Ich mag meinen Job wirklich sehr und ich kann mir nicht vorstellen, etwas anderes tun zu wollen. Heißt das aber, dass ich nie abschalten muss und zwangsläufig immer vor Ideen nur so sprühe?

– Nein! Ganz und gar nicht!

Während ich das hier tippe, sitze ich in einem hellen, typisch skandinavisch eingerichteten Haus an der Nordseeküste Dänemarks. Hier gibt es eigentlich nichts zu sehen und zu erleben. Außer vielleicht die genialen Supermarktfunde, bei denen ich regelmäßig total aus dem Häuschen bin (Zimtknäckebrot, yummy). Hier gibt es nur das große Haus, Dünen, rauen Wind und Wald, Wald, Wald. Mehr nicht. Das reicht. Hier fällt es plötzlich ganz leicht, zu entschleunigen. Weg von dem Lärm des Alltags, weg vom Highspeed Internet Anschluss. So ist Achtsamkeit natürlich einfach. Und zuhause?

Ich wusele normalerweise den ganzen Tag umher und brüte andauernd neue Pläne und Ideen aus. Ich muss andauernd irgendetwas notieren und so viele Eindrücke wie nur möglich sammeln. Und irgendwie habe ich auch gedacht, das muss so sein. Ich bin doch schließlich ein Bildungsbürger, der nie aufhören darf zu lernen. Oder doch?

Mit diesem Mindset kommt an alle möglichen Orte (zum Beispiel die Therapie-Couch), aber sicher nicht an einen Ort der Ruhe und Gelassenheit. ‚Wo ist dieser Ort eigentlich?‘, habe ich mich immer wieder gefragt. Die Antwort ist sogar ziemlich einfach: In dir selbst, sofern du es denn zulässt.

Ich habe jahrelang gedacht, Urlaub bedeutet, so viel Neues wie möglich zu sehen:

„Wenn wir schonmal hier sind, dann müssen wir uns alles ansehen!“
„Ich bin doch nicht hier, um faul herumzuliegen!“

Die innere Perfektionistin ist nicht aufzuhalten. Immer will sie in Bewegung sein, Zeit „sinnvoll“ nutzen und bloß keine Langeweile aufkommen lassen. Und ich dachte, mein Kopf braucht genau das, um wieder kreativ zu werden. Stimmt aber gar nicht! Da merkt man mal wieder, wie viel man noch über sich selbst lernen muss. Ich fahre seit Jahren jedes Jahr mindestens einmal nach Dänemark, um zur Ruhe zu kommen, aber trotzdem wird mir Jahr für Jahr mehr bewusst, was Abschalten und Achtsamkeit wirklich bedeuten. Und überhaupt:

Was ist denn der Sinn von Urlaub und Entspannung?

Unser Alltag ist immer anstrengend. Wir lernen so viele Dinge, müssen an Tausend Sachen gleichzeitig denken und bitteschön immer super flexibel sein. Für mich waren die letzten Jahre so aufregend und turbulent, dass ich manchmal gar nicht hinterherkam, alles mal zu ordnen. Alles, was ich gelernt und erfahren habe, muss reflektiert und verdaut werden. Oftmals reagiere ich aber nur noch statt zu reflektieren. Kennst du das auch?

Auch wenn das alles sehr spannend ist und mich diese Dynamik fasziniert, brauche ich ein Timeout. Das war mir gar nicht so bewusst, das habe ich erst hier gemerkt. Und nun? Nun bin ich einfach nur da. Kein Müssen, nur Wollen. Bei einem Waldspaziergang wurde ich gefragt, wie ich mich fühle. Ich musste etwas nachdenken und wusste trotzdem keine passende Antwort. Einfach nur dasein reichte. Ich war zufrieden mit mir und meiner Umwelt. Da habe ich gemerkt, was Urlaub wirklich kann. Wenn ich in Paris oder New York bin, dann renne ich fast 20km jeden Tag durch die Gegend, um niedliche Cafés, die besten Fotomotive  und die schönsten Parks aufzustöbern. Das macht irre viel Spaß und gibt mir auf gewisse Weise auch neue Energie für meine Arbeit.

