Heute gehen wir in eine neue Runde der Interviewserie „5 Fragen an“. Und zwar mit Fee Vogel, der Geschäftsführerin von vitamin fee – agentur für kommunikation. Ich habe Fee vor einigen Monaten auf einem Barcamp kennengelernt, auf dem sie erzählt hat, wie sie sich im Bereich Eventmanagement und Public Relations mit ihrer Agentur in Berlin selbstständig gemacht hat, was ihre ersten Aufträge waren und worauf sie jetzt – mit mittlerweile sieben Angestellten! – großen Wert legt. Sie war mir auf Anhieb sympathisch und sie hat sofort „ja“ gesagt, als ich sie um ein Interview gebeten habe. :)

Los geht’s

Deine Agentur ist in letzter Zeit stark gewachsen. Worüber machst du dir bei der Mitarbeiterführung besonders viele Gedanken und was schätzen deine Mitarbeiterinnen an dir?
Ich weiß natürlich genau, worüber ich mir Gedanken mache, aber ich war nicht sicher, was meine Kolleginnen an mir schätzen. Deshalb habe ich sie einfach gefragt. Ok, es ist im ersten Moment vielleicht seltsam, wenn die Chefin danach fragt, aber ich habe – für das Protokoll – auch nach Kritik gefragt! Und jetzt weiß ich, dass meine „Herzensthemen“ auch tatsächlich wahrgenommen werden, und das macht mich froh. So mache ich mir besonders viele Gedanken über die Atmosphäre im Büro. Klar, gute Laune ist wichtig, aber ich meine auch in Sachen Fehlerkultur, Respekt für einander und den Umgang miteinander. Bei der Personalauswahl schaue ich deshalb nicht in erster Linie auf Noten, sondern habe das Ziel, Menschen zu finden, die wirklich Lust auf den Job haben und vor allem auch menschlich zu vitamin fee passen. Als Chefin versuche ich, das große Ganze im Blick zu halten und doch auch jeden einzelnen zu sehen – mit seinem kleinen Rucksack an Themen, Bedürfnissen und ggf. Sorgen. Im Rheinland sagt man „Jeder Jeck is anders“. Und das soll so viel heißen wie „Übe Toleranz und Nachsicht dem anderen gegenüber, im Wissen um die eigene Unvollkommenheit.“ Das finde ich ziemlich einleuchtend und versuche, es zu berücksichtigen. Klar klappt das nicht immer gleich gut, aber ich bin ja eben auch nur ein Mensch mit meinem eigenen Rucksack.
Übe Toleranz und Nachsicht dem anderen gegenüber, im Wissen um die eigene Unvollkommenheit.
 „Jeder Jeck ist anders“, den Spruch kannte ich noch nicht. Ein schöner Gedanke, dass man jeden so nimmt, wie er ist. :) Wie teilst du dir als Unternehmerin deine Zeit ein und welche Freiräume schaffst du dir?
Ehrlich gesagt: Das ist  nach wie vor ein schwieriges Thema. Ich arbeite gerne und mit viel Leidenschaft – auf die Uhr schauen hat für mich nie dazu gehört. Doch dann ist mein Vater gestorben. Mit 58 völlig ohne Vorwarnung. Danach habe ich mir vorgenommen, mehr auf mich zu achten, bewusst Freizeit und Urlaube zu genießen und noch mehr abzugeben. Dazu gehört auch ein klarer Feierabend um spätestens 19 Uhr und Zeit für Hobbys wie beispielsweise das Bloggen. Tja, und dann gibt es Situationen, auf die man nicht gefasst ist und dann klappt es mit den Vorsätzen so gar nicht. Ende Mai kam beispielsweise der langfristige Ausfall einer Kollegin mit dem Gewinn verschiedener großer Projekte zusammen – und seither versuche ich, wieder Luft zum Atmen zu bekommen. Da ich nicht mehr nur für mich die Verantwortung trage, leiden leider in solchen Ausnahmefällen (in denen übrigens natürlich alle hart arbeiten) diese Freiräume. Aber zumindest bin ich mir darüber bewusst und weiß, dass ich sie wieder schaffen muss. Für meine Kolleginnen und für mich.
 
