zu dir nach Hause einlädst – also an deinen innersten Gedankengängen teilhaben lässt – dann hat derjenige nach Regeln der Netiquette zu spielen. Raus mit allem, was destruktiv und niederschmetternd ist! Du lässt ja auch niemanden bei dir zuhause auf den Teppich pinkeln. Um diese Technik anzuwenden, braucht man kein Blogger zu sein. Auf der Arbeit und im Bekanntenkreis kann es vorkommen, dass man mit Menschen zu tun hat, die jegliche Grenzen übertreten und einem wehtun.

Leite nicht aus Madeleines Erfahrung eine Gesetzmäßigkeit ab, dass jedem, der offenherzig und ehrlich auftritt, dasselbe passiert. Konzentriere dich darauf, die Chancen zu sehen. Wenn du anderen zeigst, wer du bist und wofür du stehst, bekommst du in den allermeisten Fällen sehr, sehr viel zurück (das bestätigt sie im Übrigen auch selbst). Andere öffnen sich dann ebenfalls und man kann sich gegenseitig weiterbringen.

Wenn man sich verschließt, wird man zwar nicht verletzt. Aber man wird einsam und erfährt auch nichts Schönes.

Und man verpasst die großartige Chance, anderen mit seinen Fähigkeiten und Talenten wirklich helfen zu können! Wir erleben dann auch nicht, was es heißt, trotz seiner Defizite von anderen respektiert und geschätzt zu werden. Manchmal ist es sogar eher so, dass man gerade wegen bestimmter Schwächen besonders von anderen geschätzt wird. Weich und verletzlich zu sein ist in jedem Falle schöner als kalt und hartherzig!

Was denkst du darüber? Fällt es dir leicht, dich mitzuteilen oder gar nicht?

© Foto: Lea Sander Fotografie

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