Allerdings in Form von Ideen, aber Erholung für Körper UND Geist ist das nicht. Sobald ich nach 7 Stunden Flug wieder einen Fuß auf deutschen Boden setze und erstmal dafür sorgen muss, dass der kratzige Rachen (danke liebe Klimaanlage) verschwindet, war’s das mit der Erholung. Die Eindrücke und Bilder bleiben, aber neue Energie bringe ich nicht mit. So ist es leider.

Diesen Unterschied begreift man vielleicht erst, wenn man beides erlebt hat. Ich brauche ab und zu einen Tapetenwechsel, um mein Gehirn mit neuen Bildern zu füttern. Aber die wahre Erholung setzt für mich erst an dem Punkt ein, wo wirklich nichts mehr passiert. Wenn die Stille fast wehtut und man nicht mehr weiß, was man als nächstes tun soll. Wenn dieses Kribbeln einsetzt und man meint, unbedingt etwas schaffen zu “müssen”, weil man sonst gar nicht weiß wohin mit der Energie. Und kurz dahinter fängt die Erholung an und das bewusste Wahrnehmen eines Augenblicks. Man muss es nur zulassen!

Jeden Tag ein bisschen Urlaub – abschalten lernen

Wie können wir lernen, wie Abschalten geht und den Moment zu genießen? #abschalten #entschleunigung #achtsamkeit #pause #introvertiert #mindfulness #stress #unplug #lettering

Noch viel interessanter wird das Thema „Abschalten lernen“, wenn bedenkt, wie viele Menschen nur einen sehr knapp bemessenen Jahresurlaub hat. Man freut sich fast das ganze Jahr darauf – aber oftmals reicht die kurze Zeit dann doch nicht, um sich wirklich zu erholen. Manche nutzen ihren Urlaub dann sogar für Dinge, die sie seit Ewigkeiten vor sich herschieben und schon im Alltag nicht schaffen. So wird dann auch der Urlaub zu einer einzigen To-Do-Liste.

Deswegen sollten wir uns vornehmen, jeden Tag (!) einige Momente damit zu verbringen, mal tief Luft zu holen und uns zu fragen, ob wirklich jeder Termin, jedes „Muss“ wirklich so dringend ist. Oder ob es auch hin und wieder mal reicht, nur da zu sein und den Moment zu genießen. Manche Menschen „können“ nicht einmal einen Tee in Ruhe trinken, ohne dabei ihr Smartphone in der Hand zu haben und ihre Instagram-Timeline durchzuscrollen. Okay, „manche Menschen“ bin ich selbst manchmal. Ich verbiete mir das mittlerweile. Diese fixe Idee, gerade zu fanatisch immer mehrere Dinge gleichzeitig tun zu wollen, statt sich selbst einen winzig kleinen Moment des Genießens zu erlauben – wann ist die entstanden?

Freizeit ist der Treibstoff, den unser Körper und unsere Psyche brauchen, um stark und gesund zu bleiben.

Dabei bestätigen viele Forschungsergebnisse sogar: Manchmal kann ein Schritt zurück auch bedeuten, dass man wieder mehr vom großen Ganzen sieht und in Wahrheit eher einen Schritt nach vorn macht. Ich kann das nur wild nickend bejahen! Zeit für sich selbst darf kein Luxusgut sein. Im Gegenteil, einige Minuten jeden Tag für sich zu haben – um ein Buch zu lesen, zu basteln oder was immer dich erholt – sind eine Art Medizin! Es geht überhaupt nicht darum, seine Aufgaben zu vernachlässigen oder stundenlang in den Tag hineinzuleben. Sondern um die Erkenntnis, dass dein Gehirn Ruhe braucht, um sich neu zu kalibieren und Energie zu sammeln! Genauso wie dein Körper Schlaf braucht, um dich auf beiden Beinen durch den Tag zu tragen.

Achtsamkeit wird einem übrigens nicht in die Wiege gelegt. Ja, manche sind vielleicht reflektierter als andere. Aber dennoch kann man sie üben. Achtsamkeit ist eine Fähigkeit, die man trainieren kann wie einen Muskel.

Noch mehr Achtsamkeit

Wobei kannst du am besten neue Energie tanken?

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