Was tust du, wenn du dich überhaupt nicht konzentrieren kannst?
Wenn ich ich mich gar nicht konzentrieren kann, liegt das meistens am Chaos – in meinem Kopf. Und manchmal auch noch ganz plastisch auf meinem Schreibtisch. Ich brauche Ordnung zum Denken und entsprechend räume ich dann gerne erst einmal auf, sortiere E-Mails weg und schreibe Listen. Hauptsache, raus aus dem Kopf. Mit einem guten Überblick kann ich mich deutlich besser konzentrieren, Prioritäten setzen und auch ggf. delegieren. Tee und Updates von der Mininichte helfen auch fast immer.
 
Das Problem mit dem Chaos im Kopf kenne ich allerdings. Ich bin auch ein großer Fan von Listen! Aus welchem Misserfolg hast du am meisten gelernt?
Puh! Also im Prinzip muss man ja unterscheiden, ob es um Misserfolge in Sachen Führung geht oder in Sachen Wirtschaftlichkeit. In meiner Rolle als Chefin versuche ich, mich bei jedem Fehler zu fragen, was ich dazu beigetragen habe, dass dieses Problem überhaupt entstehen konnte. Aktiv oder meistens eher passiv, weil ich Dinge nicht genug erklärt habe, eine weitere Kontrolle versäumt oder die Situation falsch eingeschätzt habe. Insofern lerne ich hier aus jeder Schwierigkeit immer auch dazu. Als Geschäftsfrau habe ich in verschiedenen Situationen gelernt, dass andere nicht zwingend die gleichen Werte achten, Verantwortung anders definieren und als Erfolg oft nur in Geld bemessen wird. Natürlich müssen wir auch leben und ich muss Miete und Gehälter zahlen – aber trotzdem möchte ich die Begeisterung für die Arbeit und die Menschen über das pure Streben nach mehr Gewinn nicht verlieren. Diese Grundhaltung hat mir einige wirtschaftliche Misserfolge eingebracht … und doch hat sie mir auch bewusst gemacht, dass ich so und nicht anders arbeiten will. Und ich glaube daran, dass es auch immer Kunden geben wird, die das schätzen. Die Misserfolge auf der Suche nach den richtigen Kunden nehme ich da gerne in Kauf.
 
Ich habe auch schnell gemerkt, wie unterschiedlich die Wertvorstellungen sind. Und dass eben viele Klienten auch gar nicht unbedingt zu meinen eigenen Werten passen. Meine letzte Frage: Welchen Rat kannst du jedem mit auf den Weg geben, der selbstständig ist oder darüber nachdenkt? :)
Als Selbständiger ist es schwer, die ruhigen Zeiten zu genießen und seine Energie für stressige Phasen zu konservieren. Ich denke, der Glaube an sich selbst ist da eine der wichtigsten Grundlagen – wobei ich nicht von übertriebenem Selbstbewusstsein, sondern von einem gesunden Selbstvertrauen spreche. Immer wenn ich weiß, dass ich mein Bestes (und man weiß ja tief drin immer, ob es wirklich das Bestmögliche war) getan habe, kann ich mich auch einmal zurücklehnen und genießen.
 
Danke Fee für das schöne Interview, Fee! Ich glaube, deine Mitarbeiterinnen können sich sehr freuen, eine Chefin wie dich zu haben! :) Wer Fees Arbeit gern besser kennenlernen möchte, kann sich auf ihrer Agenturseite einen Überblick verschaffen: www.vitaminfee.com/deAußerdem bloggt sie in ihrer Freizeit hier über Lifestyle-Themen und alles schöne: www.fairylikes.de
Foto: privat

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